Haben Sie heute schon Ihren Anlageberater geohrfeigt? So unkultiviert sollte man sich keinesfalls geben. Noch vor einem Jahr wäre das als Notwehr durchgegangen – an dem Tag, an dem der Ihr sauer erspartes Vermögen halbierte. Mittlerweile kritisiert niemand mehr Bankberater für die größte Geldvernichtung aller Zeiten. Verständnisvoll hören wir unserem leidgeprüften Berater zu, der seinen lieben Kunden so traurige Nachrichten übermitteln muss. Lehman! Was kann man da machen?
Schicksalsergebenheit umwölkt den Bankschalter. Hinter diesem Vorhang lässt sich jede Verantwortlichkeit verstecken. Ja, die Finanzkrise ist eine wunderbare Gelegenheit, von eigenen Fehlern abzulenken. Beispiel Märklin. Wegen der Finanzkrise wurde nicht eine Lok weniger verkauft. Märklin ist das Opfer von Managementfehlern, später haben gierige Berater und hungrige Heuschrecken das letzte Grün zwischen den Eisenbahngleisen abgegrast. Und doch – Märklin wird als Opfer der Finanzkrise wahrgenommen. Oder Opel: Ja, es ist schade um die hübschen neuen Modelle. Aber in den 20 Jahren davor produzierte der Konzern jede Menge Schrott im Wortsinn. Diese Fehler machen Opel nun den Garaus – nicht die Finanzkrise. Oder Schaeffler: Dort setzte das Management im Kasino alles auf Rot – leider fiel die Kugel auf Schwarz. Die Maus kann keinen Tiger reiten – das galt schon vor der Finanzkrise, ebenso wie der Grundsatz, der bei der Hypo Real Estate zum Desaster führte: Finanziere niemals lang mit kurz. Hätte Herr Boni-Funke wissen können.
Aber geschenkt! Kleben Sie das Schild „Finanzkrise“ auf die Leiche, und die Kripo drückt Ihnen ihr Beileid aus, statt Sie zu verhaften.
Allerdings sind ein paar Feinheiten zu beachten. Es kommt auf den Zeitpunkt und die Nullen an. Falsch hat es der damalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt gemacht. Seine Pleite-Bank, die Sachsen LB, belastet den Haushalt mit 2,75 Milliarden Euro. Eigentlich ein Geniestreich, wie es ihm in letzter Sekunde gelungen ist, das größte Loch im Osten an die Landesbank Baden-Württemberg zu verticken.
Dass die Käufer jetzt wegen der Sachsen LB ein Problem von rund 20 Milliarden Euro an der Backe haben, führt in Stuttgart nicht zur Frage nach der Verantwortlichkeit von Bank und Land, denn mittlerweile haben wir gelernt: Es war nicht der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, sondern die Finanzkrise! Die ehrliche Haut Milbradt war nur zu früh dran und hat versucht, den Schaden zu begrenzen – das hat ihn Ehre und Amt gekostet.
Also: Versuche nicht, es billig zu machen! Je höher, umso besser. Über Millionen regen sich die Leute auf, Milliarden dagegen sind systemisch, somit entschuldigt. Jeder Hamburger – Vater, Mutter, Baby, Greis – haftet mit 16 661 Euro für die Fehler der HSH Nordbank. Wurde deshalb jemand davongejagt? Nein. Riesen-Beträge führen zur kollektiven Ohnmacht, in der die Frage nach Verantwortlichkeiten nicht mehr gestellt werden kann. Etwa bei der Commerzbank. Die kaufte die Dresdner und stellte 14 Tage später fest: 6,3 Milliarden Euro Miese tauchen auf wie das Ungeheuer von Loch Ness. Der schnellste und folgenloseste Fehler der Wirtschaftsgeschichte. Toll, Herr Blessing, supi!
Auch wir Journalisten sind nicht frei von Demenz. 20 Milliarden Euro hat die Allianz in der grünen Hölle der Dresdner Bank verloren. Ein „glücklicher“ Deal sei das, schreibt ein Wirtschaftsmagazin, dessen Namen ich aus Scham über die eigene Profession lieber verschweige. Begründung: „Es hätte noch viel schlimmer kommen können.“
Manchmal denke ich, ganz im Stillen: Da helfen nur noch Ohrfeigen.











294 Kommentare zu “Danke, liebe Krise”
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Den Nagel auf den Kopf getroffen!
Lieber Herr Tichy, schon allein wegen Ihrem Kommentar loht sich das Kaufen der Wirtschaftswoche, danke!
Proaktives Handeln ist gefragt statt Reaktion -
4 Missverständnisse zur Krise:
1. Uns betrifft sie nicht so.
2. Wir haben die Kosten gesenkt.
3. Augen zu und durch.
4. Schauen was die anderen tun
Wer nicht gestaltet wird durch die Krise fremdgestaltet -
Studie: http://tinyurl.com/Karmasin
von Klaus F. am 27.03.2009 um 18:44 Uhr:
Das Wetter wird ab Montag grandios!
Um Missverständnissen vorzubeugen.
)))
Diese Prognose habe ich zugegebenermaßen aus Wetter.de (grins)
Hat also nix mit EW zu tun! Obwohl…mmmh….man kann das ja mal versuchen zu verifizieren
Übrigens, die Baustellen laufen wieder
Klaus F.
von Klaus F. am 27.03.2009 um 12:28 Uhr:
Übrigens, bzgl. Märkte:
Wenn der Dax die 4300 nicht bald signifikant nimmt – ist EW-mäßig enorm wichtig für eine weiter nachhaltige Erholung – braut sich Ungemach auf. Kann u.U. sogar heftig werden.
Moin Tichy-Town
Und…!
…DAX wieder Richtung unter 4000
Aktuell -4%
Möööönsch Klaus, die Zukunft ist und bleibt ungewiss. Alles Zufall, du hast einfach nur eine Glückssträhne. Mach den Blog nicht weiter mit dem Quatsch verrückt.
Gruß
)))
Klaus F.
ups, jetzt erwische ich mich schon bei Selbstgesprächen (lach)
@Tichy:
“Denn eigentlich suchen alle irgendwie verzweifelt nach einer Maschine, die die Kreditvolumina wieder aufbläst”
Genau das ist das Problem. Eigentlich wollen alle, dass es so weitergeht wie früher, auch wenn sie wissen, dass das nicht geht. Klassische Verleugnungshaltung weil die Staatschefs auch wissen, dass ein falsches Wort von ihnen die nächste Panik an den Märkten auslösen kann.
Wie läutet man also einen Kurswechsel ein, ohne dass die Reaktion auf die Nachricht alles noch schlimmer macht?
Tja, that’s life: London ist nicht Zürs!;-)
hmmmm, jetzt muss ich mir noch mal alle Positionen zusammensuchen, für G-20. Aber tatsächlich fehlt da wohl in den bisherigen Papieren wirklich praktikable Vorschläge. Denn eigentlich suchen alle irgendwie verzweifelt nach einer Maschine, die die Kreditvolumina wieder aufbläst. Und Geithner holt alle die ins Boot, die er vorher verbrannt hat. Es fällt auch auf, dass Obama schon deutlich moderater wird in seiner Wortwahl.
Wird also nichts werden mit den großen Erwartungen, die da an London gestellt werden.
off topic,
aber ein Einblick in die derzeitige Immobilienlage in den USA-(Detroit oder wahlweise Suche möglich)
habe mal neugierig ab 1Dollar einegegeben-
hier ein Beispiel für 300 Dollar-
http://www.realtor.com/realestateandhomes-detail/Detroit_MI_48213_1104564544
auffallend viele Immos sind abgefackelt worden…
LG mad
Lieber Zamir,
ich hab es ja nicht so mit den Idolen, aber Neuss ist mir ein sehr Lieber!
(der Vergleich mit Omma bezog sich auf die Ähnlichkeit und weniger auf das Altern..na gut, ist ja eher uninteressant und selbstbezüglich in der Aussage..)
Und Dir selbstverständlich das Deine:)plus ein gutes Wochenende
mit freundlichen Grüßen,
mad
@ mad pilot,
jedem/jeder das seine und mir das meiste. Zu Wolfgang Neuss, richtig ist, dass viele ihn nicht verstehen konnten, weil schon damals
bildung und bildzeitung einen bund fürs deutsche bürgertum geschlossen hatten. Ansichten haben und meinungen austauschen können, sollte trotz der staatlichen überwachungsorgane noch ungehindert möglich sein; mit dem aussehen und dem dazugehörenden alter hatte ich noch nie probleme, wenn “SIE”
wissen was ich meine. Ín diesem sinne …
Gruß Zamir
http://www.thecopydude.com/oligarchs-fall-on-hard-times/
pardauz,russische Einsichten und Ansichten.
@Zamir,
bei mir hast Du längst den Spitznamen “Zebulon” -turnikuti,turnikutaa,Zebulon ist wieder da…:)
und ein wenig denke ich an Wolfgang Neuss,hab ihn selig.
Der war ein Obermoser (und sah im Alter aus wie meiner Großmutter aus dem Gesicht geschnitten.Reiner Zufall, daß ich in Neuss geboren bin…)
@all,was ist denn heut mit der chefsache?
was frühstücke ich denn jetzt?
oder bin ich mal wieder out of time und es ist freitag ?
?? LG mad
Guten Morgen Magic,
was fummelst Du an meinem noch verbliebenen schuhkarton rum ?
Überhaupt, woher weisst Du von der existenz meines “Geliebten” ?
Siehe da, der obermäähdrescher von der bundesbahn hat Dich bestimmt schon vor längerer zeit beauftragt, micht zu überdingsen (zitter, huchcuhcuch). Aber, vielleicht hast Du gar nichtmal so unrecht, denn, was reg’ ich mich auf, es geht mir doch TOP TIP.
Lass die krise draussen, bubi sei gescheit, lass die hunde bellen und amüsiere dich noch heut’. trotzdem find’ ichs ordentlich schoofelig, was Oberschnüffel-hartmut da so raushängen lässt und die tagesordnung geht mit und auch darüber hinweg, so rischdiisch ist das doch wirklich nicht ?!?!
Gruß Zahm__irr
Lieber Zamir,
du übertreibst, das ist doch gar nicht dein Stil, und dann: was du in deiner “Tobsucht” nicht alles in einen Satz verwursteltst, das passt doch in keinen Pirmasenser Schuhkarton mehr, statt dich artig bei der Krise zu bedanken, schüttest du ein ums andere mal Öl ins Krisnefeuer, fast könnte man mein, je doller die Krise, desto pamir der zamir, was ist denn los mit dir, müssen wir uns Sorgen machen?
Solche eskapaden wie bei de Bahn schwitzen wir in Tichy-town doch in der Mittagspause über den Fußschweiss aus, oder? Also Contenance, Musketier, auch wenn keiner mithört;-)
Und wenn es noch so off topic ist, es ist schööön.
Mää-ääää-äää-dorn, verhält sich doch nur so wie viele dikatoren und diktaturen vor ihm. In bester tradition zur gestapo und zum stasi, wird eben mal mit unetrstützung neuester technologien, alles
ausgekundschaftet was so kreucht und fleucht. Interessant wirds doch erst bei näherer betrachtung mit den verbindungen zur telekom
und weiter, wer ist der oberaufseher von DB und Telekom ? Genau,
die deutsche Bundesregierung und da fängt’s ganz gewaltig zu stinken an. Wenn in früheren jahren Helmut Kohl solche situationen
ausgesessen hat, dann wird seine lieblingsnichte, mit entsprechender vergangenheit, es geradezu mit bravour meistern, wetten ?! Dreh dich nicht um der Hartmut geht um, der alte BLOCKWART, der alte.
Gruß Zamir
Grundregeln, grundordnungen, naturgesetze, ordnungsrahmen,
freiheitlich-demokratische grundordnung, die wirtschaft braucht freiheit um zu gedeihen und zu wachsen, die politik muss vernünftige rahmenbedingungen schaffen usw. ……
Welcher halbwegs normale mensch soll aus diesem GESCHWAFEL
(entschuldigung ist nicht persönlich gemeint) noch schlau werden ?
Da fallen mir sofort die zehn gebeote ein, vor langer zeit erdacht und herausgegeben für ein volk, das dem siechtum und verfall huldigte. Du sollst nicht, und los geht\’s. Kinder sollte man erziehen,
indem man mit gutem beispiel vorangeht und erwachsene ? Im zeitalter des just for fun ist inzwischen alles, aber auch alles und das überall und zur jederzeit erlaubt. Die große kulturrevolte der
TOTALVERGNÜGUNG meldet leise zweifel an und gerät darüber ins schleudern ? Gibt es etwas widersprüchlicheres als die natur des menschen ? ALLES IN ORDNUNG IM GROSSEN KLÜNGELKLÜNGELKING ??
Gruß an die Helden der mund-schreib-ohr-propaganda, Zamir
wat dem einen sein Uhl is dem anneren sin Nachtigall,
zunächst CCR:
I heard it through the grapevine
not much longer would you be mine
Oh I heard it through the grapevine
and I’m just about to lose my mind
honey, money, yeah
und nun Onkel Dagobert nach der “Liebes”Krise:
I know that a man ain’t suppose to cry
But this tears I can’t hold inside
lösin’you would end my life you see
cause you meant that much to me
you would have told me yourself
that you love someone else
money, money, bye…
@ Lapidarium42:
Das verstehe ich auch nicht ganz was da toll dran sein soll…
My Darling
„Jeder sieht, was Du scheinst. Nur wenige fühlen, wie Du bist.“ (Niccolo Machiavelli)
Immer wenn ich „Ich liebe Dich“ höre, verstehe ich auf dem linken Ohr „Ich benötige Schuhe“ und rechts „Ich werde ohne eine neue Handtasche sterben.“ Hmm …
Irgendwie war mir, als hörte ich „Der Wackeldackel auf der Hutablage des RS6 friert ganz fürchterlich, er braucht ein neu gestricktes Endwintermäntelchen für die Übergangszeit vom 27. auf den 28. März.“
Mache Dir um meine Reputation keine Sorgen, komm angezogen und bring Bier.
))))
Eysel, was kann es Schöneres geben als von dir “geliebt” zu werden.
Allein die Vokabel “Liebe” aus deinem Mund, oh Eysel mit “y”, welche irritierende Konnotation: Darf ich Fragen, wie du Liebe definierst? Nach allen Beobachtungen der letzten Monaten kann es aus deiner Sicht doch nur eine einzige Version von Liebe geben, oder? Lass uns bitte dieses Geheimnis schauen: eysel und die Liebe,
welch rationales Mysterium mag sich dahinter verbergen? Grandiose einzigartige Definition, Eysel-Liebe, festgefügt in seinem Herzen, evolutionsresistent, unangepasst, die Vervollkommnung des Egoisten durch seinen Nächsten…mhm… oder doch nur der sehr begrenzten sprachlichen Fähigkeit eines kategorischen Hutträgers geschuldeter Ausdruck von: da versteht mich endlich einer, dies reicht mir zu, ich bin im siebten Himmel???????
Ole eysel, wenn wir dich hier nicht hätten, wie arm wäre unser
Tun in Town……..? endlich Frühling!;-)
„Du schreibst, als wenn wir hier über ein Naturgesetz diskutieren, wie z.B. das Wetter – mitnichten!“ Seit wann ist das Wetter ein Naturgesetz?
Pampa
Dreh mir doch nicht dauernd das Wort im Munde herum. Dann nimm halt Einstein´s e=mc²
Soll heißen, dass der Status Quo im Finanzsystenm nicht Gott geben , oder eben kein Naturgesetz ist.
Denke aber du hast meine Intension schon verstanden und bist nur wieder mal auf der Suche nach rausstehenden, aber eher nebensächlichen Nägeln.
Schönes Wochenende allen zusammen

Das Wetter wird ab Montag grandios!
…heißt für mich – Arbeit ruft!
Klaus F.
“Eine gewisse Grundordnung, okay. Aber nicht die Regelung aller möglicher Details, weil keiner mehr weiß, was wie überhaupt wirken wird. Dann sind wir wieder bei gut gemeint, aber miserabel gemacht.” Pampa ich liebe dich!
Hoffentlich schadet mein Beifall deiner “Reputation” hier nicht
„Ordnungsrahmen“ nennt man so was. Und eben nicht das was alle wollen und gerade sein hässliches Gesicht zeigt, plus eine Demonstration von Absurditäten: „Diktatur des Regelwahnsinns“. ~
Verantwortlichkeit für eigenes Tun ist durch keinen Regelmechanismus zu ersetzen….. auch wenn augenblicklich der „Glaube“ an Regelbarkeit von Tod u. Teufel die politisch korrekte Religion in diesem Land sein mag.
Nun brechen alle Dämme.
Naja, für uns nicht überraschend.
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,615537,00.html
Pampa
orientiert dich kurzfristig erst einmal wieder nach unten im DAX.
…und schau auf den letzten Chart, dann weißte was und wie ich das begründe
Gruß
Klaus F.
@Klaus
„Du schreibst, als wenn wir hier über ein Naturgesetz diskutieren, wie z.B. das Wetter – mitnichten!“ Seit wann ist das Wetter ein Naturgesetz? Ich dachte immer, das Umweltministerium würde das lokal regeln.
Dream on
Its so easy for you
Though Im broken in two, dream on
Dream on
You can never see
What youre doin to me, so dream on
Dream on
Though its hard to tell
Though youre foolin yourself,dream on
Dream on
Da singt der Kapitalmarkt über seine Freundin Regulation. (Nazareth)
Allerdings wird Dich die Natur der gesamten Menschheit enttäuschen. In NRW scheint ja der Glaube besonders ausgeprägt zu sein, dass man den Kapitalismus rechtsrheinisch steuern könnte. Mitnichten, nimm es bitte sachlich und nicht persönlich.
Da können wir lange drüber diskutieren, aus meiner Sicht ist gerade die Vereinheitlichung der Regulation ein gravierender Grund für die Krise, nicht deren Lösung. Ich wäre da sehr vorsichtig, aber mich fragt ja ohnehin keiner.
Es geht mir gar nicht um Unterschiede in der Zielvorstellung (Unternehmertum etc.), sondern darum, wie man sie am besten erreicht. Imho nun mal am besten mit weitgehend freien Kräften im Wettbewerb, nicht mit regulativen oder böser noch planwirtschaftlichen Eingriffen.
Eine gewisse Grundordnung, okay. Aber nicht die Regelung aller möglicher Details, weil keiner mehr weiß, was wie überhaupt wirken wird. Dann sind wir wieder bei gut gemeint, aber miserabel gemacht. Außerdem finde ich, man sollte antizyklisch regulieren, nicht prozyklisch.
Jetzt die Regulierung lockern? Ich weiß, dass man damit keine Wahlen gewinnen kann, noch Sympathiepunkte und dennoch würde ich es für richtig halten. Den Standpunkt darf ich ja wohl hier vertreten, oder? Für Landesbankenschelte (billig, aber wenn es sein muss kann ich das schon auch, sogar sehr detailliert, wenn ich denn wollte, im Gegensatz zu den eigentlichen Kritikern) bekomme ich Streicheleinheiten, welche mir eher weh tun. Aber Sympathisanten kann man so kaufen, vor allem politisch. (Magic, wie mache ich mich, lerne ich schon was über Politik?;-))
Eine Frage bleibt doch im Raum stehen: Warum zur Hölle bricht weltweit alles zusammen? Kommt mir bloß nicht mit unfähige Politiker, Banker etc. Es stimmt systemisch etwas nicht, das Wort, das keiner mehr hören kann. Das liegt nicht am Wettbewerb, der Ungleichgewichte ausgleicht, sondern an der regulatorischen Gleichschaltung etlicher Kräfte. Regulation, die Rosa Luxemburg der Marktwirtschaft, hat nie etwas zustande gebracht und wusste schon immer alles besser. Aber wir können ja mal gemeinsam Musik hören: Du Ossy Osborne (was ich mir nicht alles merke, nicht wahr
) und ich Nazareth, Dreamer
Es ist wie bei zwei Ärzten, die vor einem todkranken Patienten stehen. Wir wollen ihn doch beide retten. Der eine sagt, gib ihm immer mehr von einem Medikament, irgendwann wirkt es. Der andere meint, das Medikament bringt ihn um. Nun gut, wir müssen ja nicht einer Meinung sein, aber zu begreifen warum wir in manchen Dingen unterschiedlicher Meinung sind, ist ja auch schon was.
Freundliche Grüße nach NRW und gutes Wetter, was meint denn der Elliot-Wetterfrosch, 5400 oder 3600 oder zickzack?
))
PS
…und hier noch ganz aktuell ein paar bemerkenswerte Ausagen von unserem Finanzminister – in Kurzform:
11:26 27Mar09 -STEINBRÜCK – ZUNEHMENDE LÄNDER-VERSCHULDUNG MIT KAPITALMARKT-BEANSPRUCHUNG KÖNNTE ZU NEUER KRISE FÜHREN
11:28 27Mar09 R-STEINBRÜCK – STEIGENDE VERSCHULDUNG KÖNNTE WELTWEIT UNGLEICHGEWICHTE VERSTÄRKEN
11:30 27Mar09 -STEINBRÜCK – BIN SKEPTISCH GEGENÜBER WIRKUNG NOCH SO HOHER KONJUNKTURPROGRAMME
11:31 27Mar09 -STEINBRÜCK – GEGENWÄRTIGE ENTWICKLUNG WIRFT AUCH FRAGEN ZU WÄHRUNGSGESCHEHEN AUF
11:40 27Mar09 RTRS-STEINBRÜCK – SEHE BISHER KEINE GANGBARE LÖSUNG FÜR UMGANG MIT “TOXISCHEN” ANLAGEN BEI BANKEN
Danke mad,
ich sehe du hast mich verstanden
Übrigens, bzgl. Märkte:
Wenn der Dax die 4300 nicht bald signifikant nimmt – ist EW-mäßig enorm wichtig für eine weiter nachhaltige Erholung – braut sich Ungemach auf. Kann u.U. sogar heftig werden.
Danke für den Link, Herr Eysel!
sofort abgespeichert und einkassiert..:)
ich wollte auch schon drauf aufmerksam machen,vermute ,daß K:F: damit den begriffs”verdünnenden” Zusammenhang der systemischen Theorien im alleinigen Bezug auf “too big to fail”meinte.Ich habe auch das Gefühl,daß etliche,die es als Argument brauchen,gar nicht wissen,wie sehr sie es aus dem Zusammenhang reissen.Drum wies ich auch auf Fritz.B.Simon hin.
(Vorträge zu sehen und zu hören auf youtube)
Lg mad
Simon Johnson, von der MIT Sloan School of Management geht mit den USA hart ins Gericht. Für ihn ist die Finanzkrise kein unvorhersehbarer Unfall im marktwirtschaftlichen System. Er zählt ein paar ziemlich unangenehme Punkte auf, wie die großen Banken (i.e. Management und Mitarbeiter) durch Gier und Eigensucht den Zusammenbruch provoziert haben.
Bei einer so harten Kritik aus dem Lager der Business Schools sollte man genauer zuhören:
“But there’s a deeper and more disturbing similarity: elite business interests—financiers, in the case of the U.S.—played a central role in creating the crisis, making ever-larger gambles, with the implicit backing of the government, until the inevitable collapse. More alarming, they are now using their influence to prevent precisely the sorts of reforms that are needed, and fast, to pull the economy out of its nosedive. The government seems helpless, or unwilling, to act against them.
Top investment bankers and government officials like to lay the blame for the current crisis on the lowering of U.S. interest rates after the dotcom bust or, even better—in a “buck stops somewhere else” sort of way—on the flow of savings out of China. Some on the right like to complain about Fannie Mae or Freddie Mac, or even about longer-standing efforts to promote broader homeownership. And, of course, it is axiomatic to everyone that the regulators responsible for “safety and soundness” were fast asleep at the wheel.
But these various policies—lightweight regulation, cheap money, the unwritten Chinese-American economic alliance, the promotion of homeownership—had something in common. Even though some are traditionally associated with Democrats and some with Republicans, they all benefited the financial sector. Policy changes that might have forestalled the crisis but would have limited the financial sector’s profits—such as Brooksley Born’s now-famous attempts to regulate credit-default swaps at the Commodity Futures Trading Commission, in 1998—were ignored or swept aside.
The financial industry has not always enjoyed such favored treatment. But for the past 25 years or so, finance has boomed, becoming ever more powerful. The boom began with the Reagan years, and it only gained strength with the deregulatory policies of the Clinton and George W. Bush administrations. Several other factors helped fuel the financial industry’s ascent. Paul Volcker’s monetary policy in the 1980s, and the increased volatility in interest rates that accompanied it, made bond trading much more lucrative. The invention of securitization, interest-rate swaps, and credit-default swaps greatly increased the volume of transactions that bankers could make money on. And an aging and increasingly wealthy population invested more and more money in securities, helped by the invention of the IRA and the 401(k) plan. Together, these developments vastly increased the profit opportunities in financial services.
Not surprisingly, Wall Street ran with these opportunities. From 1973 to 1985, the financial sector never earned more than 16 percent of domestic corporate profits. In 1986, that figure reached 19 percent. In the 1990s, it oscillated between 21 percent and 30 percent, higher than it had ever been in the postwar period. This decade, it reached 41 percent. Pay rose just as dramatically. From 1948 to 1982, average compensation in the financial sector ranged between 99 percent and 108 percent of the average for all domestic private industries. From 1983, it shot upward, reaching 181 percent in 2007.
The great wealth that the financial sector created and concentrated gave bankers enormous political weight—a weight not seen in the U.S. since the era of J.P. Morgan (the man). In that period, the banking panic of 1907 could be stopped only by coordination among private-sector bankers: no government entity was able to offer an effective response. But that first age of banking oligarchs came to an end with the passage of significant banking regulation in response to the Great Depression; the reemergence of an American financial oligarchy is quite recent.”
http://www.theatlantic.com/doc/200905/imf-advice
Der ganze Artikel ist lesenswert. Die Autoren, die auch das Blog Baselinescenario.com schreiben, haben sich überlegt, was der IMF den USA sagen würde, wenn es sich um ein “normales” Land handeln würde, etwa wie Korea oder Russland während einer Finanzkrise.
By splended Pampa:
„So ähnlich wie bei unserem Steuer“system“. Wir sitzen vor einer großen schwarzen Kiste, welche ein paar Millionen Schräubchen hat. Nun drehen wir an zwei oder drei und warten, was die Kiste macht. Wie von Geisterhand drehen sich alle möglichen anderen Schräubchen mit und die Kiste spuckt plötzlich andere Ergebnisse aus. Meistens nicht unbedingt die, welche man gerne gehabt hätte. “
Pampa, du bist genial! Du machst „greifbar“ was meine komplizierten dürren Worten nicht gelingt. Und sogar Klaus meint:“ Freies Unternehmertum beinhaltet immer auch volle Eigenverantwortung und alleinige Risikohaftung, unabhängig von Größe, Art und Branche!!!“ Der Systementwicklung ( ich vermeide einen Begriff ) ihren Lauf lassen, statt dem Irrglauben zu unterliegen, „besser“ zu sein als trial + error und dem Überleben des Geeignetsten. ~
Was mir sehr „individuell“ zu sein scheint: „Übrigens, das Wort „systemisch“ hat für mich eher diktatorischen Charakter, als es demokratischen Prinzipien zuordnen zu können.“ http://www.systemische-beratung.de/systemtheorie.htm
Gefunden bei Calculated Risk:
South Park hat eine einleuchtende Erklärung, wie das US-Finanzministerium entscheidet, ob ein Unternehmen systemisch wichtig ist oder nicht.
Es ist nur ein Cartoon, aber eben mit dem derben Humor von South Park. Wer Blut und Gewalt aus Pappe blöd findet, klicke NICHT auf:
http://www.southparkstudios.com/clips/collections/sps_homepage_videos/222638
Habe ich an dieser stelle vor wenigen stunden die schweiz verurteilt für ihr “geschäftemachen” mit verbrecherischen organisationen und dies schon seit vielen jahrzehnten (geldwäsche, drogenhandel, sklavenhandel), so kann andererseits die kurz vor der “erlösung”
stehende spd-spitze nicht einfach auf propagandamaterial des
dritten reiches — früher hätte man in einer solchen situation soldaten
geschickt —-, zurückgreifen. Steineimer, müntefering, steinbrück,
die genossen taumeln und schlagen so kurz vor dem ende, nochmal
kräftig um sich, egal wen man da auch trifft. Ein direktes zeugnis von politischer unfähigkeit. Die können einem schon richtig leid tun, die ehemals so stolzen sozialverräter; aber irgendwann ist auch der schönste bart ab und solche propagandafürsten stürtzen in die bedeutungslosigkeit.
Gruß zamir
@zamir: “geisel arbeitslosigkeit ein für allemal zu beseitigen” – ach wenn das so einfach wäre!!! und das liegt nun wirklich nicht daran, dass weltsozialprodukt entsprechend der billionen anzupassen geht. zamir das ist nicht das problem!!! die chinesischen produzenten haben ein jahr umsonst gearbeitet!!! sie haben produkte produziert, die keiner haben will. und da lag es nicht an den fehlenden billionen. 1 jahr umsonst gearbeitet. was für eine verschwendung menschlicher ressourcen!!! von den anderen will ich gar nicht erst sprechen. das sind die halden, die wir unseren kindern hinterlassen. verbrauchte omas und opas, gestresste eltern und …
billionen können die banken drucken, omas, opas und eltern können die banker aber nicht ersetzen.
und in deutschland sieht es nicht anders aus. die opelianer könnten gut und gerne ein jahr urlaub machen. die gesellschaft ist aber nicht so, dass sie diesen hart arbeiteten leuten das gönnt. außerdem brauchen wir ja diese menschen. aber nun nicht mehr zur produktion von autos. leider sehen, dass die opelianer nicht so. und den besitzern von opel, fällt auch nichts anderes ein um ihr kapital zu retten. sie denken alle, sie können nur durch autoproduzieren sich retten. und das rettet die banker, das kapital und noch ein paar andere. der wunsch nach “jeder nach seiner leistung, jedem nach seinen bedürfnissen” bleibt so lange noch utopie!
mmaltensen: ja mit den mailaccounts ist das so eine sache. zwei, drei oder vier? im moment fehlt mir einfach die zeit darüber nachzudenken. mir liegen solche dinger nicht. eigentlich bin ich ein kommunikativer mensch. und die frage nach dem wohnort: er ist berlin. da verrate ich kein geheimnis. schreibe mal hier!!! noch ist ja tichy-town da.
Was brauch’ ich shiller, krugmann, hayek, smith, keynes und konsorten, nein, ich backe meine eignen torten:
Es wäre doch auch möglich, dass die vielgescholtenen banker und investment-schluwies, ihrer zeit voraus sind und nur die behäbige, lahme realwirtschaft, den fingerzeig mit der wundersamen geldvermehrung nicht zu deuten wusste und nicht die fähigkeit besass, mehr zu produzieren, das weltbruttosozialprodukt entsprechend den umherschweifenden billionen anzupassen und somit auch die geisel der arbeitslosigkeit ein für allemal zu beseitigen. Also, die realwirtsschaft hat den zug der zeit verpennt und wir sind der irrigen annahme verfallen, es waren die eigentlich rastlosen und den motor antreibenden lieben banker ? Welch fataler
denkfehelr ?!?
Gruß Zamir
Warum muss ich das in einer veralteten Berliner morgenpost von Hellmuth Karasek erfahren, dass sich die zahl der milliardäre um ein drittel verringert hat laut “Forbes-Liste”, und nicht hier im forum wiworum ? Den reichsten der reichen bleibt nur noch die hälfte ihres vermögens. Es gibt inzwischen verarmte milliardäre, die sich mit schäbigen dreistelligen millionen durchs leben quälen müssen. Nach JWGoethe: Armut ist die grösste plage, reichtum ist das höchste gut ! So wird die menschheit immer älter, grösser und ärmer und vererbt zudem noch billionenschulden; wo sind die NULLEN, wo sind sie geblieben ?
Gruß vom armen, alten, geplagten Zamir
Was die satte, überfressene, überforderte industrie- und technologiegesellschaft der westlichen mechanistischen prägung hervorgebracht hat ist ein von gier, hass und überbordendem egoismus geplagtes suizid- bzw. genozidsystem ohne kulturelle und soziale verantwortung, die geradezu nach einer ablösung schreit.#
Die eigentliche grundfrage lautet doch inzwischen: Schafft die menschheit eine gemeinsame umkehr zur gesamtverantwortung gegenüber der natur, oder das was von ihr noch übriggeblieben ist, oder treibt sie der größenwahn auf das schafott der geschichte.
Gibt es dann überlebende die fähig sein werden eine träne hinterher zu schicken ? Die derzeitige fikri ist doch nur eine randerscheinnung.
Gruß Zamir
@ Klaus F.,
@ Pampastier,
@ Magic,#
es gibt eine freiheit, einen glauben, vielleicht sogar einen traum,
vom besseren, vom richtigen und vom naturrecht eines jeden menschen auf ein menschen würdiges leben. Dieses menschenwürdige leben ist entweder in vielen jahrtausenden von einer zutiefst von ethischen grundwerten überzeugten menschheit,
inzwischen verwirklicht worden, oder der unaufhaltsame drang, die
ungrechtigkeit, die sklavenhaltergesellschaft, die einseitige armut,
das elend, besonders von frauen und kindern, in asien, afrika und südamerika, wird früher oder später von “richtigen, normalen menschen” eingfordert und erkämpft, ohne pardon. Einen anderen weg gibt es nicht, leider, ob mit oder ohne die berümten 0,0022 %.
Gruß Zamir
@nasowas
habe mal zwei Mailaccounts für Dich und mich angelegt. Damit Du nicht Deine mail-Adresse auf gut Glück herausgibst
. Teile mir bitte mit ob ok und falls ja, wann Du da bist, damit ich Dir zeitnah Dein Mailaccountname mit Passwort für Dein Mailaccount geben kann, das Du dann gleich abändern kannst. Alles nicht so einfach
„…schön wäre das Märchen, aber das geht nicht“
„Dir gutes Wetter, noch so ein unregulierbares System.“
Pampa
Du schreibst, als wenn wir hier über ein Naturgesetz diskutieren, wie z.B. das Wetter – mitnichten!
Also darf man doch Visionen haben, ein Ziel, Veränderungen anstreben. Oder ist der „Status Quo“ auf alle Ewigkeiten fest zementiert? Ohne Zweifel gibt es hierfür Befürworter, allen voran die davon bisher fürstlich profitiert haben. Ob es allerdings die Mehrheit darstellt, da habe ich meine Zweifel.
Die Diskussionen über Veränderungen laufen ja bereits aller Ortens an.
Um aber noch einmal auf das Unwort „systemisch“ zurück zu kommen, was ja immer noch als eines der Hauptargumente herhalten muss.
Systemisch heißt ja nichts anderes als „wichtig“ „unerlässlich“, oder ganz modern: „too big to fail“. Somit beinhaltet es in unserer ach so freien Marktwirtschaft nichts anderes als enorme „private“ Machtkonzentration. Und das wiederum macht den Staat, die Allgemeinheit, uns alle erpressbar.
Wenn „systemische“ Unternehmen allerdings versagen und dadurch eine ganze Wirtschaftsordnung zu Fall bringen können, dann ist es doch erlaubt zu fragen, ob wir solche Unternehmen mit derartiger Machtfülle und zerstörerischem Potenzial überhaupt unabdingbar benötigen.
Gruß
Klaus F.
Ja Klaus,
schön wäre das Märchen, aber das geht nicht. Denke mal über die Kiste nach, so ironisch war das gar nicht gemeint, sondern bitterernst „lieb mit Schleifchen verpackt“. Ganz unten bei der Pyramide steht das Geldsystem, darauf bauen Staaten auf und ganz oben werden vielleicht Fundamente für Brücken geplant. Bricht uns das Fundament weg, stürzt die ganze Pyramide ein. Es gibt keine DIN-Normen für Kapitalmärkte. Aber ich wünsche uns und besonders Dir gutes Wetter, noch so ein unregulierbares System.
PS
Übrigens, das Wort „systemisch“ hat für mich eher diktatorischen Charakter, als es demokratischen Prinzipien zuordnen zu können.