Macht der Moneten

Frauen erzielen höhere Renditen und bessere Ergebnisse. In Führungspositionen fehlen sie weiterhin. Deshalb ist die Quote richtig.

Der Satz sitzt. „Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten.“ So begründete Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Deutschen Bundestag die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote. Vermutlich spielte die Kanzlerin mit ihren Worten in erster Linie auf die gesellschaftliche Situation an: Ein Land wie Deutschland sollte sich im Spiegel der internationalen Konkurrenz schämen, wenn Frauen im Jahr 2015 nur 18,9 Prozent der Aufsichtsratsposten oder gar nur 5,7 Prozent der Vorstandsposten in Unternehmen haben.

Deutschland hat nicht nur viele Weltmarktführer. Die soeben veröffentlichte Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton zeigt auf Basis einer Befragung von 5400 Führungskräften mittelständischer Unternehmen in 35 Ländern: Deutschland ist auch Weltmarktführer, und zwar in mangelnder Chancengleichheit für Frauen in der Wirtschaft. Bei der Diskriminierung in Unternehmen liegt Deutschland auf Platz eins. 47 Prozent der Befragten finden, dass Frauen im jeweiligen Unternehmen diskriminiert werden. Bei den Aufstiegshürden für Frauen in Unternehmen konkurrieren wir übrigens mit Nigeria.

Es gibt noch immer Manager, Führungskräfte und Politiker, die glauben, sich das leisten zu können. Spätestens ein Blick auf die Zahlen sollte sie eines Besseren belehren. Bereits vor Jahren hat eine Auswertung der Unternehmensberatung McKinsey gezeigt: Auf die Frauen kommt es an. Unternehmen mit hohem Frauenanteil in den Top-Positionen erzielen im Vergleich zum Branchensektor eine höhere Kapitalrendite, ein besseres Betriebsergebnis und einen besseren Aktienkurs. Doch die Beharrungskräfte, in Deutschland oft als Erfolgsrezept des Wirtschaftsstandorts gelobt, lassen sich offenbar auch vom Blick in die Kasse nicht irritieren.

Lieber eine schlechtere Performance als mehr Frauen in Führungspositionen?

Das mag eine besonders trickreiche Raffinesse antizyklischer Strategie sein. Verständlich ist es nicht. Akzeptabel auch nicht.

Es ist daher gut, dass börsennotierte Unternehmen dem Einfluss und Druck ihrer Anteilseigner ausgesetzt sind. Die wollen nämlich ohne Einschränkung zwei Dinge sehen: Erfolg und Geld. Auch für die Finanzbranche zeigt sich der Trend zum weiblichen Rendite- und Dividendenplus inzwischen deutlich. Frauengeführte Unternehmen schneiden besser ab. Je mehr Frauen ins Top-Management einziehen, desto höher die Eigenkapitalrendite.

Ein Grund: Frauen sind weniger risikofreudig. Was in der Halligalli-Zeit der Zweitausenderjahre an der Wall Street und in der Londoner City den Herren lediglich ein müdes Lächeln auf die Lippen zauberte, bringt Anleger heute zum Strahlen. Indem Frauen beim Aktienhandel weniger Risiken eingehen, verhindern oder mäßigen sie Preisblasen.

Wir können es uns nicht leisten, auf die Kompetenz der Frauen zu verzichten. Da hat Angela Merkel recht. Gesellschaftlich nicht, aber vor allem auch ökonomisch nicht. Bei aller Aufregung um die Frauenquote ist doch eines interessant: Es gibt genügend Hinweise aus den Märkten, dass Frauen zur Diversität in der Unternehmensführung dazugehören, ja, dass diese Diversität ein Gebot ökonomischer Vernunft ist. Trotzdem tut sich fast nichts. Schlägt die Angst vor Machtverlust gar die Aussicht auf mehr Gewinn? Macht statt Moneten?

Adam Smith hat auf die Kräfte des freien Marktes vertraut. In der Frauenfrage steckt die unsichtbare Hand leider schon zu lange geballt in der Hosentasche der Anzugträger und hält manchmal auch die Türen zur Chefetage von innen zu. Jetzt kommt die Regulierung.

Die Frauenquote ist – wie jede Quote – ordnungspolitisch fragwürdig. Trotzdem ist sie – zeitlich begrenzt – richtig. Alles andere können wir uns nämlich nicht leisten.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Miriam Meckel. Permanenter Link des Eintrags.

Über Miriam Meckel

Dr. Miriam Meckel ist Chefredakteurin. Die studierte Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin sowie Sinologin startete als Fernsehjournalistin bei WDR, RTL und Vox, bevor sie eine Professur für Journalistik an der Universität Münster übernahm. Meckel war danach fünf Jahre Regierungssprecherin und Staatsekretärin für Medien, Europa und Internationales beim Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen und wechselte dann zurück in die Wissenschaft. Sie ist Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, Schweiz, und Autorin zahlreicher Wissenschafts- und Sachbücher.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*



Alle Kommentare [258]

  1. Verurteilte Straftäter wie Zamir kennen sich als „GEBRANDTE kINDER“ AUSGEZEICHNET MIT DEM Strafrecht AUS; DAS LIEGT DOCH AUF DER HAND; DU VERBRECHER

  2. Besoffen Tragier?
    Ich sehr hier nur EINEN Besoffenen.
    DICH.
    Von dir SELBST.

    Treffend rausgesucht Römer 😉

  3. Danke für deine phantastischen ratschläge, romerling, wer ist denn immanuel kant?
    Was zahlt dir putin eigentlich fur dein „segensreiches“ wirken als petersburger troll…

  4. @ja Maggi,schade um dich…

    Der Hochmut ist eine Art von Ehrbegierde, nach welcher wir anderen Menschen ansinnen, sich selbst in Vergleichung mit uns gering zu schätzen. – Der Hochmut verlangt von anderen eine Achtung, die er ihnen doch verweigert.

    Aufklärung ist die Maxime, selber zu denken.

    Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist leider gar nicht abzuhelfen.

    Die Pflicht gegen sich selbst besteht darin, daß der Mensch die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person bewahre.

    Immanuel Kant

    (1724 – 1804), deutscher Philosoph…

    http://www.aphorismen.de/suche?f_autor=1993_Immanuel+Kant
    ….
    solltest dir mal einige zu Herzen nehmen,auf dem Link gibt es 489 davon 😉

    Salve

  5. Mehr Bildschirme?
    Am Ende hilft nen Bloomberg (weißt du eigentlich was das ist?) gegen Abstürze!
    Spaßvogel!
    Mehr GRIPS!!!
    Und Situation 2002 mit JETZT vergleichen???
    Selbst wenn der Absturz bald kommt, was ich zumindest nicht ausschließe,
    ich überlege auch, ein paar Gewinne mitzunehmen, davon ist noch keiner verarmt, so hinkte der Vergleich mit 2002 doch – zumindest wie du ihn ziehst – auf allen vier Beinen.

    Übrigens:
    Schon vor längerer Zeit hab ich mir mal Kondratijef angeschaut. Den alten Hund. Hier drüber berichtet. 16 scheint ein schwieriges Jahr zu werden. –
    N8 Mädels. Selbst der schönste Ausflug nach MUC ist mal zu Ende. Übrigens ghost, die Spanferkel bei Schumann’s sind super. Weg mit der Pfütze. Und jetzt das Absacker-Bier zuhause beim Schreiben war das beste … Bier heute 😉

  6. karel,
    ich denke, die bayern machen das doch sehr gerne,
    sie sind geistreich, freundlich und haben die knete,
    die berliner verschwender haben nur den schlitz,
    wo das geld reinkommt, das ist doch der ganze witz,
    hooach, dass ich Dir das auch noch erklären muss
    zu solch später stunde.
    Weil Du es bist, es weiss sonst noch keiner,
    der BER wir nur noch ca. 2 jährchen künstlich
    am leben gehalten, jaa es muss sein, dann gibt
    es ein wahnsinniges umverwandlungs-projekt,
    mehr darf und mehr will ich Dir zu diesem
    zeitpunkt nicht verraten, bis dahin jedoch
    brauchts noch ein paar kleine steuergroschen-einheiten,
    die leut‘ müssen ja auch von was leben, siehe GR.

    In diesem Sinne, falls Du in D noch am Steuern abführen
    sein solltest, überlege es Dir besser, je nach dem, Zamir

  7. Pampa,
    Berliner BER.
    Mal kalkuliert mit ca. 2,2 Mrd.
    jetzt mit ca. 6,8 Mrd.
    Und die Fertigstellung in 2017 ist noch nicht sicher.
    Wofür das alles ?
    Ein FJS-Flughafen in München
    ja, das ist so etwas wie ein kostenloser CSU-Dauer-Werbeträger
    Na, da braucht es ein „geniales Gegenstück“.
    Donnerlittchen, welch ein „Blitz“.
    Und das dürfen die Bayern auch noch „gnädiglich“ bezahlen.
    Pampa, so ist das bei den „feinen“ Leuten….. 😉

    Nun denn.. ..

    Gruß
    karel