Reise zum Club Med

Sie sollten Ihren Sommerurlaub am Mittelmeer verbringen – und schon mal im Club Med die Mediterranisierung der Wirtschaft üben.

Bald muss wieder die Euro-Feuerwehr ausrücken. Diesmal brennt es in Spanien. Die Anleihezinsen dort lodern auf bis zu sechs Prozent – die Höhe, die Griechenland, Irland und Portugal unter die Schutzschirme gezwungen hat. Aber Spanien ist größer, und sein König schießt nicht mickriges Kleinvieh, sondern Elefanten. Daher werden die Löschmittel – allein Deutschland bürgt für 320 Milliarden Euro – wieder nicht ausreichen, und alle Rettungsleitern werden wieder zu kurz sein. So wird schon in den nächsten Wochen die Europäische Zentralbank wieder für zweistellige Milliardenbeträge Staatsanleihen kaufen oder wieder viele Hunderte Milliarden frisch gedrucktes Geld einsetzen beim Versuch, das Feuer zu ersticken.

Die Bundesbank-Tradition soliden Geldes ist längst perdu. Schlimmer noch: Es zeigt sich, dass auch Frankreich im Wahlkampffieber von der Konsolidierungskur auf Verschuldungskurs wechselt und der europäische Stabilitätspakt wertlos ist.

Vor uns liegen damit Jahre einer mediterranen Wirtschaftskultur: mit Inflation, Abwertung zu Dollar, Schweizer Franken und künftig Yuan. Wie in Griechenland, Spanien oder Frankreich ist dies eine Kultur, in der die Lohn-Preis-Spirale die Arbeitslosigkeit beschleunigt und die globale Wettbewerbsfähigkeit mindert, während gleichzeitig die Schulden wachsen – es ist die falsche Grundannahme dieser Wirtschaftsform, dass nur Staatsdefizite den Laden in Schwung bringen können.

Nun hat es ja keinen Sinn, darüber zu jammern, dass die Euro-Retterei gegen sämtliche Vernunftprinzipien der Währungspolitik oder solider Haushaltspolitik verstößt: Besser ist es, sich jetzt schon darauf einzustellen, statt sich dumm überraschen zu lassen, wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Schon hat EZB-Präsident Mario Draghi die Maginotlinie geräumt, welche die Inflation knapp unter zwei Prozent eingrenzen sollte.

Und was jetzt? Inflation kommt nicht sofort. Es ist ein krebsartig schleichender Prozess, der in immer neuen Bereiche wuchert. Die heutige Flucht ins Betongold, die gleichermaßen Immobilienpreise und Mieten treibt, zeigt schon die hässliche Fratze der Inflation: Schlangen von Kaufwilligen wedeln mit Geldscheinen, um an die knappen Güter heranzukommen. Ludwig von Mises hat schon 1912 beschrieben, dass die Inflation in Schüben unterschiedliche Gruppen begünstigt oder belastet. Am besten haben es die Beamten und Staatsdiener, so Mises.

Denn deren Gehälter werden immer als Erstes erhöht. Und wie um dem Klassiker der Nationsökonomie noch posthum recht zu geben, marschiert der öffentliche Dienst gerade jetzt mit kräftigen Lohnerhöhungen voran. Da werden andere Gewerkschaften in den kommenden Wochen nicht den armen Jakob der wirtschaftlichen Bescheidenheit geben können. Nicht, dass ich das zu kritisieren hätte, wie mir manche Leser vorwerfen: Ich verstehe, dass deutsche Arbeitnehmer nicht länger das europäische Sparschwein geben wollen. Und schließlich sind ja unserem Politiker auch nicht besser als ihre Wähler, wie denn auch: Es vergeht kein Tag, an dem Volkskümmerer wie Ursula von der Leyen oder Hannelore Kraft nicht neue Sorten Kamellen erfinden und sie vom Prunkwagen locker in die Menge streuen. Das ist nachvollziehbar: Arme-Leute-Kost für den eigenen Wähler, damit der Nachbarn weiter Elefanten jagen kann, das ist ein Programm, das auch der idealistischste Politiker nicht lange aushält. So verändern die Euro-Rettung und der Schwenk zu einer anderen, mediterranen Stabilitätspolitik die wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Eine andere Wirtschaftskultur aber verlangt auch anderes wirtschaftliches Verhalten. Die Stabilitätskultur des europäischen Nordens wird durch inflationsgeübte Verhaltensweisen ersetzt. Das mag langfristig für Wohlstand und Wachstum nachteilig sein. Aber Sie können es nicht mehr ändern. Also üben Sie schon mal für das neue süße Leben im Club Med.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in 1 von Roland Tichy. Permanenter Link des Eintrags.

Über Roland Tichy

Roland Tichy lernte Lokaljournalismus beim legendären "Salzburger Volksblatt". Er studierte in München Volkswirtschaft und Politik, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Nach einer Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Volkswirtschaftlichen Institut in München arbeitete er im Bundeskanzleramt, danach als Bonner Korrespondent der WirtschaftsWoche. Nach der Wiedervereinigung war er für den Umbau des Rundfunksystems der DDR zuständig, danach folgten Stationen in Industrie und Medien. Seit 2007 ist er Chefredakteur der WirtschaftsWoche. Tichy ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt erschien "Wohin treibt Europa".

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Alle Kommentare [283]

  1. @ Pampa,

    wie ich merke, Du bist anderweitig beschäftigt.
    Mir geht es nicht anders, hier in der passage des
    drittgrössten einkaufs-zemtrums der hauptstadt
    aller deutschen.
    Auf jedem knie eine enkelin, die einkaufstüten
    um mich herum gestapelt und mit dem daumen
    versuche ich die buschdaben einzudrücken,
    in der trockenen kehle ein gar unbeschreibliches
    durstgefühl nach einem bit, oder warsteiner, oder jever.
    seit wann können daumen denken ?
    Maybritt am donnerstag:
    Gabriel und Kampeter betreiben wahlkampf, sofern der cdu-mann
    sprechen darf.
    Di Mauro und Stark erzählen anekdötchen, die wir
    alle schon kennen.
    Dirk Müller profiliert sich weiter auf kosten der krisengeschüttelten
    und Verastegui findet keine abnehmer, dazwischen
    eine muntere moderatorin die den wichtigsten satz des abends
    nicht wiederholt:
    „Jedes Land braucht die Währung, die zu seiner
    eigenen Leistungsfähigkeit passt, jenseits aller
    Konvergenzregeln.“
    Wozu dies alles, wenn nur bekannte abendländische
    weisheiten, nichteinmal neuverpackt wiedergegeben werden ?

    Schöne Grüsse vom Cirkus, Zamir

  2. @ Pampa,

    ja was ist denn nun nach Deiner meinung am donnerstag-abend
    bei Maybritt Illner und ihrem neuen schnitt herausgekommen ?
    Wie lautet dazu Deine spezial-fein-analyse ?

    Schönen Gruss von den Empirikern, Zamir

  3. Die wunderbare ideologie und medienmaschinerie
    der anarchos, lässt alle fiffis lauthals vor sich
    hin BELLEN, wau wau.
    Auch feigheit vor einer diskussion mit offenem
    visier, gehörte schon immer zur gutchristlichen
    näxxtenliebe, jaja gelle.

  4. Tatätatä, harhalla-marsch mit allen funkenmariechen auf
    dem parkett, lasst die röckchen wehen,
    wir bruchen waxxtum, rättäratata

  5. @ Magic,

    jetzt habe ich ihn gefunden und haue ihn heraus:
    „Der mensch ist zugleich baumeister und architekt, als auch
    zerstörer, sowohl seiner eigenen gattung und
    der umwelt, auf die er für immer und ewig
    angewiesen sein wird.
    Zwischen diesen extremen spielt sich alles
    menschliche, von freud bis leid, die gesamte
    klaviatur ab.“
    Die einzigen schönheitsfehler, er ist nicht sein eigener herr und er
    hat sich auch nicht selbst geschaffen.

    Viele Grüsse vom grossen, vaterländischen Kampftag
    der Arbeiterklasse, Zamir

  6. @ Ohh Magic,

    die fünfte kolonne ist eine gaanz schlimme kiste,
    habe es gerade gegoorgelt:
    Umsturtz, fremde mächte, krieg und verderben.

    Da können wir unbesehen die finger von lassen.
    Wir haben noch vergessen, was es kostet auszurechnen:
    An zeitaufwand, manpower, mitgliedsbeiträgen,
    subventionen, steuervergünstigungen, druckkosten,
    marketingquerrechnung, überzeugungsarbeit,
    konzepterstellung und ideologieaufforstung
    und reisekosten und schluss-rechnung mit
    einem gediegenen zahlungsziel von 150 jahren mindestens.
    Magic, gibt es sowas nicht im leasing-verfahren, oder zur
    pacht, damit wenn es nicht funktioniert, wir es sofort
    wieder zurückgeben können, das wär’s doch jaja.
    Wir könnten natürlich auch versuchen einen einzigen,
    von den mächtigReichen zu becircen, damit er uns
    die „kohle“ erstmal vorstreckt und nach der eroberung aller
    hirnskästen, erhält er dann alles rückwärts mit
    sämtlichen reibach-zinseszinsen-profitgierverkapselungen.
    Magic, biste schon ein klein bisschen begeistert ?
    Komm lass es raus, jetzt!

    Viele Grüsse von der neuen Altpapier-Idee, Zamir

  7. @ Magic um 21:39 Uhr,

    unsere schein-demokratie gibt Dir alle möglichkeiten, sämtliche
    illusionen ausleben zu können; wie weit es dann am ende
    reicht um den fertigen kuchen aus dem backofen zu ziehen,
    das steht auf einem anderen blatt:
    A) Die parteien auf dem wahlzettel haben alle farbnuancen und
    emotionsrichtungen vorgegeben und danach wird gekocht,
    mach mit und bleib fit.
    B) Es bleibt jedem freigestellt eine neue partei, organisation,
    oder glaubensgemeinschaft zu gründen und sich dem
    grossen konzert anzuschliessen, alles ist möglich.
    C) Oder es gibt die dritte möglichkeit, die sich auf den
    reinen beobachter- und kritikerposten beschränkt,
    ein riesengrosses freies betätigungsfeld.
    D) Alles gut und schön, gut die wenigen ungereimtheiten
    der randgruppen, können eine echte, starke
    demokratie und freiheitliche staatsordnung
    nicht aus der bahn werfen, habe keine zeit mich um
    mein näheres umfeld, politik-gesellschaft-entwicklung-
    umwelt-bildung-arbeitsmarkt-aufrüstung und
    all diesen Quatsch zu kümmern, bringt auch
    wirklich nichts ein und die zerstreunungsmöglichkeiten,
    die mich davon ablenken, sind immens und ich
    möchte mich nur freuen, ausleben und selbstverwirklichen,
    das kann schliesslich in unserer gesellschaftsordnung
    jeder nach seiner fasson und wenn alle so denken,
    dann haben wir bald eine fríedliche, geordnete, neue welt, odda ?

    Sollte es eine „fünfte kolonne“ geben, würde ich sie
    auch gerne wennmöglich, nur in der theorie auskundschaften.
    So, mein lieber Magic, nun machen wir was daraus und
    wie soll unsere neugründung heissen, etwa „A bis D“ ?
    Originall und hilfreich, damit könnten wir glatt
    alle piraten überflügeln, für die FDP reicht’s allemal,
    jetzt lassen wir noch einen ruck durch uns gehen und ab
    geht die wilde jagd.

    Viele Grüsse aus dem Laboratorium, Zamir

  8. Für Alpha-Fragen braucht es nicht viel Zeit Magic, nur so viel:

    Wie lange kann man ein totes Pferd reiten?

  9. Doch Zamir, wenn man mal von diversen -magisch-eyseligen eyereien mal absieht und das Geschwurbel abschaltet: vieles (da draussen) entwickelt sich zur Zeit besorgniserregend. Diese Geschachere mit Blick auf den nächsten Wahltermin, der dieses systembedingte Lavieren allenthalben erzwingt, was wiedrum von manchen Schlaumeiern als „Unfähigkeit“ „Iditotie“ oder sonstwas gewertet wird, all das führt zu nichts Gutem. Auf derselben Seite derselben ZEITung aus deren aktuellster Ausgabe ich 15:33 zitert habe, wird nebenan die Wahlkampfrhetorik des englicschen Premierministers zitiert, mit der dieser vor ca. 2 jahren den Sieg errungen hat. Wasdort von Cameron in Erinnerung gerufen wird, könnte heute von Hollande, Steinbrück oder einem spanischen Sozialisten gesagt worden sein.
    Die Kugeln auf dem globalen Tsich werden unter völlig andrfen Aspekten zu Karmbolagen , Scheinkarambolagen oder Fast-Karambolgen dirigiert. Und das ist von Übel so.
    Die rasende schnell zunehmende Komplexität aller Interessen, Hebelkonstellatione, Kulissen und Interdependenzen bei gleichbleibender Hilflosigkeit der derzeit anerkannten demokratischen Mechanismen zersetzt schelichend die Standfestigkeit der gesellschaftlichen Baukörper und legt sich wie Fraß über die Strukturen, die Menschen und Mentalitäten. Dieser Entwicklung ist mit Mathematik nicht beikzukommen. Da geht es um Grundsatzfragen. Und wer hat für sowas heute schon Zeit und einen freien Kopf, sehr srkastische gesagt.
    Mhm, außer uns hier in TiTo natürlich;-) Wir haben da eine Chance, die uns Tichy belässt, und die Kehrseite dieser besch….Blog-Technik namens Alice ist andererseits ein Freiheitsgrad. Aber wir arbeiten zu wenig zusammen, von halbherzigen Vorstößen zur Teambildung mal abgesehen…öhrlich gesagt, wir machen zuviel nebeneinander her. Jeder zeiht sich hinter seinen Nimbus zurück und bearbeitet nur das Delta. Das ist auf Dauer zuwenig. Warum aber sollte jeder von uns mehr investieren? Kannst du mir da eine Antwort anreichern?

  10. @ Magic,

    fällt Dir dabei gar nicht auf, dass sich Dein 15:33 Uhr mit
    meinen beiden letzten kommentaren deckt, nur das am ende
    auch der staat das opfer, bzw. die beute der alles-vernascher
    wird.

  11. Dieses A-System hier ist man „Schlichheit“t nicht zu überbieten.
    Was soll die Sparbrötchen Mentalität im chef-blog?
    Bei soviel Provinzialität wundert es schon sehr, dass hier noch ein größenwahnsinniger Nützling nacvh nehr „Perlen“ schreit. Da wird man zur Muschel. Macht Euch selbst froh.

  12. @ Eur-Opa,

    die ananrcho-fiffi-welt und machterhaltungsformel lautet:
    Vermögen+Macht+Recht+Gewalt,
    Vermögen, aufgebaut an allen möglichen märkten, orten und
    spekulationswirtschaften dieser erde,
    Macht, durch die vielseitigen verbindungen mit den
    einflussreichsten personen, verbänden und sonstigen
    vereinigungen,
    Recht, mit der stellung und geltung der beiden ersten
    faktoren, V+M, wird das recht in jedem lande dieser erde
    soweit zurechtgebogen, dass am ende immer das
    gewünschte ergebnis herausspringt,
    Gewalt, die unterste stufe ist leicht bedienbar und
    beeinflussbar, wenn die ersten drei hand in hand arbeiten
    und im äussersten falle werden auch revolten, aufstände
    und sogar kriege inszeniert, wenn dadurch V+M
    nicht nur erhalten sondern vermehrt werden.
    Diese ereignisse funktionieren seit vielen hundert jahren
    im kreise der „Oberen Zehntausend.“

    Gruß Zamir

  13. @ Eur-Opa,

    die hauptaussage haben wir beide noch nicht erkannt,
    oder doch,
    die anarcho-fiffis bilden eine gut durchorganisierte macht,
    mit allen aufbauten bis ins kleinste durchorganisiert, das
    hast Du garantiert hier bei meinen aufzählungen schon
    mitbekommen.
    Die anarcho-piffkes dagegen haben es bis auf den heutigen
    tag nicht verstanden, dazu den von Dir umchriebenen gegenpol
    zu bilden, sie sind nach wie vor hilflos, wie treibholz und
    irgendeine veränderung ist nicht in sicht.
    Während die einen arbeiten und organisieren und sich
    abrackern, geniessen die anderen ihr verhunzztes, gierpickel
    durchtriebenes leben und erhalten dafür von mir bei jeder
    gelegenheit den ungütestempel: Einkommen ohne Leistung;
    wenigstens drei wörtchen der za(h)mirschen gegenwehr, gelle.
    Soo nun weisste einigermassen bescheid, wie die kanäle und
    leitlinien verlaufen.

    Viele Grüsse vom Kachelofen, Zamir

  14. Zamir, Deiner Behauptung fehlt der polare Gegensatz:

    zum Beispiel –

    Ohne Licht keine Schatten oder
    ohne viele kleine ANARCHO-PIFFKES keine ANARCHO FIFFIS

  15. @ Pampa, Eur-Opa und Magic,

    wenn ich zusammenfassen darf und Euch richtig interpretiere,
    dann sie Ihr also der meinung, dass wir alle dieses
    zusammenleben unter den menschen inklusive des
    drangehängten planetchens, etwas freundlicher, stressfreier
    und angenehmer gestalten könnten, wenn …
    Wenn kapital nicht in einem schmatzer, hirn und gemüt
    auffressen würde, odda ?
    Mehr worte braucht man doch nicht, denke ich und jeden
    tag erhalten wir für diese bittere erkenntniss, mehr und
    mehr beweise, die uns aber nicht einen millimeter
    weiterbringen unter dem diktat und der
    vorherrschaft der uneinsichtigen ANARCHO-FIFFIS.

    Viele Grüsse aus der Bollywood-Schaukel, Zamir

  16. Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
    Sind Schlüssel aller Kreaturen
    Wenn die so singen, oder küssem,
    Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
    Wenn sich die Welt ins freye Leben
    Und in die (freye) Welt wird zurück begeben,
    Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
    Zu ächter Klarheit wieder gatten,
    Und man in Mährchen und Gedichten
    Erkennt die (alten) wahren Weltgeschichten,
    Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
    Das ganze verkehrte Wesen fort.

    NOVALIS, Schriften, Erster Band

    (Am Tag der Arbeit hat jeder die Möglichkeit, gegen das selbst gebastelte Käfig zu demonstrieren!)

    Gruss vom OBI-Baumarkt im Spiralnebel vom ende der Dichtungsscheibe und ein schönes Wochenende

  17. „Shareholder-Value, Fixierung auf Quartals-Reporting und kurzfristige ROIs, Hochdruckprivatisierungen kommunaler und staatlicher Leistungen, Diskreditierung des Sozialstaats, als ökonomischer Ballast, Karawanenkapitalismus, Villennomadentum und die systematische Trennung von Haftung und Risiko, die Verneinung der Erfahrung, dass sich jede Diskreditierung oder grobe Verletzung von Fairnessgeboten eine Gegenbewegung schafft und diese sich verselsbständigend vieles in Frage stellt, was die soziale Marktwirtschaft an Errubngenschaften unbestreitbar hervorgebracht hat“…mit disen Argumenten belegt bekannter Kolumnist heute in der ZEIT unter Zuhilfenahme einer Vielzahl von Beispielen „neoliberale“ Übertreibungen.
    Ihm geht es vorgeblich um die Stabilität unseres Gemeinwesens, und zukunftsfähige STrukturen in einer multipolaren Welt. Deswegen gelte es diese „Fliehkräfte“ zu bändigen, deswegen beürfe es klarer Spielregeln, die Kurzform seines Credos entlehnt er bei Plisch: „Soviel Markt wie möglich und soviel Staat wie nötig“ Plumm °;°

  18. @ Pampa,

    bau-arbeiter mindest-niedrig-, oder wie auch immer
    unter der gürtellinie lohn; können alle nicht rechnen, geschweige
    denn kalkulieren.
    Da zeige ich Dir hunderte beispiele von bauvorhaben, jeglicher
    coleur, die billigkräfe von allen erreichbaren „planeten“
    genommen haben um die preise zu drücken.
    Spätestens drei, bis vier monate später muss am neuen
    bauwerk schon nachgebessert werden, weil ?!
    Weil, von anfang an der billigheimer-wurm am herumwerkeln
    war.
    Ausbessern, aufreissen und dann meistens nun von
    wirklich teuren fachkräften herrichten lassen, ist im
    endeffekt dann sehr viel teurer, als von anfang an mit
    den richtigen, ausgebildeten und erfahrenen teams,
    die logischerweise ihren preis haben, die richtige
    schiene fahren.
    Erkläre dies aber einmal, den oberschlaumeiern, die das
    geld geben und auch damit bestimmen welche bauarbeiter und
    fachhandwerker letztendlich den zuschlag erhalten;
    heutzutage gegen den wind gesprochen, das kennst Du
    bestimmt auch und die debatte um den mindestlohn
    läuft für mich auf einem anderen gleis ab.
    „Billig, auch billiglöhne sind meistens unrentabel, weil von
    anfang an auf den normalen qualitäts-satndard am bau
    verzichtet wird.“
    Dann machen wir ein paar wochen später lieber alles nochmal
    und es wird doppelt so teuer, als vorher.
    Wenn ich bei diesem thema in fahrt komme, kann ich
    sofort meinen schreibtisch räumen und meine papiere
    abholen, woll.

    Viele Grüsse vom Bau-Kalkulations-Programm, Zamir

  19. na da schau her, zamir, das hast du jetzt davon, Oma sagt: die ungewohnte Ansprache unterläuft den Abwehrreflex! Gilt für den guten Verkäufer. gilt offenkundig aucvh für den Stier. Also. weiter zur Sache Zamir°;°
    Magic, gibt erst mal grün mit dem TiTo-Like-Button 😉

  20. Zamir,

    letztlich wollte ich Dir ja nur etwas humoristisch helfen.

    Die Mindestlohndebatte hatten wir ja auch schon öfter. Was kommt denn letztlich dabei raus? Was hat verdi jetzt ausgehandelt, 3,5% oder sowas? Gut, nun gehe irgendwo in den mittleren Lohnbereich und ziehe davon mal 60% Grenzbelastung ab, was bleibt dann nach Inflation übrig? De facto nichts real.

    Wie sieht es bei Mindestlöhnen aus? Haben wir doch, H4 + Lohnabstandsgebot, da liegen wir doch ohnehin irgendwo bei 8.

    Was bringt es ein paar exemplarische Stundensätze heranzuziehen? Wie hoch liegen die Schwarzmarktlöhne? Deutlich höher, der Zoll ist doch ohnehhin ständiger Begleiter auf dem Bau.

    Was bringt es mit Subunternehmern zu arbeiten? Vertragsstrafen, dass es der Sau graust.

    Es ist nicht nur die schöne spanische Küste, das sieht man überall auf der Welt, wenn zu billiges Kapital zu Gast war. Nimm Italien früher, Brasilien, Spanien doch auch schon ewig, Griechenland, in den letzten Jahren auch die Türkei, nehmen wir Shanghai, Taipeh oder auch zum Teil die ganzen Ost-Gewerbeimmobilien, bei denen mit Zahrarzt-Steuersparsubventionsmodellen und Bauträgergesellschaften dubioser Finanzierungsstruktur 20 Jahre später ganze Banken umfallen lässt, siehe HRE. Die Kredite werden einfach so lange revolviert und prolongiert, bis es irgendwann kracht.

    Du kannst ja jetzt selbst als privater Bauherr meinetwegen TEUR 100 bei 5 Jahren und bester Bonität aufnehmen, das ganze endfällig über ein Festgeld tilgen, zahlst um die 2,3 Prozent und bekommst um die 3,5 Prozent, okay vor Taxes and fees. Das ist im Prinzip ein klassischer Hedge. Okay, beachte die Bonität des Stillhalters und schätze die Immo-Preisentwicklung einigermaßen ein.

    Schlecht ist natürlich, wenn Leute Immos bauen oder kaufen, welche sie sich nicht leisten können. Das ist ja auch eines der gröberen Probleme, die meinetwegen Spanien hat. Es sind nicht nur die Immo-Preise eingebrochen, damit auch die Baukonjunktur, die Steuereinnahmen und die Kreditausfälle eben hoch. S&P hat Spanien heute übrigens abgestuft, aber das war doch ohnehin schon drin. Die aktiven Investoren wissen auch, wann die passiven rausmüssen, da sind wir wieder bei der Regulierung.

    Das dreht sich einfach wie in einem Teufelskreis nach unten und imho kann das auf Dauer niemals gut gehen. Die EU und die Euro-Zone ist einfach vollkommen überdehnt, das passt einfach von der operativen Leistungsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften nicht zusammen.

    Den Rumänen haben wir übrigens schon zu Studienzeiten geholfen, allerdings organisatorisch, nicht mit reinem Protest. Da war Amnesty International auch dabei, lief aber hauptsächlich über die Uni Wien. Das mit den Revolten ist ja schön und gut, wichtiger wäre aber danach ein konstruktiver Wiederaufbau respektive eine Begleitung beim Strukturwandel. Das rein über Internet-Proteste zu organisieren bringt gar nichts, da muss man schon vor Ort rein. Das geht auch nicht von heute auf morgen, das dauert Generationen, wenn es überhaupt was wird.

    Es sieht ja auch nicht überall in D so miserabel aus wie in Berlin. In Bayern haben wir doch schon weit mehr als Vollbeschäftigung, da ist zum Teil der Markt an qualifizierten Arbeitskräften leer. Überhaupt wundert es mich, dass sich CDU und SPD derart in die Tarifautonomie einmischen. Sie sollten lieber mal die Grenzbelastungen senken und die Strukturen reformieren, die Ausgabenbasis des Staates müsste runter, nicht noch immer weiter rauf.

    Nun denn, die selbe alte Leier wie üblich, der Staat ist doch nicht die Lösung, sondern mit das größte Problem. Wir werden sehen.

    Gruß
    Pampa

  21. Denn es ist nichts verborgen, das es nicht offenbar werde, und es ist nichts heimliches, das es nicht hervorkomme (Matth. 10.26-27 Wer Ohren hat zu hören, er höre!
    Und er sprach zu ihnen: Sehet zu, was ihr höret! Mit welcherlei Maß ihr messet, wir man euch wieder messen, und man wird noch zugeben euch, die ihr dies hört. (Matth. 7,2)

  22. „Eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte Nachbarschaftsbeziehungen bietet das Haus der Geschichte Baden-Württemberg … Die große Landesaustellung ist aus Anlass des 60. Geburtstages des Südweststaates vom 28.4.2012 an in Freiburg zu sehen.

    ‚Liebe deinen Nachbarn“ Diese Aufforderung ist leichter gesagt als umgesetzt. Und so sind es Geschichten von schmerzvoller, nutzbringender, leidenschaftlicher, manchmal aber auch desinteressierter Nachbarschaft.. Die Ausstellung ..zeigt, dass die Menschen hüben und drüben existenziell aufeinander angewiesen und ihre Leben untrennbar miteinander verwoben sind.“….

  23. @ Eysel und Pampa,

    wisst Ihr, Ihr seid schon ulkige vertreter Eurer zünfte,
    ein überaus reizendes völkchen, jajaja.
    Da werft Ihr mir jahrelang vor, es kommt nichts aus
    meinem eigenen arbeitsumfeld, aus meinen erfahrungen,
    dann drehe ich ein einziges mal soo richtig auf und
    schon wird reihenweise umgefallen, tstststs.
    Es begann mit dem presseclub und der spanischen krise und
    es ging weiter über meine ansichten dazu, warum die
    spanier sich ihre wunderschöne küste, von ein paar
    irren spekulaten und mutanten haben zubetonieren lassen.
    Dann die methoden am grossflughafen BBI und zum
    anschluss die bauarbeiter-löhne.
    Alles nur darlegungen und fragen nach dem wieso und warum.
    Und schon geht Euch die luft aus und fehlen Euch die
    argumente, ausser Ceauscescu, was ich bereits gestrichen haben,
    freundlicherweise unter kumpeös.
    Tja, dann macht man es sich doch leicht mit dem
    abgesang und dem lamento, wenn die wirklichen
    erklärungsmuster scheinbar ausgegangen sind, horrido.
    Einmal kurz aufs gas gegangen und aus dem
    nähkastchen der baubranche, auch nur an der
    oberfläche gekratzt und ich sehe Euch nicht mehr im rückspiegel,
    muss ich jetzt weniger beschleunigen, damit
    Ihr beiden noch hinterher kommen könnt,
    natürlich rein sachlich und absolut argumentativ, Häh ?

    Viele Grüsse von der Kleinbaustelle, Zamir

  24. ..noch ein Tipp zu Abreagieren: ab 29. Juni findt in München das Tollwood Festival statt..besonders geeignet für solche, die in jüngster Zeit ihre Neigung zu ökologischen Gedankenfragmenten glaubten bekennen zu müssen.