Der Ifo-Index sinkt nach zehn Monaten Kletterpartie. Schuld ist das frostige Konsumklima. Wen wundert´s. Konsum ist ein Spätindikator. Während Banker schon wieder üppige Boni kassieren und Börsianer von einer den Aufschwung antizipierenden Hausse träumen, kommt die Wirklichkeit nicht hinterher.
Für immer mehr Menschen sind die wirtschaftlichen Grundfesten erschüttert: die Sicherheit des Arbeitsplatzes (und damit des Einkommens) und die Stabilität des Geldes. Die Stimmungs-Tester von GfK rechnen auch in den nächsten Monaten mit einem rückläufigen Konsumklima.
Neben ernüchternden Allgemein-Indikatoren zeigt sich bei immer mehr Unternehmen, wie mühsam der Weg aus dem Krise ist. Vor einer Woche enttäuschte Daimler, dann die Commerzbank, dann die Darmstädter Merck. Sogar Bayer oder RWE liefern jetzt Magerkost. Die mitunter heftigen Kursabschläge machen offensichtlich, dass sich viele Anleger auf die neue Bescheidenheit erst einstellen müssen.
Der Aufschwung trägt sich noch nicht selbst
Bisher halfen dem Dax starke US-Aktien – besonders typisch am Donnerstag (25. Februar) , als die Weltbörsen tagsüber erst massiv in die Verlustzone rutschten, die späte Rally im Dow Jones aber vieles wieder ausglich.
Doch auch aus Amerika kommen immer mehr gemischte Meldungen. Das Verbrauchervertrauen ist im Februar eingebrochen, der Immobilienmarkt kommt nicht auf die Beine, der Case-Shiller-Index zeigt rückläufige Preise. Fed-Chef Bernanke spricht davon, dass der Aufschwung noch nicht selbsttragend sei.
Börsianer sind von Natur aus eher optimistisch und sehen darin die Chance, dass substanzielle Zinserhöhungen (also Fed-Funds und nicht nur Diskont) damit auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden. Klassische Denke: bleiben die Zinsen unten, ist das gut für die Börse.
Echte Gewinne statt künstliche Geldsätze
Was aber – darauf weist Vermögensverwalter Jens Ehrhardt – wenn die Börsen zunehmend weniger auf die Zinstendenz reagieren, sondern mehr auf die reale Entwicklung der Konjunktur im allgemeinen und die der Unternehmensgewinne im besonderen?
Gerade weil die US-Notenbank mit ihrer jahrelangen Expansion eine Teilschuld an der Finanzkrise trägt, kann man durchaus fragen, wie wirksam administrative Geldspritzen jetzt überhaupt noch sind. Wenn Geld in Massen vorhanden ist, die Konjunktur sich trotzdem aber nicht wie gewünscht erholt, wächst der Zweifel am klassischen Mechanismus. Mit der Menge des Geldes verliert auch der Preis der Geldes, der Zins, an Bedeutung. Dafür werden die echt erbrachte Leistung einer Wirtschaft und der real verdiente Jahresüberschuss eines Unternehmens in Zukunft an Bedeutung gewinnen.
5400 im Dax müssen halten
Noch verlaufen die amerikanischen Börsenidizes Dow, S&P und Nasdaq stabiler als Dax oder Euro Stoxx. Wenn hier die wichtigen Untergrenzen halten, wäre das auch für die angeschlagenen Euro-Börsen eine Stütze. Im Dow muss in den nächsten Wochen das Niveau um 9800 verteidigt werden. Alles darüber sind verträgliche Konsolidierungen.
Im Dax entsteht derzeit ein brisantes Szenario. Die Schwankungen seit September zwischen 5250 und 6100 bilden eine große Kursformation, deren untere Begrenzung derzeit – leicht ansteigend – bei gut 5400 verläuft. Sollte der Dax durch diese Barriere rutschen, wäre das ein sehr negatives Signal. Dem könnte sogar ein Rückschlag auf unter 5000 noch im ersten Halbjahr folgen. Entwarnung gibt es erst bei einem Anstieg über 5750/5800. Dazwischen bleibt die Hoffnung auf weitere Kurshilfe aus Übersee.











2 Kommentare zu “Zittern im Dax geht weiter”
Bisher läuft doch alles wie prognostiziert: Nach der Phase des stürmischen Aufschwungs sind wir nun in die Phase der holprigen Erholung getreten. D.h. daß die relevanten Indizes wohl die nächsten Monate seitwärts laufen, mit größeren Ausschlägen nach oben oder unten. Nicht auszuschließen ist jedoch, daß bei einem neuen Krisenherd (China, Immobilien, Staatsschulden, ..) die Märkte auch mal kräftig nach unten bewegen werden. Der langfristig orientierte Anleger kann sich jetzt bei Schwächephasen gute Werte aussuchen. Der kurzfristig orientierte Trader kann das ständige Auf und Ab nutzen, um gute Gewinne einzufahren. So macht das Spaß!
Gruß aus Frankfurt
AJ
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