» 29.01.2010, 11:09

Kurse sinken, Risiken bleiben

Es ist noch gar nicht lange her, da galt man als Pessimist, wenn man dem Dax allenfalls 6100 zugestand. Jetzt werden plötzlich Dax-Ziele von 7000 auf 5000 herunter gedreht. Mit den Kursen ist offensichtlich auch die Stimmung gekippt – und die Ansicht, dass der Aktienmarkt in einer Korrektur steckt, Allgemeingut geworden.

Was bedeutet Korrektur konkret, welches Ausmaß könnte sie annehmen? In zehn Monaten kletterte der Dax von 3600 auf 6100 Punkte, ein Zuwachs von 2500 Zählern. Würde der Dax eine Korrekturbewegung wie aus dem Lehrbuch vollziehen, gäbe er – über den Daumen gepeilt – knapp die Hälfte seines gewonnenen Terrains wieder preis. Das wäre dann in der Tat eine Zielzone etwa um 5000. Mit dem Zeitraum lässt sich ähnlich verfahren. Nach zehn Monaten Aufwärtsbewegung ginge es danach bis weit ins Frühjahr hinein, bis der Markt wieder bereinigt ist.

Börsenumfeld bleibt vorerst kritisch

Passen solche Zahlenspiele in das fundamentale Umfeld der nächsten Monate? Durchaus. Auch wenn die Wachstumszahlen in diesem Jahr nicht so schlecht ausfallen müssen (der IWF betonte das gerade), so dürfte es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Abflauen der bisherigen Dynamik kommen. Für die Gewinne der Unternehmen heißt das: Die vielfach deutlich nach oben gerechneten Ertragsschätzungen der Analysten werden wahrscheinlich nicht alle aufgehen.

Ein Beispiel: Viele Banken rechnen damit, dass die Stahlpreise im Laufe des Jahres deutlich anziehen und die Stahlunternehmen entsprechend gut verdienen. Bisher allerdings ist vom Anziehen der Stahlpreise wenig zu spüren – im Gegenteil: Nippon Steel, weltweit die Nummer zwei der Branche, musste soeben seine Gewinnprognosen drastisch kappen, weil Nachfrage und Preise sich nicht wie erwartet entwickeln. Für die Börse besteht die Gefahr darin, dass der entstandene Optimismus sich schrittweise wieder abbauen muss – und das würde genau in das Muster einer mehrmonatigen,  schwankungsreichen Korrektur passen.

Finanzbranche besonders unter Druck

Spezielle Belastungen kommen dazu – etwa die Regulierungsvorhaben für die Banken. Natürlich ist das ein Politikum, aber es deshalb als Börsianer auf die leichte Schulter zu nehmen, wäre fahrlässig. Es besteht durchaus die Gefahr, dass gerade die im Fokus der Kapitalmärkte stehenden Banken nicht mehr an das hohe Gewinn-Niveau der vergangenen Jahre anknüpfen können. Die empfindlichen Reaktionen von Top-Bankern legen nahe, dass es hier um einen substanziellen Shift geht. Dass die Branchenindizes der Banken weltweit auffallend schwach sind, passt dazu.

Kurzfristig geht im Dax die Zitterpartie weiter. Schnelle Erholung sind drin, aber sie sind noch kein Zeichen einer Aufwärtswende. Vielmehr werden vor allem professionelle Anleger solche Erholungen zum Abbau von Beständen oder gar zu Short-Spekulationen nutzen. Bis Februar/März könnte die erste Zielzone dann bei 5300 bis 5500 liegen.

» 29.01.2010, 11:09

    2 Kommentare zu “Kurse sinken, Risiken bleiben”


  1. Jan sagt:

    Ich wäre noch nicht eingestiegen :-)

  2. pinata sagt:

    appsense…

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