» 18.08.2012, 07:00

Hungern für den Ökotank

Die Bauern im Münsterland warten noch mit dem Verkauf ihrer Maisernte. Jeden Tag steigt der Preis an der Warenterminbörse (siehe unsere Titelgeschichte Seite 74). Ist das wirtschaftliche Klugheit oder moralisch verwerfliche Spekulation mit Lebensmitteln, gar ein Geschäft auf Kosten der Hungernden, wie es erboste Aktivisten den Banken vorwerfen? Wohl kaum – schließlich spekulieren wir ja alle gelegentlich am Wochenmarkt darauf, dass am Abend die Erdbeeren billiger werden. Die Warenterminbörse in Chicago wurde 1848 von 82 Händlern gegründet. Damals entstanden die großen Anbauflächen im Mittleren Westen. In den Erntemonaten überschwemmten die Getreide den Markt, die Preise sanken ins Bodenlose, ruinierten die Farmer, die ihren Weizen im Eriesee versenkten – während kurze Zeit später dieses Getreide fehlte und die Preise explodierten. Um den stürmischen Wechsel von Boom and Bust zu begrenzen, verkaufte man bald das Korn auf Termin, zum festen Preis, ehe der Weizen noch gesät war. Der Forwardkontrakt war erfunden. Im Zusammenspiel von Händlern und Spekulanten war es jetzt möglich, Preisschwankungen einzugrenzen, zu „hedgen“, wie es im neuzeitlichen Denglisch heißt. Es war eine segensreiche Erfindung der Finanzindustrie, die damit langfristige Investitionen in Anbau, Maschinen, Düngemittel und Weiterverarbeitung von Agrarprodukten und Rohstoffen ermöglichte; ein wichtiger Schritt auf dem Weg der USA zur globalen Agro-Supermacht.

Weltweit begannen die Getreidepreise zu sinken. Auf Druck der ostelbischen Junker, deren Latifundien im Wettbewerb nicht mithalten konnten, wurde daraufhin in Berlin die dortige Getreidebörse geschlossen. Deutschland setzte statt auf den Markt auf staatlich garantierte Hochpreise und Einfuhrzölle. So wurden die Preise für das Getreide des einflussreichen Adels hochgehalten zum Nachteil der Bevölkerung. Börse und Terminhandel gerieten in den Ruch, ein Werkzeug der jüdischen Weltverschwörung zu sein. Den Siegeszug der Chicago Board of Trade konnte das nicht bremsen; im amerikanischen Bürgerkrieg rüsteten die Händler auf eigene Kosten sogar drei Bataillone aus, die neben Stars und Stripes auch unter dem Banner der Börse in die Schlacht zogen. Heute ist sie die größte Agrarrohstoffbörse der Welt; allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Terminkontrakte auf Weizen trotz gleichbleibender Erntemenge verfünffacht.

Hier setzt die aktuelle Kritik an: Sorgfältige Analysen zeigen, dass Spekulationsgelder, die aus dem Immobilien- und Bankenmarkt an die Rohstoffbörsen verlagert werden, zwar nicht die Preise insgesamt ändern, aber die Ausschläge erhöhen und die Dauer der Hochpreisphasen verlängern, weil die Herde der Spekulanten dem Trend steigender Preise folgt: Preissteigerungen nehmen weiter Tempo auf, bis die Armen der Welt nicht mehr mithalten können und der Hunger wächst. Galoppiert die Herde in die andere Richtung, sinken die Preise zulasten der Bauern länger und tiefer, als das vorübergehende Überangebot dies rechtfertigt.

Die Spekulanten übertreiben kurzfristig, aber richten weniger Unheil an als die Politik: Mittlerweile werden 40 Prozent der USMaisernte als Biosprit verbrannt; in Deutschland wird knapp ein Drittel der Maisernte in den Bioanlagen vergast. Das Getreide kommt nicht mehr auf den Teller der Hungerbevölkerung, sondern wandert in den Tank oder ins Stromnetz, ge- und befördert durch das Erneuerbare-Energien- Gesetz. Die grünen Energien werden mit Hungergetreide produziert.

Weil die Weltbevölkerung und mit ihr der Hunger wächst, kann die Agro-Inflation nur mit Investitionen bekämpft werden – neue Anbauflächen, Traktoren, Saatgut, Logistikketten, Düngemittel steigern die Ernte. Wie Sie guten Gewissens in den Agrarmarkt investieren und zur Lösung des Hungerproblems beitragen können, lesen Sie in der aktuellen WirtschaftsWoche.

» 18.08.2012, 07:00

    263 Kommentare zu “Hungern für den Ökotank”


  1. Warum lautet die Überschrift nicht? (wahlweise)
    - Hungern wegen Tabak (4,1 Millionen Hektar im Jahr 2000)
    - Hungern wegen Baumwolle
    - Hungern wegen übermäßigem Fleischkonsum
    - Hungern wegen Weihnachtsbäumen
    - Hungern wegen Tulpen, Rosen, Gerbara …
    - Hungern wegen Solaranlagen

  2. Zamir Zebulovic sagt:

    Ooch, ich kann es nicht lassen,

    welch eine bedeutungsschwangere überschrift
    gerade auf süddeutsche.de gelesen,
    das klingt wie ein lieblingsgericht im steakhaus:

    “Wie das Gift der Finanzwirtschaft ins System tröpfelt”

    Das schattenschuldenreich der ezb und die
    ökonomie der wundersamen geldvermehrung.
    Denn sie wissen nicht was sie tun, dies aber
    mit grosser begeisterung.

    Wer treibt hier wen vor sich her und
    am ende droht der kassensturz,
    weil im südlichen europa nach
    alter kapitalistischer boom-blasen-
    mentalität alle anlage-verramscher
    eine eigene finca, mass-stabgetreu
    in eine sandburg verschandelten.

    Schuld hat alleine der mausklick,
    ohne ihn wären wir noch immer
    völlig schuldenfrei und könnten
    in der nächsten griechischen
    taverne eine kollekte ausrufen.

    Viele Grüsse vom sich selbst renovierenden Anarcho-Fiffimarkt, Zamir

  3. Zamir Zebulovic sagt:

    Spekulanten und mutanten, dazu die verhungernden,
    die frage lautet doch gaanz einfach:

    Wieso dürfen die einen, ihren spieltrieb so
    grenzenlos ausleben, während die
    anderen nicht mal ein hungertuch finden ?

    Die sicht auf den gesamten moloch, legt
    die schwachstellen frei und bestätigt
    aufs neue die inkontinenz der westlichen
    kulturhoheiten.

    Es sind immer und ewig nur aufbau-
    schwierigkeiten,

    an einer gerechteren welt mit
    teilhabe-möglichkeiten auch für das
    reinigungs- und bedienungspersonal,

    an einer qualitativ hochstehenden
    schul- und berufsausbildung,

    an einem hauptstadtflughafen,
    der aufgrund von mauschelitis,
    intransparenz und inkompetenz
    kurz vor dem kollaps steht,

    an einem häufchen von
    verkappten grosswildjägern,
    die immer wieder denken,
    dass getrüffelter nashornpenis-brei,
    auch mit 82 noch die manneskraft
    vulkanartig zum ausbruch bringt.

    Wenn somit schon in der aufbau-
    phase, die ersten schwachstellen
    auftauchen, dann könnte es auch
    an einer gehirnskasten-trombose
    liegen, jaja dochnoch.

    Schönen Gruss vom letzten Versuch die Unschuld
    zu beweisen, Zamir

  4. Zamir Zebulovic sagt:

    @ all,

    eine diskussion um des kaisers bart
    würde hier erst die richtige klare
    klossbrühe auftischen können.

    Wie jetzt, merkel-klößchen, oder
    mark-klößchen, NEIEN,
    euro-klößchen für den ehemaligen
    verarmungskanzler mit einer
    flaschbier im arm, jede europäische
    hauptstadt erhält ihr eigenes
    “gerhardelchen denkmal.”

    Haha 4-verordnungen überall
    und die anarchofiffis sind somit
    in die flucht geschlagen, nach der
    hitzewelle kommt die klagewelle
    und wenn alle rechtsstaatlichen
    unordnungen sich vergreifen,
    dann wird am ende noch die
    sahara zum fruchtbarsten aller
    olivenhaine, mit fassbier-anstich
    versteht sich.

    “Niemand hat die ansicht
    eine biosprit-plantage anzubauen,”
    es sei denn die benzinpreise
    werden nach oben angepasst,
    damit kommende rentnergenerationen
    nicht verdursten müssen, odda ?

    Eigentlich ganz nett hier, bei diesem
    strauss von verallgemeinerungen
    und die neueste ist immer die
    gefährlichste, also der näxxte bitte.

    Viele Grüsse vom erfolgreichsten Durchschnitts-Menschen, Zamir

  5. egghat sagt:

    Ich teile zwar die grundsätzliche Einschätzung, dass die Spekulanten vor allem für hohe Schwankungen verantwortlich sind …

    aber: Was nützt es dem, der 2008 oder 2012 verhungert, wenn die 2009 oder 2013 die (zwischenzeitlich zu hohen) Preise wieder sinken?).

    aber: Rohstoffe als Assetklasse sind kein Nullsummenspiel mehr. Da wird jeden Monat die Kaufoption weiter gerollt. Ich kann nicht sagen, wie groß der Einfluss ist, aber es gibt ihn.

    ich stimme aber zu, dass der Ökosprit wahrscheinlich einen wesentlich größeren Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise hat als die Spekulation.

    Wissen tut das am Ende aber niemand. Bin immer überrascht, wie klare Meinungen sich fast alle angesichts einer so unklaren Datenlage bilden können …

  6. Klaus F. sagt:

    @immer…

    „1. In Ländern, in denen das Profitstreben stark eingeschränkt oder unterbunden ist, herrscht keine “automatische” Sattheit, (meist das Gegenteil)… braucht´s Belege?

    In den Ländern, in denen das Profitstreben stark dereguliert ist, bzw. wurde, herrscht auch keine „automatische Sattheit“ (meist das Gegenteil)…braucht´s Belege?

    „2. Profitstreben durch welche “neue Ideoligie” ersetzen ?, gleichbedeutend mit: die Welt auf einen Schlag zu retten, endet gelegentlich im “tausendjährigen Reich”… dafür sind wir Beispiel….

    Profitstreben dadurch ersetzen, indem Geldkapital in unserem wirtschaften zumindest nicht über Mensch und Natur gestellt wird. Das war übrigens im „tausendjährigen Reich“ nicht anders.

    Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

    In der Lösung der Blockierung liegt die Lösung, behutsam, nicht gewaltsam.

  7. "Immer an der Wand lang" sagt:

    “maximaler Profit um jeden Preis!”

    Sorry Klaus, aber solch´ einem Hammerargument, kann ich nur mit zwei Hammerargumenten entgegnen:

    1. In Ländern, in denen das Profitstreben stark eingeschränkt oder unterbunden ist, herrscht keine “automatische” Sattheit, (meist das Gegenteil)… braucht´s Belege?

    2. Profitstreben durch welche “neue Ideoligie” ersetzen ?, gleichbedeutend mit: die Welt auf einen Schlag zu retten, endet gelegentlich im “tausendjährigen Reich”… dafür sind wir Beispiel….

    +

    Dein Argument hört sich aber gut an, in heutigen Zeiten, gebe ich zu, – kommt aber aus einer Ecke, wo die Rösser hoch und die Mägen voll sind… und die Autos sollen künftig doch weiterhin schnell sein, odda ned? … gut gemeint ist es aber… ja ja

  8. Klaus F. sagt:

    Hier werden zwei gewichtige Faktoren (Nahrungsmittelspekulation und Biosprit), die für den Hunger in der Welt mitverantwortlich sind, ideologisch gegeneinander ausgespielt, um den Kern des Problems zu verschleiern: Die Überhöhung des Geldkapitals gegenüber Mensch und Natur – maximaler Profit um jeden Preis!

    @Herr Tichy,
    ich denke, dem (Ver)Hungernden ist es völlig egal ,ob er die Ohrfeige von rechts oder links erhält, sie haben beide ihre (tödliche) Wirkung.

  9. "Immer an der Wand lang" sagt:

    ´A bisserl Verlogenheit gehört halt mit zum Geschäft der Illusionsmakler, (… nicht nur der ökologischen.)

    Mein Egon sagt mir: “Mein Bauch ist voll, das ist zunächst mal das Wichtigste vorab. Dann lässt es sich viel leichter über den Hunger reden. Sorge macht mir vielmehr mein angefressener Speckgürtel um die Hüften. Dass andere, wegen meinem Bio-Diesel im Tank hungern müssen, jo mei, das Wetter ist auch nicht so, dass ich jeden Tag mit dem Fahrrad fahren möchte, ich wäre ja auch bereit meinen Obulus dafür zu entrichten, sollen die halt die Lebensmittelpreise anpassen, dafür würde ich sogar bezahlen. Ich könnt´s ja auch probieren auf die f.d.H. – methode, aber das ist schwer, bei dem Angebot, das man heutzutage findet. Sollen´s die ruhig ein wenig teurer machen, das ganze Grünzeug, dann kaufen die Leut eh´ weniger ein. Und von der Spekuliererei mit den Lebensmitteln, da halt ich gar nix davon, die mit ihrem Kapitalismus, ihrem nixigen!”

    +

    Eine Kritik, gleichzeitig eine Steilvorlage für die Öko-Illusionsmakler, Herr Tichy:

    der Modus Operandi:

    - die Lebensmittelpreise werden nach oben angepasst, dank höherer Transport-/Energiepreise kommt mehr Geld in die Illusionskassen

    - Weniger Essen dient der Volks- Gesundheit, Grün und Gesund, hört sich doch gut an

    - Solidarisch mit Armen, gar Hungernden zu sein ?, der Deutsche, – Weltenverbesserer schon immer gewesen

    - und Kapitalismuskritik mit Nahrungsmittelspekulationen verbinden zu können, ja was kann denen besseres passieren?

    Die Frage jetzt nur noch: Wie sag´ ich´s meinem Kinde? …. braucht die Presse etwa kein Bio-Futter….?

    +

    Das waren halt noch Zeiten, als wir Brot aus gutem Schrot und Korn auf den Tisch bekommen haben, heut´, heut´ hau´mer den Tiger aus dem Tank und füllen ihn mit Mais und Weizen. Illusionen werden wahr, wenn wir sie tun!

  10. Hallo lieber Herr Tichy,

    Sie haben vor dem Schreiben Ihres Artikels vergessen, “e-cat rossi” zu googeln. Sie können Rossi vom 08.-09. September in Zürich beim E-Cat-Kongress treffen. Ich sende Ihnen dazu gleich ein Mail weiter. Eine zigarettenschachtelgroße Nickel-Kartusche für 180 Betriebstage für ein 10 KW-Wärme-Aggregat soll 10 $ kosten.

    Die Warenterminbörse muss gut rechnen können. 1 % der Welt-Nickel-Produktion soll für die weltweite Wärmeproduktion ausreichen. Rossi hat ein E-Cat in der Testphase, der Strom produziert. Auf welche Basis wird der Preis einer kW/h dann sinken? Was passiert, wenn die Elektroautos damit angetrieben werden? Dann werden die uns den Hausstrom für 0,00 €-Cent produzieren. Dann kann Zamir wieder besser schlafen. Schönes Wochenende, Euer Hans-Jürgen

  11. Klaus F. sagt:

    Gegendarstellung

    MIT ESSEN SPIELT MAN NICHT

    Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung,
    Olivier de Schutter stellt fest: „Ein wesentlicher Anteil des
    Anstiegs der Preise und der Volatilität bei wichtigen Grundnahrungsmitteln
    in der Nahrungsmittelkrise 2007/2008
    kann nur mit der Entstehung von Spekulationsblasen erklärt
    werden.“

    Seit einigen Jahren werben Finanzberater/innen und Banken
    in Deutschland für Agrarrohstoffe als Anlageklasse:
    Steigende Nahrungsmittelpreise verhießen hohe Gewinne,
    die sich niemand entgehen lassen solle. Je höher der Preis
    für Grundnahrungsmittel, desto höher auch der Profit, so
    die zynische Formel.
    In Deutschland geben wir durchschnittlich gut zehn Prozent
    unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus, Familien in
    armen Ländern dagegen bis zu 80 Prozent. Steigen die
    Preise, wächst der Hunger. So geschehen im Jahr 2008:
    Die globale Nahrungsmittelkrise trieb die Zahl der hungernden
    Menschen weltweit auf über eine Milliarde und löste
    in 61 Ländern Hungerproteste aus. „Alle essen weniger.
    Frauen müssen die größten Opfer bringen. Sie essen erst,
    nachdem alle anderen versorgt sind“, erklärte ein von
    Oxfam interviewter Landarbeiter aus Bangladesch.
    2010/11 explodierten die Nahrungsmittelpreise erneut.
    44 Millionen Menschen in armen Ländern – das entspricht
    mehr als der Hälfte der Bevölkerung Deutschlands –
    wurden zusätzlich in den Hunger getrieben, weil sie sich
    ihr Essen nicht mehr leisten konnten. Die Spekulation mit
    Nahrungsmitteln ist für diese extremen Preisschwankungen
    mitverantwortlich.

    Der kometenhafte Aufstieg
    der Indexfonds
    Der Handel mit Rohstoffderivaten boomt. Auf Agrarrohstoffe
    entfielen im Juni 2011 ein Viertel der weltweiten
    Rohstoff-Kapitalanlagen. Sie sind seit 2003 von neun
    Milliarden auf 99 Milliarden US$ gestiegen.
    Mit Indexfonds haben Banken ein Anlageprodukt geschaffen,
    dessen Wert sich am aktuellen Stand eines bestimmten
    Rohstoff-Indexes orientiert. So kann heute
    jede und jeder in Rohstoffe investieren – auch diejenigen,
    die kein Wissen über den realen Rohstoffmarkt haben.
    Zwischen 1998 und 2008 stieg das Anlagevolumen in
    Rohstoff-Indexfonds von drei auf 174 Milliarden US$.
    Durch den kometenhaften Aufstieg der Indexfonds sind
    Spekulanten an den Warenterminbörsen inzwischen in der
    Überzahl. Die exzessive Spekulation schürt künstlich die
    Nachfrage und verzerrt die Preise. Diese orientieren sich
    heute vor allem an den Gesetzmäßigkeiten der Finanzmärkte
    und den Motiven der Finanzakteure („Finanzialisierung“).
    Spekulanten, die auf steigende Preise und auf Preisschwankungen
    bei Agrarrohstoffen wetten, können damit
    große Gewinne machen. Menschen in Armut sind den extremen
    Schwankungen und Explosionen der Nahrungsmittelpreise
    schutzlos ausgeliefert.
    Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung,
    Olivier de Schutter stellt fest: „Ein wesentlicher Anteil des
    Anstiegs der Preise und der Volatilität bei wichtigen Grundnahrungsmitteln
    in der Nahrungsmittelkrise 2007/2008
    kann nur mit der Entstehung von Spekulationsblasen erklärt
    werden.“ Dabei verweist er auf die Rolle großer institutioneller
    Investoren wie Hedgefonds, Pensionsfonds und
    Investmentbanken.

    Deutsche Finanzinstitute, insbesondere die Allianz und
    die Deutsche Bank, gehören zu den weltweit führenden
    Rohstoffspekulanten. In den letzten Jahren haben sie viele
    neue Investmentfonds aufgelegt, die Wetten auf steigende
    Nahrungsmittelpreise ermöglichen. Angesichts hoher
    Profite haben diese Unternehmen sich gegen Moral und
    Menschenrechte entschieden. Eine mangelhafte Regulierung
    bedeutet aber keinen Freibrief für Banken, Fondsgesellschaften
    und andere Finanzinstitute, nach eigenem
    Gutdünken an den Warenterminmärkten zu spekulieren.
    Ihr Handeln ist zutiefst unethisch.

    http://www.oxfam.de/publikationen/spekulationsstudie

  12. Gernot Meyer sagt:

    Herr Tichy,
    Sie haben haben einen wichtigen Punkt ausser acht gelassen. es gilt auch ‘Hungern für die Euro-Rettung’.
    Dem Finanzsektor geht es nicht nur um Rendite, obwohl die natürlich bei der aktuellen Dürreperiode in den USA gerne mitgenommen wird, sondern auch um Sicherheit und Vermögenserhalt. Und da Letzteres in der Schuldenkrise bei vielen Staatspapieren nicht mehr der Fall, sucht das Kapital nach sicheren Regionen. Und da bieten sich neben Immobilien ganz offensichtlich Rohstoffe dafür an.

    Ich glaube, das ist Ihnen durchaus bewusst, aber ich fürchte dies zu äußern , wäre ein Sakrileg und darf daher in einem angesehen Wirtschaftsmagazin nicht ausgesprochen werden.

  13. Zamir Zebulovic sagt:

    Ja Herr Tichy,

    die details zu diesen problematiken
    können im endeffekt nicht daran
    vorbeigehen, dass wir eigentlich
    nur zwei grosse problemfelder haben, die
    unbearbeitet vor der menschheit
    liegen:

    1) Das erste feld ist diese wahnsinnige
    produktion/population des menschen
    selbst, unkontrolliert, ungebremst
    und ungehemmt ergiesst sich diese
    menschliche springflut auf einen
    kleinen erdenball, der sowieso
    schon ächzt und krächzt.

    –Zwischendurch, mit einem kleinen
    lächeln um die mundwinkeln,
    man erinnere sich an die mär vom
    demograpischen wandel, chrchr.–

    2) Das zweite problemfeld, solange
    eine kleine gruppe von
    “Möchte-gern-die-Weltbeherrschern,”
    nur daran interessiert ist, ihren
    eigenen reichtum, ihre macht
    und die dazu erforderlichen
    einfluss-sphären zu vergrössern,
    werden die ohnehin schon
    vorhandenen probleme (soziale Ungleich-
    heiten, Energievorräte, Hunger,
    Grundversorgungen, politische
    und wirtschaftliche Interessenskonflikte,
    Wachstums-Wahnvorstellungen,
    kapitalistische Misswirtschaft usw.)
    mit jedem tag wachsen und völlig
    unkontrollierbar werden.

    Mit dieser ausgangsposition werden
    wir wohl kaum über die näxxten hundert
    jahre kommen können, es sei denn …

    Viele Grüsse vom reinen Überlegungswert, Zamir

    Dass beide problemfelder unmittelbar
    zusammenhängen, ergibt sich aus der
    simplen überlegung, dass die
    einen es nicht nicht besser können,
    aus lauter unvermögen
    und die anderen, die das vermögen
    besitzen, es nicht besser verstehen,
    aus lauter unwissenheit.

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