Artikel mit dem Tag: Finanzkrise
Volk von Bürgen
Es war die Bundeskanzlerin, die nach anfänglichem Zögern beherzt weiteren Schaden abgewendet hat. Das Versagen der Finanzindustrie aber hat die gesamte Wirtschaft blamiert und Deutschland in der ewigen Auseinandersetzung zwischen Staat und Wirtschaft, zwischen Freiheit und Bevormundung um Jahrzehnte zurückgeworfen. Reformen, Neoliberalismus, freie Märkte, Privatisierung – das sind keine realistischen Konzepte mehr, sondern Schimpfworte. Im Wahlkampf, der längst begonnen hat, werden die Argumente der Wirtschaft in Hohngelächter untergehen. Es ist ja auch kaum zu verstehen, warum der Bundeshaushalt erst über schmerzhafte Einschnitte im Sozialbereich mühsam saniert werden muss – und dann die 100 Milliarden ratzfatz ausgegeben werden.
Zwei Wahrheiten
Das klingt ziemlich spinnert, bisweilen paranoid – und doch haben viele Leser der WirtschaftsWoche solche Fragen gestellt. Bei Banken häufen sich Anfragen danach, wie sicher denn die Spareinlagen wirklich, wirklich sind. Offensichtlich löst die Finanzkrise bei vielen jene Urängste aus, die zuletzt während der Koreakrise in den frühen Fünfzigerjahren die leidgeprüfte Kriegsgeneration veranlasste, Notvorräte einzulagern. Sind wir schon wieder so weit? Oder reden wir den Aufschwung kaputt — unfähig, das Positive wahrzunehmen?
Banken-Bankrott
In diesen Tagen ist hübsch zu beobachten, wie Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, husch, husch unter den Rock anderer Leute kriecht und dabei auch noch deren Taschen durchwühlt – nicht etwa auf der Suche nach ein paar Münzen für Schnaps und Zigaretten, sondern beim Grapschen nach den wirklich großen Scheinen: Wegen der Finanzkrise müsse der Staat eingreifen und die Banken retten, fordert jetzt Ackermann. Knapp zwei Wochen zuvor hatte sich das aus seinem Mund noch anders angehört: „Das Finanz- und Bankensystem ist stabil“, nur wenige Banken hätten Verlust gemacht. Erst im September hatte er sich über Banker lustig gemacht, die zu spät aus dem Spiel mit US-Krediten ausgestiegen waren, vom „begrenzten Ausmaß“ der Krise fabuliert und den Selbstheilungskräften des Marktes.


