» 12.03.2010, 11:45

Dax um 6000, VW im Visier der Zocker

Volkswagen verdient deutlich weniger, weil die Käufer klamm sind, die Autos kleiner werden und die Margen mickriger -  was sollen da wohl Daimler oder BMW sagen?. Dennoch legt die Aktie deutlich zu, an zwei Tagen nun schon um mehr als zehn Prozent. VW, auch als Vorzugsanteil, schon wieder eine Zocker-Aktie?

VW steht, wie die anderen Autohersteller auch, an einer Weggabelung. Die alten Rezepte – mehr, größer, schneller – haben ausgedient und taugen nicht mehr als Basis des Massengeschäfts. Wo das für einen 105-Milliarden-Euro-Konzern in Zukunft liegt, wird sich erst Schritt für Schritt zeigen. Doch die Startbedingungen für VW sind gut: Das Markensortiment ist breit und lässt sich gut der Nachfrage anpassen; im Wachstumsmarkt China ist VW unter den Europäern führend – und da sollen, in drei Jahren, auch gleich Elektroautos produziert werden.

Gerüchte um Fehlspekulationen von Short-Sellern kommen hinzu. Allerdings, im Gegensatz zur vergangenen Übernahmenschlacht um die Stammanteile geht bei den Vorzügen die Bewertung in Ordnung und fällt innerhalb der Branche nicht aus dem Rahmen. Das war in den vergangenen zwei Jahren ganz anders, deshalb schwoll die Short-Spekulation auch so gigantisch an. Selbst wenn jetzt noch einige Baissiers auf dem falschen Fuß erwischt werden und ihre Positionen kurstreibend eindecken müssen, dürfte das in einigen Tagen abgebaut sein.

Dem Kurs hilft es ebenfalls, dass die angekündigte Kapitalerhöhung nicht so üppig ausfallen soll wie erwartet. Damit können sich die derzeit über den Erwartungen liegenden Geschäftszahlen im Gewinn je Aktie bemerkbar machen. VW-Aktien sollten sich erst einmal um 70 Euro einpendeln, zum Nachlegen müsste die Bandbreite 65 bis 68 Euro ausreichen.

Investieren mit Warren Buffett

Die Münchener Rück – heute Munich Re – rechnet mit einem schwachen Jahr 2010. Dennoch, gerade angesichts der weltweit anziehenden Zahl von Großschäden wächst der Bedarf, sich dagegen zu versichern. Zudem ist die Aktie günstig und hat eine gute Dividende. Das schützt vor größeren Rückschlägen. Und dass Warren Buffett als Großinvestor Stück für Stück aufstockt, ist ja auch kein schlechtes Zeichen.

Wie entscheidend Dividenden für das nachhaltige Investieren sind und welche Papiere sich hier besonders lohnen, dazu finden Sie in der neuen WiWo 11/2010 alle wichtigen Details . 

Bei K+S bricht der Gewinn 2009 – je Aktie gerechnet – um mehr als 90 Prozent ein. Dennoch ist der Ausblick nicht schlecht. Das Düngemittelgeschäft zieht an, das Geschäft mit Auftausalz und damit die Expansion in Nordamerika erweist sich als immer wichtigerer Ertragsbringer. 2010 ist ein deutlicher Zuwachs bei Umsatz und Gewinn in Sicht. Dennoch, kurzfristig ist keine Eile angesagt, der jüngste Anstieg auf bis zu 46 Euro war Vorschuss der Optimisten. Die Basis für ein langfristiges Investment liegt eher im Bereich um 40 Euro.

Abwärtswende – oder Fehlalarm?

Für den Gesamtmarkt spitzt sich aus Sicht der Charts in den nächsten Wochen alles auf die Frage zu, ob aus den Schwankungen seit vergangenem Herbst nun große, obere Wendeformationen werden. Das zeigt sich nicht nur im Dax oder im Euro Stoxx, sondern in vielen großen Einzelaktien. Gut sichtbar etwa bei Daimler (hier liegt die entscheidende Untergrenze bei 30 Euro), E.On (Untergrenze 26 Euro), Metro (37 Euro) oder ThyssenKrupp (22 Euro). Im Dax selbst liegt dieses Kursniveau derzeit bei 5450 bis 5500 Punkten. 

Die Entscheidung, ob es nun wirklich zu einer Kopf-Schulter-Abwärtswende kommt, wird in den nächsten Wochen fallen. Allerdings sind derzeit übertriebene Ängste nicht angebracht. Die Aufwärtsdynamik des jüngsten Anstiegs, zahlreiche stabile Schwergewichte (Allianz, Siemens, BASF, sogar die Deutsche Bank) und der große Abstand des Dax zu dieser entscheidenden Zone sprechen gegen einen kurzfristigen Absturz. Außerdem wäre die böse Chart-Formation mit einem Verkaufssignal erst dann abgeschlossen, wenn der Dax auch noch unter 5450/5500 rutscht. Davon sind wir weit entfernt.

Hält sich der Dax an sein mittelfristiges Schwankungsmuster, dann steht in der zweiten Märzhälfte eine Gegenbewegung zur aktuellen Aufwärtsbewegung an. Dann kommt es darauf an, wie dynamisch dieser Rückgang ausfällt. Sind die Umsätze hoch und die Abschläge groß, wäre das ein klares Warnsignal. Bleibt es aber bei einer moderaten Konsolidierung, wird das eine gute Basis für den weiteren Jahresverlauf.

Auf einem anderen Stern: China

Mit enormen Wachstumsraten zeigt China, dass das Land offensichtlich auf einem anderen Stern liegt. Die chinesische Wirtschaft ist in der Lage, nicht nur die Krise auszubügeln, sondern auch ohne größere Probleme den langjährigen Wachstumstrend aufrecht zu erhalten.

Allerdings, die entscheidenden Aktienmarktkurven verlaufen nicht ganz so souverän. Der Hang Seng China Enterprises der in Hongkong gehandelten chinesischen Standardaktien sollte keinesfalls unter 11000 tauchen. Auch die lokalen Indizes sehen nicht besser aus. Der Shanghai A etwa hat nur ein paar Prozent Luft zur wichtigen Unterstützung bei 3100. Trotz konjunktureller Traumzahlen bergen chinesische Aktien Risiken. Vor allem die Inflation und die Immobilienpreise sind eine Gefahr. Mehr zu chinesischen Aktien und den Aussichten anderer Weltbörsen in einem Interview mit dem Allianz-Aktienmarktstrategen Andreas Utermann in der neuen WiWo (11/2010).

» 12.03.2010, 11:45

    Ein Kommentar zu “Dax um 6000, VW im Visier der Zocker”


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