Das Ansehen der Banken ist noch schlechter als das der Zigarettenhersteller; die Berufs‧be‧zeichnung Banker hat jeden Glamour verloren und gilt als Schimpfwort. „Trust Meltdown“, „Kernschmelze des Vertrauens“, heißt eine Studie über das zerrüttete Ansehen der Finanzindustrie.
Es ist kein Zufall, dass zeitgleich neue, diesmal rabiate Anti-Banken-Gesetze in Washington und London formuliert werden. Jetzt geht es um Strafsteuern, Zerschlagung der Geldgiganten und Begrenzung ihrer Geschäfte. Dabei waren es doch gerade die Regierungen der USA und Großbritanniens, die durch Deregulierung und globale Expansion ihrer finanzmarktfreundlichen Rechts- und Rechnungslegungssysteme den Banken der Londoner City und der Wall Street die Hegemonie über das globale Geldsystem ermöglichten. Jetzt versuchen sie, die Geister in die Flasche zurückzudrängen, die sie selbst freigelassen haben.
Aber Politiker müssen auf den Druck der Straße reagieren; Barack Obama fürchtet um seine Gesetzgebungsmehrheit, Gordon Brown und die Labour-Partei um ihre Wiederwahl. So etwas nennt man Demokratie. Die Wähler leiden unter steigender Arbeitslosigkeit; die Menschen auf der Straße haben begriffen, dass sie vor einer unangenehmen Wahl stehen: Entweder zahlen sie mit höheren Steuern für die gigantische Staatsverschuldung nach dem Kometeneinschlag der Bankenkrise – oder mit Inflation, die ihre letzten Ersparnisse und Einkommen auffrisst. Für sie beginnt das Drama jetzt erst.
Die Banken dagegen können sich als Sieger fühlen. Schließlich schreiben sie schon wieder Gewinne und schütten ungerührt von allen öffentlichen Protesten ihre Milliarden-Boni aus. Dabei vergessen sie, dass diese sensationelle Wende im Geschäft nicht durch ihre Klugheit und Genialität bewirkt wurde – und dass sie überhaupt nur noch existieren, weil sie mit den Steuergroschen der kleinen Leute vor den Folgen ihres eigenen Versagens gerettet wurden.
Diese Selbst-Blindheit ist einzigartig und verführt auch deutsche Vertreter des leichtfertigen Geldes dazu, mit fiesen Tricks die 500.000-Euro-Höchstgrenze für ihre staatlich finanzierten Gehälter zu unterlaufen. Sie sehen nicht, dass sie auch mit diesen nur für sie bescheidenen Gehältern weit besser dastehen als praktisch alle Manager unterhalb der 30 Dax-Vorstände. Und sage keiner, dass Bankgeschäfte anspruchsvoller seien als der Betrieb eines Chemiewerks oder einer Autofabrik. Deshalb kritisiert auch Siemens-Chef Peter Löscher die Kasino-Mentalität der Banken, und Bosch will Banken wegen zu hoher Boni kündigen.
Es ist richtig, dass die jetzt in London und Washington vorgelegten Reformen nicht die Ursachen des derzeitigen Debakels anpacken: Nicht die Größe einer Bank ist für ihr Versagen verantwortlich, sondern ihr Risikomanagement. Die neuen Regulierungsvorhaben verfolgen eher ein plumpes, griffiges Ziel: Die Monster sollen an die Kette gelegt werden; es mag auch Neid dabei sein und der archaische Wunsch, die arrogante Klasse zu demütigen. Das Erpressungspotenzial der Banken soll zerstört werden.
Die Hoffnung ist, dass grobe Vorschriften solider wirken als die bestehenden hochkomplexen Regulierungen und diejenigen, die derzeit von den Notenbankchefs und Regulierungsbehörden neu entwickelt werden. Die Regierungschefs nehmen das Heft selbst in die Hand und wollen nicht, dass man jene in den Hinterzimmern an den neuen Regeln mitformulieren lässt, die die nächste Umgehung der Regeln schon mitdenken.
Die Banken in ihrer Selbstbezogenheit haben übersehen, dass ihre Krise vorbei ist, die ihrer Retter aber erst begonnen hat.











341 Kommentare zu “Druck der Straße”
@ dtesch,
ein satz, aber nur einer:
Im zeitalter der absoluten egomanie, geschehen noch zeichen und wunder, so bleibe ich trotz aller widrigkeiten, ein ewiger optimist.
Gruß aus Albuquerquequequequeque, Zamiquequequerque
@Zamir 18:57
2000 Menschen ernähren in Deutschland eine Bankfiliale.
Was kostet eine Bankfiliale……??????.. : 2000 = mir wird schlecht.
Römer, römer, römer,
Du alter schwereNöter ! Soviel mühewaltung für einen kurzen moment
der wallung. Eine eindringliche dramaturgie.
Gruß aus Flenzburg, Zamir
Pampa + @ für´s Wochenende;-)
Ein junger Mann wollte seiner Angebeteten ein Geschenk machen. Die beiden hatten sich schon längere Zeit nicht mehr gesehen, und nach sorgfältiger Erwägung entschied er sich für den Kauf eines Paares Handschuhen: Romantisch, aber nicht zu persönlich.
Begleitet von der jungen Schwester seiner Herzensdame, ging er ins Warenhaus und kaufte ein Paar weiße Handschuhe.Die Schwester der angebeteten kaufte sich ein Paar Slips.
Während des Einpackens vertauschte die Kassiererin beide Pakete, so erhielt die Schwester die Handschuhe, und der Mann die Damenslips.
Ohne den Inhalt des Päckchens zu kontrollieren, schickte er dieselben an seine Holde und fügte folgendes kleine Schreiben hinzu:
“Ich habe diese ausgewählt, weil mir aufgefallen ist, das Du normalerweise keine trägst. Wenn´s nach mir ginge, hätte ich lange mit Knöpfen genommen, aber Deine Schwester trägt auch kurze und diese sind leichter auszuziehen.
Die Farbe scheint vielleicht etwas heikel, aber die Verkäuferin zeigte mir ihre, die sie bereits drei Wochen anhatte, und sie waren kaum beschmutzt.
Sie hat auch Deine probehalber angezogen und es sah einfach chic aus.
Ich wünsche ich könnte sie Dir zum ersten Male anziehen, denn bis ich dich am Freitag zum nächsten mal sehe, sind bestimmt schon viele damit in Kontakt gekommen. Wenn Du sie ausziehst, vergiss nicht hineinzublasen bevor Du sie weglegst, denn naturgemäß werden sie vom tragen innen etwas feucht.
Denk nur wie oft ich sie im nächsten Jahr küssen werde! Ich hoffe Du wirst sie am Freitag für mich anziehen.
In liebe Dein Schatz.
PS: Nach neuster Mode trägt man sie übrigens umgeschlagen, so dass der Pelz ein wenig rausschaut.”
Den Rest denkt Ihr Euch besser…..
Gruß
Römer
@@Eysel
Mir wurde der Name „wie ein wilder Pampastier“ magisch verliehen, nicht Dir. Zumal Stier Assoziationen hervorruft, zumindest bezgl. Börse, die so nicht stimmen und es fünf Buchstaben auch tun müssen, verkürzte ich auf Pampa. Hört sich zwar etwas merkwürdig an, aber was soll’s? Mir ist das im Prinzip wurscht, meinetwegen kann man sich hier auch mit diversen Synonymen selber unterhalten, hatten wir ja auch schon, aber es wäre schön, wenn ich die imaginären Eigentumsrechte an meinem Nick behalten dürfte.
Außerdem würde man Pampa, gäbe es das Wort denn, lateinisch anders deklinieren. Ansonsten aber einverstanden.
Pampa, nicht pus ich bin doch keine … lassen wir das
Hätte China eine Demokratie nach westlichen Vorbild, käme das seinem jetzigen Zustand einer Selbstzerfleischung gleich.
Die von Greg beschriebenen Kräfte würden schnell die Oberhand gewinnen, mit fatalen Folgen für das Land.
Gruß
dtesch
@Eysel
“Einfaches „kopieren“ kann immer nur ein erster Schritt eines Lernprozesses/ einer Entwicklung sein. Die Adaption ( mindestens ) auf die eigenen Bedingungen gehört zwingend dazu.”
Genau, das ist auch meine Meinung.
Gruß
dtesch
@ Greg
absolut muss garnicht sein,
meine ich garnicht,
ist selbstverständlich nicht (mehr) der Fall.
Und Richtungskämpfe/Meinungsverschiedenheiten gibt es selbstverständlich auch. Und Druck der Strasse sicherlich auch. Nur in einem “anderen Maß”.
Mit weit weniger Einfluss auf Entscheidung.
Und selbstverständlich regiert das Geld, der eigene Clan, alte Seilschaften, Provinzfürsten usw. Trotzdem ist die zentrale Gewalt ungleich stärker, entscheidungsfähiger, durchsetzungsstärker.
Ich halte das “andere Mass” ( s.o. ) für einen EXTREM wichtgen Wettbewerbsvorteil. Ebenso wichtig in seiner Bedeutung wie die 1.3 Mrd Menschen von denen vielleicht erst 700 Mio “Anschluss an die Welt” gefunden haben.
@Greg
“Heute sagen viele, wir müssten nur wie China sein, und Deutschland ginge es besser…”
Ich habe in der Vergangenheit nie zu denen gehört, die meinten wir sollten so sein wie…..
Bei der USA war ich seit jeher kritisch, als ich Ende der 70er Jahre sah, wie heruntergekommen das Land war. Bei den Japanern ist mir Mitte der 70er Jahr besonders ihre Beharrlichkeit aufgefallen, wirtschaftlich zum Westen aufzuholen. Die haben natürlich am Ende weit über das Ziel hinausgeschossen.
Anfangs wurde Japan belächelt und verspotten später aber überschätzt.
Dass China den gleichen Weg geht, könnte sein. Nur jedes Land hat so seine Besonderheiten. Man kann auch heute Japan nicht mit den USA vergleichen, weder im Erfolg noch im Scheitern.
Was imho zählt ist, dass man aus den Stärken und Vorteilen lernen kann, nicht kopieren dafür aber die Vorteile adaptieren.
In DE sehe ich, wie Pampa, das Problem der Regelungswut, dass die im Volk vorhandene Regelungssehnsucht befriedigt. Die Politiker werden nicht Müde weitere Reglungen zu kreieren, mit dem Hinweis, dass dann alles besser wird. Wenn das so weitergeht wird sich DE zu tote regeln.
Das fatale an dieser Regelungswut ist, dass sie oft im Widerspruch zu bereits vorhandenen stehen.
Gruß
dtesch
SorrY oben 13:02
das war von mir.
Ergänzend zu meinem Text von 10:20 Uhr:
Das Problem der Überkapazitäten wird in China durchaus kontrovers diskutiert. Es wird immer deutlicher, dass Firmen sich nur durch immer neue Kredite über Wasser halten. Weil sie die Kredite nur für Investitionen bekommen, werden also weiter neue Anlagen gebaut, die aber auch nicht ausgelastet sind.
Der Staat versucht nun, den Schaden zu begrenzen. FT Alphaville hat dazu einen guten Überblick:
“First it was the banks and now, in a slightly less dramatic but possibly more potent warning to any investor who ever contemplated buying shares in a listed Chinese company, it’s the corporates. As the FT reports on Thursday:
Chinese regulators have imposed a partial ban on listed companies raising capital from equity markets to repay bank loans or replenish working capital, amid a general tightening of liquidity and official curbs on soaring bank debt in the country.
At least 34 companies, mostly in the industrial and real estate sectors, have cancelled or reduced plans to raise money through private placements or secondary offerings in recent weeks.
Many of those companies said their plans were vetoed by the securities regulator, which said they are no longer allowed to raise money for working capital or repaying bank debt.
What’s more, some companies, including some listed cement producers, said they had been ordered to abandon their fundraising plans because they are in sectors identified by the central government as “suffering from over-capacity”.
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/02/04/140621/china-first-the-banks-now-the-corporates/
@Eysel:
\”Damit die Fähigkeit, recht schnell und ohne alles zerfasernde Diskussionen unpopuläre, dafür aber weitsichtige Entscheidungen zu fällen.\”
Ich weiß, was Du meinst. Aber wenn ich den Chinesen glauben darf, die ich kenne, ist die Macht der KP nicht so absolut, wie wir das immer glauben. Es haben sich genügend Schattenreiche gebildet, die den Verantwortlichen mehr Sorgen bereiten als die Menschenrechtsaktivisten.
In China kann man viel Geld verdienen. Vor die Wahl zwischen Geld und Gehorsam gestellt, entscheiden sich genügend Menschen für das Geld. Das haben wir in Russland erlebt und das ist in China nicht anders. Diktaturen haben immer ein Loyalitätsproblem.
Über den informellen Bankensektor habe ich hier ja schon ein paar Mal geschrieben. Aber es gibt in dem riesigen Land so viele Möglichkeiten, unentdeckt von den Behörden (oder unter tätiger Mithilfe der Verantwortlichen) zu agieren, dass der Staatsapparat viel Kraft aufwenden muss, sich ständig selbst zu kontrollieren und Schwarze Schafe herauszufinden.
@pampus: Dummfug!
@ Pampa 11:48
schönes “unpolitisches” Beispiel mit dem Müllauto.
Zeigt deutlich die Symptome der Infektion/Krankheit.
Lass und über den “Erreger” sprechen:
Lass uns fragen, wie die Prognose der unbehandelten Krankheit ist. Lass uns fragen, wie der Erreger das Staatswesen befallen hat. Was wir gegen den Erreger tun können. -
Solange die Symptome nicht als Zeichen einer Krankeit verstanden werden, wird sich nichts ändern.
@ Greg 12:00
Stimme dir völlig zu. –
Einfaches „kopieren“ kann immer nur ein erster Schritt eines Lernprozesses/ einer Entwicklung sein. Die Adaption ( mindestens ) auf die eigenen Bedingungen gehört zwingend dazu.
@ Greg
Es mag durchaus sein, dass hierzulande und auch bei mir China zu optimistisch betrachtet wird. Deine Darlegungen weisen darauf hin. – Etwas, was hierzulande als Makel betrachtet wird könnte sich allerdings als „kriegsentscheidender“ Vorteil herausstellen: Der Mangel an Demokratie, an Menschenrechten. Damit die Fähigkeit, recht schnell und ohne alles zerfasernde Diskussionen unpopuläre, dafür aber weitsichtige Entscheidungen zu fällen. Bzw. falsche Entscheidungen der Vergangenheit schnell und durchgreifend zu revidieren.
Die Quelle ist der Telegraph und der neigt gerne zur Übertreibung. In Times und Guardian habe ich nicht vergleichbares gefunden. Wenn die Meldung aber stimmt, dann hat der erste Finanzmarktregulator beschlossen, Zähne zu zeigen:
Die Financial Services Authority hat angeblich englische Banken ultimativ aufgefordert, die neuen Regelungen bezüglich der Sondergaben auf hohe Gehälter und Boni umzusetzen. Die Banken weigern sich, weil die Vorgaben im Widerspruch zu den Verträgen mit den Mitarbeitern stehen.
Der FSA ist das egal. Sie droht Banken, die sich nicht an die verbindlichen Regelungen halten, die Lizenz zu entziehen.
“In an extraordinary ultimatum that has shocked some of the City’s biggest companies, the Financial Services Authority (FSA) told bank bosses that 60pc of all pay must be deferred, with no exceptions, even for those whose contracts conflicting with the edict.
Many of the global players have in recent weeks made representations to the City watchdog, in particular about pre-existing employment contracts that guarantee bonuses over a year or more. But their appeals have been met with the FSA’s toughest yet response.
(…)
One Merrill Lynch employee said: “We thought that contracts would be immune from changes but were told by bosses that their hands were tied and there was nothing they could do, the regulator had put its foot down.”
(…)
Senior directors are concerned that the stance could result in the banks facing a series of legal challenges from individuals with pre-existing contracts. Headhunters say that banks including Barclays Capital and Nomura have lured star performers by offering them large guaranteed bonuses.
One headhunter said: “Many of these contracts have guarantees that 50pc of the bonus will be paid in cash. These are tricky things to unpick. But cleverly, the FSA has put the onus on the banks to unwind the contracts, rather than itself getting embroiled in a complex legal row.”
http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/banksandfinance/7141221/Banks-told-to-comply-on-bonuses-or-lose-UK-banking-licences-in-shock-FSA-ultimatum.html
Zu Griechenland:
Die wahre Bedrohung dieser Gesellschaft liegt darin,
dass es komplett “inkorrekt” geworden ist,
völlig “ungezogenen Kindern” mal ne Backpfeife zu geben.
Korrekter ausgedrückt:
Man diejenigen die “Spielregeln” nicht einhalten
nur noch mit Samthandschuhen anfassen darf.
Der „Lernefekt“ (zum Nutzen Aller ) von echter Strafe ignoriert wird.
„Sozial“ wird zwar flächendeckend gepredigt, die notwenigen Regelungen/Sanktionen die ein Sozialer Verband offensichtlich und unverzichtbar braucht aber aus FALSCHER Rücksichtnahme nicht konsequent umgesetzt.
Inkonsequenz in unendlich vielen Bereichen von Kindererziehung über Sozialpolitik bis Außen- und Sicherheitspolitik fast die Regel geworden ist.
Oder:
Die Utopie von “guten Menschen” der sich aus „Einsicht in die Notwendigkeit“ selbstständig korrigiert alles durchwuchert hat. Das funktioniert ( kann gut funktionieren ) in der Familie, in „sehr begrenzten Verbänden“. Dort, wo persönliche nahe Beziehungen zueinander etabliert sind. Schon fast nicht mehr in einer Stadt, noch viel weniger in den grösseren Einheiten.
@dtesch:
\”Was mir aber auffällt ist, Du scheinst Dich besonders auf China einzuschiessen, während Du die Lage DE recht optimistisch beurteilst und Kritik dran meist abmildertst?
Hat das einen besonderen Grund?\”
I\’m a macro guy
Im Ernst: Ich habe eine Schwäche für eine differenzierte Betrachtung. Ich begründe notfalls auch im Fan-Block von Schalke 04, warum Borussia Dortmund heute ganz ordentlich spielt.
Außerhalb von TiTo bin ich ein Kritiker vieler Probleme in Deutschland, die viele nicht sehen wollen. Ich erkläre gerne, warum die gefühlte Zwangsläufigkeit von mehr Staatsschulden uns die Zukunft verbaut, warum das Rentensystem in dieser Form nicht weitergeführt werden kann, und dass sich viele Politiker einfach weigern, mit den Fakten auseinander zu setzen, die man mit wenig Mühe selbst recherchieren kann. Die Unfähigkeit vieler Politiker (und politischer Beamter) mit Zahlen zu arbeiten, frustriert mich immens.
Es ist ja nicht so, dass ich gegenüber den Problemen blind wäre. Nur herrscht in Tito kein Mangel an Erkenntnis, dass wir einen riesigen Aufgabenberg vor uns haben. Deshalb wage ich, die andere Perspektive einzubringen.
Dafür treffe ich hier – wie in den deutschen Medien generell – eine deutlich zu optimistische Haltung gegenüber China an. Man sieht sieht die Stärken, versteht aber oft nicht die Schwächen. Und die sind ökonomischer Natur, während alle sich die meisten nur mit dem Thema Menschenrechte beschäftigen. Das ist auch wichtig, aber China fährt einen wirtschaftlichen Kurs, der leicht selbstzerstörerische Merkmale hat.
Vielleicht zum besseren Verständnis:
In der 80er Jahren haben alle gesagt, wir müssten nur wie Japan sein, und Deutschland ginge es besser. Niemand konnte mir damals erklären, warum NTT zwischenzeitlich mehr Wert war als alle DAX-Unternehmen zusammen. Das wurde als Beweis gesehen, dass der japanische Weg der richtige sei. Für mich war es ein Indikator, dass der Bezugsrahmen nicht mehr stimmte.
In den vergangenen 15 Jahren haben alle gesagt, wir müssten nur wie die USA sein, und Deutschland ginge es besser. Niemand konnte mir erklären, wie die Verschuldung der privaten Haushalte durchzuhalten sei. Als dann das Handelsbilanzdefizit immer größer wurde, wurde das als Beweis gewertet, wie stark die amerikanische Wirtschaft sei. Denn wäre sie schwach, würde dort niemand investieren oder den USA Geld leihen.
Heute sagen viele, wir müssten nur wie China sein, und Deutschland ginge es besser. Niemand kann mir erklären, wie die enormen Investitionen ihre Kapitalkosten finanzieren sollen. Kannst Du es?
@dtesch
„Aber schau Dir die handelnden Personen genau an. Würdest Du in diese Leute investieren?“
Machen wir es kurz, nein.
Aber wir müssen auch fair sein, die Aufbau- und Ablauf-Strukturen scheinen ebenso wild gewachsen zu sein, wie die Gesetzeslage. Das war ja beim GG auch so gewollt, nie wieder Diktatur. Wenn wir mal etwas strategischer denken, passt das GG nicht mehr. Spätestens nach der Wiedervereinigung hätte es überarbeitet werden müssen.
Nüchtern betrachtet wird es ja immer schlimmer, jedes Detail wird geregelt. Die Gesellschaft erstickt in Regelungswut. Und das Perverse daran ist, dass die Mehrheit scheinbar glaubt, dass das gut sei. Verstehst Du Deine Steuererklärung noch? Ich nicht und mein Steuerberater auch nicht so richtig, wie mir scheint. Der Finanzbeamte auch nicht. Wunderbar, das Chaos ist perfekt.
Statt aber mal an die Strukturen ranzugehen, wird Konjunkturpolitik und der ganze Schwachsinn diskutiert. Es ist einfach unglaublich, frustrierend, demotivierend, für alle, auch für die Staatsdiener, die können ja auch nichts dafür.
Mal ein Beispiel: Wohnte einst in einer Siedlung mit einer relativ engen Straße. Jeder parkte so halb auf dem Bürgersteig, das war am besten. Dann haben sie da einen vom Ordnungsamt durch geschickt und Strafzettel verteilen lassen. Nachher parkten alle vorschriftsgemäß neben dem Bürgersteig. Ergebnis: Das Müllauto passte nicht mehr durch, andere größere Fahrzeuge auch nicht. Noch Fragen?
Schöne Grüße
Pampa
Schöner Bericht in der FAZ über Details der kreativen Buchhaltung in Griechenland. Haarsträubend …
“Die Regierung gab an, in den Vorjahren seien bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts einige Branchen „vergessen“ worden. Durch die Nachbesserungen wachse die Wirtschaftsleistung, weshalb das Defizit im Verhältnis zu ihr automatisch kleiner sei. Erstaunen verbreitete sich allerdings, als bekannt wurde, welche Wirtschaftszweige die Griechen in früheren Statistiken vergessen hatten. Man werde fortan auch Wertschöpfungen wie Rauschgifthandel, Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und Prostitution berücksichtigen, verlautete aus Athen.
In Brüssel und in den anderen Staaten der Eurozone zeigte man sich überrascht. Dass Mitgliedstaaten ihre Wirtschaftsdaten überarbeiteten, sei nichts Ungewöhnliches, sagte eine Sprecherin von Währungskommissar Almunia. Dass sich dabei Änderungen von einem oder zwei Prozentpunkten ergäben, komme ebenfalls vor. Aber im Falle Griechenlands, das seine Wirtschaftsleistung um sagenhafte 25 Prozent nach oben revidiert hatte, handele es sich doch um eine recht bedeutsame Änderung, die überprüft werden müsse. Almunia sagte, angesichts der „besonderen Geschichte“ von Griechenlands Datenrevisionen habe er die europäische Statistikbehörde Eurostat gebeten, die Angaben genau zu prüfen. In Athen versuchte man zu beschwichtigen – die Schattenwirtschaft habe an der Revision nur einen geringen Anteil, der weitaus größere Rest sei auf angepasste Berechnungsmethoden zurückzuführen.”
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EABEFE9B9C9AD4C00B96E93938C24D390~ATpl~Ecommon~Scontent.html
@Greg
Interessante Artikel über China uns seine Probleme.
Was mir aber auffällt ist, Du scheinst Dich besonders auf China einzuschiessen, während Du die Lage DE recht optimistisch beurteilst und Kritik dran meist abmildertst?
Hat das einen besonderen Grund?
Gruß
dtesch
In der Druckausgabe der Welt war heute eine Karikatur zu sehen, die in etwas so lautete:
Eine junge Frau mit Kind an der Hand bat 2 Polizisten um Hilfe: “Ich, als Alleinerziehende werde von einer Gruppe Alleinerzogener angepöbelt”.
Was sagt uns das für unser Zukunft?
Zamir, Dein Einsatz ist gefragt!
Gruß
dtesch
Das andere Problem in China ist Inflation. Das der Umtauschkurs des Renminbi wird künstlich niedrig gehalten, um die Exportchancen der Unternehmen zu steigern. Das hat natürlich den Nachteil, dass alles, was China im Ausland kauft, relativ teuer ist. Das zeigt sich in den Preisen und die Arbeitnehmer verlangen zunehmend höhere Löhne. Zum einen wegen des höheren Preisniveaus, zum anderen weil sie ihren Anteil am Aufschwung der Wirtschaft fordern.
Die South China Morning Post hat einen interessanten Artikel über Wanderarbeiter, die zum chinesischen Neujahrsfest traditionell nach Hause zurückkehren. Mehrere Wochen lang sind gut 200 Millionen Arbeitnehmer unterwegs.
Die SCMP berichtet, dass einige Fabrikbesitzer an der Küste befürchten, die Wanderarbeiter würden nicht mehr zurückkehren. Nicht, weil es keine Arbeit gäbe. Sondern weil im Binnenland teilweise mehr gezahlt.
Wichtig sind dabei die Relationen. Die Dame hier zitierte Dame verdient jetzt 1500 Yuan in einem Hotel, während sie vor fünf Jahren noch 500 Yuan bei einem Elektronik-Hersteller bekommen hat. Wenn Hilfskräfte davon sprechen, dass sich ihre Löhne verdreifacht haben, kann man sich vorstellen, wie sich das Lohn- und das Preisniveau verändert haben müssen:
“Li, the worker at the Guangzhou station, said she earns about 1,500 yuan a month in a hotel in the east coast city of Ningbo, south of Shanghai.
But now she has a range of options: Besides looking for a job in her hometown, the 24-year-old woman also is considering shifting to neighbouring Guangdong province, where she worked in an electronics factory for 500 yuan a month in 2005.
“I would never work for such little money again,” said Li, whose family grows rice in the Guangxi region in the south. “My bottom line is 1,000 yuan, but I can easily get more than that. The market is good for workers now.”
As she talked, a river of people flowed into the massive square at Guangzhou’s train station. About 210 million passengers – more than the population of Russia – are expected to ride the rails during the 40-day New Year travel season. The holiday officially lasts six days, but many workers take a month off.”
http://www.scmp.com/portal/site/SCMP/menuitem.2af62ecb329d3d7733492d9253a0a0a0/?vgnextoid=12471d0155c96210VgnVCM100000360a0a0aRCRD&ss=China&s=News
China hat einen Plan? Die Zeichen einer Investmentblase lassen sich einfach nicht mehr übersehen. Jim Chanos gehört zu den deutlichsten Kritikern und er weist auf die Dimensionen des aktuellen Bau-Booms hin. Von den anderen Investment-Blasen sprechen wir hier noch nicht einmal.
Bereits heute stehen viele Büros leer, offiziell spricht man von 15 Prozent. Derzeit werden aber rund 2,8 Milliarden Quadratmeter (30 Mrd. square feet) zusätzliche Bürofläche gebaut. Ja. Milliarden.
Um das vergleichbar zu machen: In Frankfurt gibt es insgesamt 11,85 Millionen Quadratmeter Bürofläche, in Berlin 18,36 Millionen Quadratmeter.
Alleine die neue Fläche wäre genug, um jedem Chinesen vom Baby bis zum Rentner einen Cubicle einzurichten. Aber da gibt es ja auch noch den nicht unerheblichen Altbestand …
http://www.zerohedge.com/article/chanos-summary-thoughts-china-its-bad-and-will-get-much-worse
Nun ja, China ist groß und wächst, könnte man jetzt sagen. Und es hat ja das Geld, um die Neubauten zu bezahlen. Michael Pettis rückt das in einen historischen Kontext und weist darauf hin, dass sich die USA in den 20er und Japan in den 80er Jahren in einer ähnlichen Situation wie China heute befanden.
Größe und Finanzkraft haben sie nicht immun gegen Fehlinvestitionen und externe Schocks gemacht. Im Gegenteil: Das Vertrauen in die eigene Stärke hat die Märkte veranlasst, zu lange auf grenzenloses Wachstum zu setzen. Denn man darf nicht übersehen, dass irgendwer das ganze investierte Geld auch wieder verdienen muss. Sonst kommt es zum großen Kredit-Crash.
Der Beitrag von Michael Pettis ist deshalb lesenswert, weil er sehr genau darlegt, warum Währungsreserven kein Schutz vor Finanzkrisen im eigenen Land sind. Leider verstehen nur wenige Leute, wie Handelsbilanzen tatsächlich funktionieren. Deshalb wird verkannt, warum China so große Währungsreserven hat und warum es so wenig damit anfangen kann.
http://mpettis.com/2010/02/never-short-a-country-with-2-trillion-in-reserves/
Grobheiten Eysel? Nennen wir es mal Wahrheiten. Der Kopf ist rund, weil …? Ich halte meinen Rücken hin, wenn es um „meine“ Leute geht, volle Deckung. Allerdings nehme ich mir auch das Recht heraus, ihnen selber vorher den Kopf zu waschen. Ist meistens aber nicht nötig. Not? Setzen, Klappe halten, zuhören und dann gehen wir abends alle zufrieden nachhause. So unzufrieden sind sie damit nicht. Und wem das nicht gefällt, wir leben in einem freien Land …
Aber nur unter uns, ich fürchte andere würden das (gezielt) missverstehen.
Pampa
@Andreas Müller
Ein Beispiel aus dem Leben:
Eine 90-jährige wird wegen eines Knochenbruchs in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der diensthabende, etwa 60 Jahre alter Mediziner, fragt:
welche Tabletten nehmen sie denn?
Auf die Antwort der 90-jährigen “keine”
kam die prompte, offene Arzt-Antwort:
“Ach, deshalb sind sie so alt geworden”.
“Jeder ist seines Glückes Schmied.”
Leider braucht die Mehrheit einen “Schmied”.
Noch was:
50 % der Diagnosen sind Fehldiagnosen, da angebotsinduziert.
Typische Kartell-Merkmale.
karel
Hey dtesch,
wie ich lese. beherrschst Du deine hand-, fuss- und mundwebereien
aus dem effeff. Guter Joke(r)
Gruß aus Bad Wümmelsaussen, Zamir
@Zamir
Gutmenschen, Gutmenschen, Gutmenschen, ….
Jetzt habe ich bald die Sonderprämie beisammen
Gruß
dtesch
Noch ein wort zur scheinheiligsten debatte die zur zeit die runde macht: Die kleine schweiz hat schon mehr afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen diktatoren, ihre vom eigenen volke
blutgetränkte rente und rendite gesichert als alle imperialstaaten
(USA, UdSSR, Russland, China etc.) zudsammen.
Die grosse bundesrepublik dagegen bereitet ihren eigenen steuerfahndern ein schweres leben und sorgt dafür, dass immer genügend steuerschlupflöcher vorhanden sein werden, um grössere
sümmchen am fiskus vorbei zu manövrieren.
Welch’ grosse scheinheiligkeiten ?!
@Rudi:
“(die Partei hieß übersetzt tatsächlich Wohlfahrtspartei (!) ist ungefähr 15 Jahre her, Land spielt keine Rolle, etwa so groß wie BRD”
Darf ich mal tippen: Necmettin Erbakan und Refah Partisi?
http://de.wikipedia.org/wiki/Refah_Partisi
Ich finde, dafür müssen Sie sich nicht rechtfertigen, sondern ich finde die Innenaufnahme eines anderen Landes plus die externe Betrachtung Deutschland höchst spannend.
Ich glaube (naja, nachdem ich 1990 vergeblich gegen die zu hohen Erwartungen an die Wiedervereinigung argumentiert habe vielleicht eher: ich hoffe), dass man in Deutschland mit solchen Versprechungen keinen Blumentopf gewinnen könnte.
Aber ich verstehe, was Sie meinen. Denn das Problem in Deutschland sind nicht offensichtlich unerfüllbare Versprechen. Sondern vielmehr, dass die Politik immer noch so tut, als könne sie einige Versprechen der Vergangenheit immer noch einhalten, obwohl sie sich inzwischen als unrealistisch herausgestellt haben.
Was das angeht, bin ich auf Pampas Seite. Ich glaube, es gäbe eine Wählerschicht, die ein offenes, wenn auch unangenehmes Wort zu schätzen wüsste. Ich finde nicht falsches daran, seine Schwächen zu benennen, solange man seine Stärken nicht aus den Augen verliert.
@ dtesch,
nur nachgefragt: Gibt es eigentlich von irgendeiner krankenkasse, oder
sonst einer organisation, eine sonderprämie für die mehrfach-nennung
des begriffes gutmenschen ?
Ihr Pharma-Anlage-Daten-Apotheken- und Ärzteverzotteler, Zamir
@ pedro,
schon ein mal habe ich Dir versichert, mit Deinen radikaltheorien
kommst Du gegen den hier tonangebenden denkkonservativismus
nicht an. Allein dieser kluge ansatz von heute 12:24 Uhr, mit allen
daten und fakten und beziehungen zueinander, zuende analysiert und wissenschaftlich etwas verfeinert, würde ganze hirne zum zerplatzen bringen, daher, zur äussersten vorsicht sei geraten.
Gruß aus Wermelskirchen, Zamir
@dtesch:
\”Seit wann sind Politiker dafür gewählt worden, Marktwirtschaft für ihre persönlichen und parteipolitischen Interessen zu betreiben?
Das Verneinen einer Klientelpolitik der Politiker blendet die Realität aus. \”
Erstens verneine ich kein bisschen, dass Politik die Interesse ihrer Klientel vertritt. Das ist im politischen Prozess sogar so gewollt. Wobei man nicht übersehen darf, dass Klientel definiert ist als \”Gruppe von Personen, deren Interessen von einer Partei oder Gewerkschaft vertreten wird\”.
http://de.wiktionary.org/wiki/Klientel
Zweitens ist auch Marktwirtschaft ein wichtiger Teil der Demokratie. In der Politik ist es von großer Bedeutung, wer Eigentümer eine Sache ist. Spätestens bei der Frage, wer die Reparatur eines Schlaglochs zu bezahlen hat, wird sehr genau darauf geschaut, ob die Straße der Gemeinde, dem Kreis oder dem Land gehört.
Vom Mars aus betrachtet, macht diese Unterscheidung wenig Sinn, weil es Strecken aus Asphalt sind, die aneinandergrenzen. Tatsächlich ist es für den politischen Interessenausgleich wichtig, wer den Bau und den Unterhalt der Straße bezahlt.
Politiker der Gemeinde, des Kreises und des Landes vertreten eine unterschiedliche Klientel. Es ist ihre Aufgabe, einen Ausgleich der Interessen zu finden. Die Stadt möchte vielleicht eine neue Straße, Aber warum sollen alle Gemeinden der Umgebung diese mitfinanzieren? Das marktwirtschaftliche Prinzip nach dem Recht auf Eigentum ist hier ein probates Mittel zum Interessenausgleich.
Drittens habe ich nicht geschrieben, dass Politiker öffentliche Gelder zu ihrem persönlichen Vorteil einsetzen. Ich bin nicht so naiv zu behaupten, dass es nicht auch solche Leute gibt. Schließlich gibt es genügend Beispiele von persönlicher Bereicherung.
Das Gros der Politiker, die ich kenne, halte ich aber für integer. Ich teile beileibe nicht immer ihre Meinung und schlage bei vielen Entscheidungen die Hände über dem Kopf zusammen. Ich bin mir aber auch bewusst, dass andere Leute einen Schreikrampf bekämen, wenn die Entscheidung anders gefallen wäre.
So ist das eben im Interessenausgleich. Es gibt ganz selten ein definitives Richtig und Falsch. Es gibt unterschiedliche Interessen, die alle berechtigt sind. Man kann nicht allen allen Interessen gerecht werden. Und mit jedem \”Ja\” sagt man anderen gleichzeitig \”Nein\”.
Es ist Aufgabe des politischen Prozesses die Entscheidungen zu treffen, die im Interesse der Mehrheit sind. Wir bezahlen unsere Beamten und Repräsentanten einigermaßen gut, damit sie keinen wirtschaftlichen Druck haben, im Sinne von Einzelinteressen (die aber besser zahlen) zu entscheiden.
Das funktioniert nicht immer. Aber jeder ist für eine wirtschaftsfreundliche Politik, die Arbeitsplätze schafft, gute Infrastruktur, kurze Entscheidungswege und unbürokratische Entscheidung. Bis die Stadtverwaltung im Eilverfahren entscheidet, das neue Chemiewerk auf die Wiese neben dem eigenen Garten zu bauen
Immer schön b-logger bleiben, Herr Neumann!
Ich gebe zu, daß ich mit der “deutschen” Denkweise zwischenzeitlich so meine Probleme habe. Es läuft immer darauf hinaus, wer ist denn hier der “Sieger” und wer der “Verlierer”. Wenn´s gilt, müssen wir drei Stellen hinter dem Komma zitieren oder 27 Gesetzestexte.
Dabei habe ich hier ein Medium vor mir, bei dem ich nichts gewinnen kann. Ich kann deshalb auch nichts verlieren, nicht mal meinen “guten Namen”. Sollte es irgendwo einen Blumentopf geben, so überlasse ich den gern anderen.
Wenn hier mein statement als Bundeskanzler erwartet wird, dann sehe ich vor meinen Augen die gespannten Büchsen, nachgeladene Magazine, ein Auge zugekniffen, es fehlt noch der Ruf: Feuer frei! Auf ihn mit Gebrüll, 1000 Gegenmeinungen, 1001 Gründe, warum dieses und jenes nicht geht, Hirngespinst ist, nicht finanzanzierbar und was weiß ich. Hat doch jeder schon erlebt hier, oder?
Warum das so ist? – Das ist die Kehrseite der Medaille, die ich weiter oben beschrieben habe, jeder hat etwas zu verlieren, wenn es Änderungen gibt. Ich schließe mich ausdrücklich nicht aus!
Darum, hängen wir das Fähnchen doch ein bisserl niedriger. Wir können hier doch bloß miteinander reden, unsere Erfahrungen austauschen, soweit wir das wollen. Wichtig ist festzustellen: Diejenigen, die hier etwas sagen, haben den letzen Funken Hoffnung noch nicht verglimmen lassen. Das ist doch nicht selbstverständlich – 50 % gehen schon gar nicht mehr zu einer Wahl. Von denen, die zur Wahl gehen, wieviel sind dabei, die sich ernsthaft mit “Politik” oder “Wirtschaft” auseinandersetzen? Sind es 5 %? – Eigene Erfahrungen, jeder hat die seinen: Im Heimatstädtchen sind es vielleicht 5, sollen es 7 oder 10 Personen sein, die sich neben den ehrenamtlichen ernsthaft mit Politik beschäftigen.
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Eines reizt mich jetzt allerdings noch, Herr Neumann. Ich wollte Ihnen sagen, wie ich Bundeskanzler werden will, ja, im ernst, hören Sie zu!
Wenn Sie mich wählen, dann erhält jeder Deutsche zwei Schlüssel! Ein Schlüssel für ein neues Auto und den zweiten Schlüssel für ein nigelnagelneues Haus! Das ist mein Regierungsziel, ich werde alles tun, damit jeder Deutsche am Wohlstand teilhaben kann. Meine Partei heißt “Wohlfahrtspartei”! Wir sind die einzigen, die jedem das Recht auf Mobilität verschaffen und wir sorgen dafür, daß jeder Deutsche in seinem eigenen Haus leben kann. Persönliches Eigentum für Jeden, nicht nur für ein paar Auserwählte. Ich werde dafür sorgen, daß Sie es bekommen, nur ICH!
Ach so, ja, wo das Geld herkommt? Da machen Sie sich keine Sorgen, wir haben schon so viel Schulden, da kommt es auf eine Null mehr oder weniger gar nicht mehr an.
“Rudi restlos Ratlos” for Cancler! Der Schlüssel zum Erfolg!
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Würden Sie mich wählen, Herr Neumann? Sie nicht, das weiß ich, Sie haben schon Auto und Haus, aber Andere? -
Ich kann Ihnen versichern, daß das kein Spaß ist! Nein, wirklich nicht! Ich habe es erlebt, der damals fast 70-jährige Kandidat hat genau mit den oben genannten Sprüchen gewonnen, haushoch! (die Partei hieß übersetzt tatsächlich Wohlfahrtspartei (!) ist ungefähr 15 Jahre her, Land spielt keine Rolle, etwa so groß wie BRD, weil ich sonst wieder in einer Rechtfertigerrolle bin)
Die Geschichte ist noch nicht aus: Wissen Sie, was passiert ist? Es gab weder Schlüssel, noch Auto, Haus schon gar nicht. Der Staat war nach knapp drei Jahren pleite. Aber richtig pleite, ich sah 150 Leute vor einer Bank stehen, die auf ihre Rente gewartet haben. Alle Flaschen leere…Für einen Zeitraum von ca. 3 Monaten so gut wie keine Regierung, nur das Militär konnte die Ordnung einigermaßen aufrecht erhalten. Bankenpleiten und was so alles dazugehört. Anschließend: Ernüchterung, kleine Brötchen, das Ausland mußte zur Hilfe einschreiten. Heute:ca. 8 % Wirtschaftswachstum, von der Krise so gut nicht betroffen, weil fast nur Binnenmarkt, viele viele junge Leute, mehr als die Hälfte unter 30 Jahren.Zuversicht bestimmt das Denken, so meine Einschätzung.
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Lange Rede, kurzer Sinn: Das Volk (die Masse) ist unglaublich verführbar, viel stärker, als allgemein wahrgenommen. Ich neige sogar zu der Ansicht: Vorsicht, wenn massenweise in eine Richtung gedacht wird! Dann wird nämlich oftmals überhaupt nicht mehr gedacht! Ein Phänomen. Steckte das nicht auch in unseren “Bankenapparaten”? Der obige Link zu dem NDR-Spot geht zumindest in diese Richtung. Würden wir heute in erlebter Politik – die Banker sehn – und den Bürgern – die Kunden – dann wissen wir, welches Ergebnis uns zu erwarten hat. Eine gewagte These, ich gebe es zu! Feuer frei!!
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Hier noch ein Link, der auf eine andere Macht hinweist. Politik ist eigentlich nur Nebensache, wird mE hoffnungslos überschätzt! Als Kanzler würde ich zuallererst Denen zu ihrem Recht verhelfen – das kostet nicht mal was! – anstatt einen “Vollstreckerstaat” einzurichten. (gegen das eigene Volk, wohlgemerkelt)
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/01/Die-Macht-der-Familie?page=1
und damit´s nicht langweilig wird, hier noch ein Aufreger:
http://www.mmnews.de/index.php/201002044836/MM-News/Steuerhinterziehung.html
Klar, man kriegt einerseits ein dickes Fell,
andererseits versucht man dem Ärger aus dem Wege zu gehen, tarnt sich. -
Die häufigen Reaktion selbst auf unauffällige Attribute enttarnen, dass wir bei weiten nicht in einer freien Gesellschaft leben in der man sein Glück frei schmieden darf, sondern in einer in der „sozial“ Alles ist, Erfolg ( worin auch immer ) nur noch Anlass für eine weitere Robin Hood Sozialdiskussion. Und diese Reaktion scheint selbst bei Leistungsträgern weitestgehend verinnerlicht zu sein – selbst wenn sie im Beruf ganz selbstverständlich leistungsorientiert sind und über Regulierung, Lasten, mangelnde Anstrengung Anderer klagen. -
@Eysel
Habe die gleiche Erfahrung gemacht.
Wer ein großes Auto fährt ist in dieser Gesellschaft bereits schuldig.
1.Man kann mit dem Auto schnell fahren = Raser
2.Der Verbrauch ist höher als der Durchschnitt = Verbrechen am Weltklima
Ich persönlich habe mir ein dickes Fell zugelegt. Es stört mich nicht.
Gruß
dtesch
@dtesch
sonnenklar.
Mietersachen ebenso. Habe Anfang Mitte der 90er Alles verkauft.
Vor deiner Zeit hier hatte ich mal versucht,
das Thema am Beispiel Strassenverkehr aufzudröseln.
Schnell gefahren = schuldig.
Großes Auto = schuldig.
Hatte auch kontraproduktive Regelungsdichte am Beispiel Strasse versucht zu erläutern. Das Schutz Schwacher zu Lasten des Gesamtsystems übertrieben werden kann.
Bin selbstverständlich zerrissen worden. Wobei nicht selten das Auto das ich fuhr das in Wahrheit “dickste Argument” zu sein schien.
@dtesch
“Ich habe da zur Zeit meine Zweifel. Stell Dir einmal vor, die jetzige Koalition würde eine Steuerreform beschließen, die das System radikal vereinfachen würde. Was glaubst Du, wie die “unabhängige” Presse über die Politiker herfallen wurden, neoliberal wäre da noch die freundlichste Bezeichnung. Wie viele “Experten” aus allen Löchern hervorgeholt würden, um die wildesten Spekulationen zu nähren.”
Das ist exakt das Problem.
Möglicherweise ist der Verdummungsprozess/Linksposition vieler poulärer Medien schon zu weit fortgeschritten.
In kleinem Kreise dagegen finde ich dagegen recht oft Zustimmung zum “Aufstand derr Anstänigen”.
Das Problem ist halt, Anständige neigen recht wenig zu Aufständen. – Ihre Stimme wird ( medial ) allzu schnell ( voreilig ) als Besserverdienerstimme oder eigeninteressenorientiert ooder Elfenbeinturm diffamiert/abgetan.
@Eysel
“… dass Politik sich in Jurisdiktion einmischt”
Schau die die Arbeitsgerichte an, hier kannst Du feststellen, dass da oft politisch entschieden wird.
Gruß
dtesch
@Greg
Sie könnte durch fehlende Steuerungsmechanismen ihre Klientel nicht mehr bedienen. ”
“Naja, so ist das halt in einer Marktwirtschaft.”
Seit wann sind Politiker dafür gewählt worden, Marktwirtschaft für ihre persönlichen und parteipolitischen Interessen zu betreiben?
Das Verneinen einer Klientelpolitik der Politiker blendet die Realität aus. Du beschreibst die Situation, wie sie sein sollte, nicht wie sie tatsächlich ist.
Wer einen neuen Weg einschlagen möchte, muss erst wissen vor er ist. Positionsbestimmung nennt man das. Erst dann kann man sich auf dem Weg machen ohne gleich von vorne herein das Ziel zu verpassen.
Will man in der Gesellschaft etwas verändern ist es ähnlich. Ohne genaue Positionsbestimmung, ist die Gefahr groß, dass die angestrebten Veränderungen nicht das erhoffte Ergebnis bringen.
@Pampa
“Das Volk zieht schon mit, man müsste es nur mal knallhart erklären”
Ich habe da zur Zeit meine Zweifel. Stell Dir einmal vor, die jetzige Koalition würde eine Steuerreform beschließen, die das System radikal vereinfachen würde. Was glaubst Du, wie die “unabhängige” Presse über die Politiker herfallen wurden, neoliberal wäre da noch die freundlichste Bezeichnung. Wie viele “Experten” aus allen Löchern hervorgeholt würden, um die wildesten Spekulationen zu nähren.
Verstehe mich bitte nicht falsch, ich wäre dafür, das die Regierung Reformen in Gang bringt, die das Land nach vorne bringen.
Aber schau Dir die handelnden Personen genau an. Würdest Du in diese Leute investieren?
Gruß
dtesch
@ Pampa
für solche Grobheiten bin ich zuständig
@Pedro
Hier wirst Du etwas geholfen: http://de.wikipedia.org/wiki/Basel_II
Was davon hast Du begriffen und welche Schlussfolgerungen ziehst Du?
Pampa
Ein Politiker sagt ( schreibt vor ),
was Recht und was Unrecht ist.
Das hatten wir doch schon mal …
… dass Politik sich in Jurisdiktion einmischt:
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E00BFC644888C43A79FA69B5E007F3EE6~ATpl~Ecommon~Scontent.html
@ Pampus von Eysus
Damit wären wir schon zwei …
Noch nen Tabubrecher hier???
@Pampa
hatte im übrigen das glück mit einem der mit-schöpfer und mit-gestalter von basel II zu reden und zu dikutieren, also ganz so ohne ahnung und verstand bin ich nicht
nur meine meinungen über das denken und wirken der bängster ist eine kolossal andere
Und wo ich gerade so schön in Rage bin, mal etwas Frauen- und Schwulenfeindliches. Schon mal eine Chefin gehabt, also als Chef? Ich arbeite nie wieder unter einer Chefin. Damit bin ich nicht ganz alleine, auch die meisten Frauen wollen lieber ein männliches Exemplar.
Meinetwegen knallhart, aber fair, nicht dieses Rumgezicke. Fairerweise muss ich nach Diktion des regierenden OB in Berlin Wowi (fast WiWo;-)) gestehen, dass ich eine Krankheit habe, ich bin äußerst heterosexuell. Mach was du willst, aber unter Frauen und Schwulen arbeite ich nicht (mehr), für keinen Bonus der Welt.
Darf Mann das noch sagen, oder fällt das unters Antidiskriminierungsgesetz? Kontraktzwang haben wir ja noch nicht, noch.
))
Pampa
Zu weiter oben Wettbewerb unter KK:
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EFFCAA14419A64946A0E4DDFA8260BE5D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
@Pampa:
“ABER: Kein Grund hier die Hände in den Schoß zu legen.
Auch halte ich es für eine Mär, dass man anders nicht gewählt würde.”
Yep, das ist die Marktlücke im politischen Angebot
)
Allerdings braucht man dafür
a) einen Plan
b) Ahnung
Ich habe manchmal den Eindruck, in den Parteien gibt es zu wenige Leute, die mit genügend Ahnung einen Plan formulieren können, um dann kompetent über Vor- und Nachteile informieren zu können. Man ist eher froh, einen Kompromiss innerhalb der eigenen Partei gefunden zu haben, und blendet deshalb die Diskussion um die langfristigen Folgen vorsichtshalber aus.
@dtesch:
“Ist das von der Politik überhaupt gewünscht?
Sie könnte durch fehlende Steuerungsmechanismen ihre Klientel nicht mehr bedienen. ”
Naja, so ist das halt in einer Marktwirtschaft. Wer das Geld hat, hat natürlich Einfluss. Entsprechend ist die Frage, wer über Gelder bestimmt, in der Politik einer der wichtigen Punkte.
Es gibt vier Ebenen:
1) Gemeinden
2) Kreise
3) Länder
4) Bund
Jeder hätte aus guten Gründen gerne den größten Teil vom Kuchen. Die einen, weil sie näher am Bürger sind, die anderen, weil sie regionale Unterschiede ausgleichen und übergeordnete Aufgaben übernehmen können.
Das ist ein normaler Interessenkonflikt, weil beide Seite valide Argumente haben. Aber ich würde das nicht als Klientelpolitik sehen.
Beispiel Bildung:
Welche der vier Ebenen sollte den größten Einfluss auf Inhalte und Ausstattung von Schule und Ausbildung haben? Wer den größten Einfluss hat, braucht auch das meiste Geld.
* Bin ich zu lokal, entstehen individuelle, aber auch viele parallele, redundante Angebote
* Bin ich zu zentral, entstehen effiziente, aber auch große, unpersönliche Angebote
Da eine optimale Lösung hinzubekommen, ist nicht so einfach.