» 12.07.2008, 08:00

, , ,

Neue Söldner

Der Siemens-Chef Peter Löscher lässt sich für die Traditionsabkehr von einigen Management-Gurus und Medien feiern und dabei seltsame Begrifflichkeiten einfallen – wie den von der „Lehmschicht“, die es im Unternehmen zu beseitigen gelte. Siemens muss, keine Frage, fit bleiben im Wettbewerb. Deshalb sollen rund 17 000 Mitarbeiter entlassen werden. Dafür mag es eine betriebswirtschaftliche Begründung geben. Aber warum dann der Bezug zur „Lehmschicht“, die jetzt als Synonym für eine Kultur der Korruption und Kumpanei herhalten muss?

Löscher steht unter dem Druck der Märkte, aber auch unter dem Druck der wegen Korruption ermittelnden amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Die hat für deutsche Unternehmenstraditionen ohnehin kein Verständnis. Aber für die SEC muss ein Schuldiger her. Und da passt die „Lehmschicht“. Übrigens wurde beim ebenfalls SEC-verfolgten Daimler vor drei Jahren ähnlich argumentiert – und die Stimmung ist dort bis heute vermiest.

Doch was, wer ist die „Lehmschicht“? Sicherlich, wie in jeder Großorganisation gibt es Faulenzer, Mauscheler und Bürokraten. Doch in der Masse handelt es sich schlicht um die „Mittelschicht“ des Unternehmens. Es ist jene Mittelschicht, die über lange Jahre hinweg Siemens, Daimler, BMW oder ThyssenKrupp stabilisiert und zum Erfolg getragen hat. Diese Schicht ist in einem Unternehmen so wichtig wie in der Gesellschaft.

Der Mittelbau aus Facharbeitern, Ingenieuren, Betriebswirten, Informatikern trägt das Unternehmen. Vielen bleibt eine große Karriere versagt, doch sie sind die Räder im Getriebe, arbeiten mehr als loyal und stiften damit Identität. „Mir schaffe beim Daimler“, heißt es etwa in Stuttgart. Und während in der Öffentlichkeit längst die soziale Marktwirtschaft mehrheitlich abgelehnt wird, sind es genau jene unternehmensstolzen Mitarbeiter, die mehrheitlich sagen: In meinem Unternehmen klappt die Marktwirtschaft.

Löscher zerschlägt das Familien-Gefühl der "Siemensianer"

Wenn Löscher noch eine Chance hatte, den notwendigen Personalabbau mit einem Werben um Verständnis für die Last seiner eigenen Verantwortung zu verbinden, dann ist ihm das gründlich misslungen. Im Gegenteil: Er zerschlägt das bislang tragende Familien-Gefühl der „Siemensianer“. Mag sein, dass es in den Unternehmen zu jener Ausdifferenzierung kommt, die die Gesellschaft schon lange kennzeichnet. Aber zu bejubeln ist dieser Prozess nicht: Wo Identität verloren geht, verblasst auch der Zusammenhalt.

Sicher senken Restrukturierungsprogramme wie bei Siemens die Kosten. Andere Kosten aber stehen dagegen. Denn wenn Personalabbau nicht gut begründet, emotional abgefedert und nach fairen, berechenbaren Prinzipien erfolgt, zahlen Unternehmen einen hohen Preis: Loyalität im Unternehmen ist ein operatives Gut. Aber Loyalität muss Zweibahnstraße sein: Wer von der Unternehmensleitung Loyalität der Mitarbeiter einfordert, muss sich auch selbst loyal verhalten, das heißt, er muss attraktiver Arbeitgeber bleiben.

Gerade Entlassungen in guten Zeiten müssen nachvollziehbar und strategisch begründet werden – und weniger entlang der Moden von Unternehmensberatungen, die den „Return on Investment“ willkürlich festlegen. Das hilft vor allem den im Unternehmen Bleibenden, Loyalität beizubehalten. Wer aber das Gefühl nicht los wird, dass das eigene Unternehmen auf jahrzehntelanges Engagement keinen Wert legt, der wird eben nicht mehr 150 Prozent Leistung, sondern Dienst nach Vorschrift erbringen.

Aus „Siemensianern“ werden dann schnell Söldner, die heute da und morgen dort anheuern und beim erstbesten Angebot die Seiten wechseln.

» 12.07.2008, 08:00

    61 Kommentare zu “Neue Söldner”


  1. Golf Clubs sagt:

    Golf Equipment …

    Youre so calme! I dont suppose Ive study something like this prior to. So nice to discover someone with some original ideas on this subject. realy thanks for beginning this up. this website is some thing that’s needed around the internet, somebody hav…

  2. nunu baby hedgehog …

    This really is the proper blog for anybody who wants to discover about this subject. You understand so a lot its almost hard to argue with you (not that I really would want…HaHa). You definitely place a brand new spin on the subject thats been create…

  3. mont blanc checkbook…

    There is noticeably a bundle to know about this. I assume you made particular nice points in functions also….

  4. cp132sc takamine…

    I’m impressed, I should say. Really hardly ever do I encounter a blog that’s each educative and entertaining, and allow me to let you know, you have hit the nail on the head. Your thought is outstanding; the issue is something that not enough peopl…

  5. ridgeway grandfather clock…

    Following research a couple of with the weblog posts in your web site now, and I really like your way of blogging. I bookmarked it to my bookmark web site checklist and will be checking back again soon. Pls take a look at my web site as well and allow …

  6. british cars…

    There is noticeably a bundle to know about this. I presume you made certain good factors in features also….

  7. Wedding Decorations…

    Youre so cool! I dont suppose Ive read something similar to this before. So nice to find someone with some authentic ideas on this topic. realy thanks for beginning this up. this web site is something that is required on the web, someone with a little …

  8. You should check this out…

    [...] Wonderful story, reckoned we could combine a few unrelated data, nevertheless really worth taking a look, whoa did one learn about Mid East has got more problerms as well [...]……

  9. Ionian sagt:

    Cool sites…

    [...]we came across a cool site that you might enjoy. Take a look if you want[...]……

  10. Nespresso…

    Thanks for the sensible critique. Me & my neighbor were just preparing to do some research about this. We got a grab a book from our local library but I think I learned more clear from this post. I am very glad to see such magnificent info being shared…

  11. Fly Fishing sagt:

    Fishing…

    I just could not depart your website prior to suggesting that I really enjoyed the standard information a person provide for your visitors? Is going to be back often to check up on new posts…

  12. ayl ipad sagt:

    Best Seller…

    I do agree with all the ideas you’ve presented in your post. They’re really convincing and will definitely work. Still, the posts are too short for starters. Could you please extend them a bit from next time? Thanks for the post….

  13. Free Backlinks…

    This is a very good tips especially to those new to blogosphere, brief and accurate information… Thanks for sharing this one. A must read article….

  14. Sport Guns sagt:

    Airsoft Guns…

    wonderful post, very informative. I wonder why the other specialists of this sector don’t notice this. You should continue your writing. I am confident, you’ve a huge readers’ base already!…

  15. Nature Herbal World…

    Great blog here! Also your site loads up very fast! What host are you using? Can I get your affiliate link to your host? I wish my website loaded up as fast as yours lol…

  16. 2011…

    magnificent post, very informative. I wonder why the other experts of this sector don’t notice this. You must continue your writing. I am sure, you have a great readers’ base already!…

  17. 2011…

    I don’t even know how I ended up here, but I thought this post was good. I do not know who you are but certainly you are going to a famous blogger if you aren’t already ;) Cheers!…

  18. PCIIA sagt:

    Werter Herr Eysel,

    Conti ist immerhin rund dreimal so groß wie Schäffler, je nach Maßstab etwas unterschiedlich. Das können Sie als Physiker sicher besser beurteilen, aber der Einwurf Schäffler sei stark in Mechanik, Conti in Elektronik, Synergien mithin schwierig zu heben, klingt zumindest für mich plausibel.

    Gut, hauptsächlich über Swaps hat sich Schäffler Zugriff auf 36% des Stammkapitals gesichert. Macht ja schon mal knapp vier Mrd. Bringschuld. Heißer Zock, aber noch scheint Schäffler alle Asse finanztechnisch auf der Hand zu halten.

    Mal sehen, was sich Dibelius einfallen lässt und welche politischen Fäden er ziehen kann. Der Goldman ist ja einer der liebsten Banker Angies, hinter den Kulissen laufen sicher schon die Köpfe heiß. Auch wenn Wulff bzw. Niedersachsen nicht an Conti beteiligt sind, als Schwergewicht bei VW als Top Account von Conti und Schäffler sollte das Land nicht ganz außen vor gelassen werden.

    Die Stimmung in der Republik ist ohnehin so, dass politische Einmischung vor Subsidiarität zu rangieren scheint. Merkwürdig erscheint mir auch, dass die Deutsche als angeblicher Initiator sofort die Bücher nach allen Seiten geschlossen hat. Vielleicht sollten wir mal Herrn Baron fragen … ;-)

    So ganz ohne ist das für Schäffler nicht, gelaufen schon gar nicht. Sollte Schäffler aber wirklich zum Zuge kommen, was dann? Meine Prognose: Dann geht der Ärger erst richtig los, weil sie Conti in der operativen Übernahme von Siemens-VDO organisatorisch nicht stemmen können. Mal abgesehen davon, dürfte eine lange Schlammschlacht auch den Autobauern als Kunden beider nicht sonderlich gefallen.

    Vielleicht bauen sie ja auf einen netten Gewinn aus Cash-Settlement, aber wie sollte es im Falle des Falles über Fulfilment laufen? Sehe ich irgendwie nicht. In Schäffler kann man von außen natürlich auch schwer hineinsehen, zu bedenken ist aber, dass Conti selbst nach der weitgehend fremdfinanzierten Übernahme von Siemens-VDO schon ordentlich gehebelt ist. Entgegen der medialen Darstellung bzw. Wahrnehmung ist das kein Einfallstor für Raider, sondern ein Schutzwall.

    Aus persönlichen Kontakten: Conti arbeitet bereits extrem effizient, da ist über Kosteneinsparungen wenig bis nichts zu holen. Sollte Schäffler wirklich physisch zugreifen wollen, folgt ein Braindrain. Die Schwaben bei Bosch lechzen wohl schon nach Kontakten, Kunden und Köpfen.

    Vor dem Hintergrund wundert mich auch, dass Wenni so emotional reagiert hat. Scheint kalt erwischt worden zu sein, was mich auch wiederum überrascht. So eine konzertierte Aktion müsste er eigentlich mitbekommen, wenn er im Bankenpool einigermaßen verwurzelt wäre. Seltsam.

    Werte Kollegen, wären Sie an der Stelle von Contis Verantwortungsträgern, wie würden Sie reagieren?

    Freundliche Grüße
    PCIIA

    P.S.: Die Mehrheit der Porsche-Holding wird um Wolfgang Porsche herum gehalten, deswegen glaube ich nicht so recht, dass unser Großkrieger Piech dahinter steckt. Er gewinnt zwar Asche, aber eigentlich wird er entmachtet, das passt irgendwie nicht zu ihm. Kann mich natürlich täuschen, reine Vermutung.

  19. Eysel sagt:

    @ CIA,
    selbstverständlich hat W nen tollen Job gemacht.
    Ein klein wenig verhoben, ja, aber die MA Welle hat ihn ( nsch Börsenlogik ) dazu gezwungen.
    Ist nicht mal gesagt, dass W. fällt…
    Ich denke, die Akteure haben SunTsu durchaus verinnerlicht.
    Da sollte man sich von ein wenig Säbelrasseln nicht irritieren lassen.
    W. ist gut und das weiss auch „Maria Theresia“.
    „…macht sich selbst überflüssig, denkt an das Ganze, maximiert die Werte. Going conform?“ Yes, Sir!
    Die Aggressivität spricht für Ferdi, das lange strategische Schmusen mit der Gewerkschaft auch, ansonsten fahre ich weder P., noch hab je verstanden, wie diese und andere falilys so ticken.
    Genau, Kapital würde Conti auch nicht mehr helfen. Und woher soll die Giftpille bis zur HV kommen?
    Stimmt schon, das mit den Parkbänken…Allerdings sind die Kaliber a la Ferdinand und „Maria Theresia“ nicht wirklich breit verteilt. Und mit der Einschränkung Familie schon gar nicht.

  20. PCIIA sagt:

    Werter Herr Eysel,

    bleiben wir mal bei Ihrer Nomenklatur. Eigentlich denke ich, dass Wenni einen exzellenten Job verrichtet hat, von dieser Güteklasse an bezahlten Managern bräuchten wir mehrere. Um zum Thema zurück zu kommen, an Siemens-VDO könnte sich Conti verhoben haben. Da hat auch schon der Kleine den Großen geschluckt. Eigentlich haben sie aber alles richtig gemacht, das passte, aber man hätte es wohl etwas besser kommunizieren müssen. Zwischenzeitlich konnte man Conti zum Preis von Siemens-VDO kaufen, den Rest von Conti gab es gratis dazu.

    Tragisch an der Sache scheint zu sein, dass Wenni alles richtig gemacht hat, wenn er selbst zum Schluss fällt.

    These: Wer richtig gut ist, macht sich selbst überflüssig, denkt an das Ganze, maximiert die Werte. Going conform?

    Am Rande: Sind Sie sich eigentlich so sicher, dass die Attacke von Porsche auf VW von Piech und Konsorten ausging? Mich würde nicht wundern, wenn über Wendelin Wolfgang Porsche die Fäden zieht.

    Wie Sie sagten, maulhalten und machen, statt öffentlich deklarieren. Piechs Narziss steht ihm mE selbst im Weg. Kapital würde Conti jetzt auch nicht mehr helfen, was sollte das auch? Einzig Giftpillen könnten noch helfen, ob politischer oder finanzieller Natur. Oder ein weißer Ritter namens eventuell Bosch oder Denso.

    Schnell, entschlossen, mutig und resolut scheint Schäffler vorzugehen. Wenn jemand schon Maria Elisabeth heißt, … Sissy, Elisabeth II, war nicht so lieb, wie allweihnachtlich dargestellt, …

    Aber mal offen: Und? Wenn es passt, vergessen wir die persönlichen Anreizmuster. Wenni würde auch in einem nicht börsennotiertem Schäffler-Conti-Konzern eine gute Figur abgeben, das erfordert von den Beteiligten nur etwas Distanz zwischen angeblichem Sieg und Niederlage. Selbst wenn es ihn den Posten kostet, Hut ab vor der Leistung. Der Verlust seines Jobs, gehört zu seinem Job.

    Bezüglich Ihrer Sorge Nachfolge: Die Friedhöfe und Parkbänke in Sanatorien sind voll von Leuten, die unersetzbar waren. Da bin ich humorlos optimistisch.

    PCIIA

  21. Eysel sagt:

    N O M O R E M A I N S T (R) E A M !!!

  22. Eysel sagt:

    Werter Herr Inacker,
    nehmen Sie sich die Worte von CIA zu Herzen!
    Vielleicht “schwitzen?” Sie ja schon vor dem tollen neuen Artikel vom Samstag? Ich muss zugeben, ich BIN schon “fremdgegangen” und werde sonst noch mehr fremdgehen!!!!!!!!!!!!!! Mit z. B. “Brandy Eins”

  23. Eysel sagt:

    HVP: Hydrolysierte vegetabile Proteine (HVP) sind würzige Geschmacksstoffe, die Lebensmitteln einen bouillon- oder fleischartigen Aromahintergrund verleihen.

    DAS GEHT ZU WEIT!

    ??? Kann mich mal jemand aufklären???

    Wenni ( der Kühle ) schwitzt.
    Weisser Ritter?
    Utopie! Wie soll er ( ein Anderer + jetzt ) in dieser Bankensituation DAS Kapital auftreiben? Zu spät!
    Allein, dass er “BAFIN hilf mir” ruft, zeigt, dass er ( weiss, dass er ) verloren hat. Da nutzt die ganze “Schwarmintelligenz” von Landesvater über Gewerkschaften bis zu öffentlicher Entrüstung nix gegen solides altmodisches Maulhalten und MACHEN! Hochachtung! Modell Porsche, nur ohne VW Gesetz.
    Mit 36% +x kann Schaeffler eh machen, was er ( sie ) will. Ich wette, das Reifengeschäft geht – mifri, sobald die Konjunktur wieder erkennbar anzieht – an Pirelli. Damit wäre der deal für Sch. so gut wie bezahlt. Für mich stellt sich die Frage: Wie sieht die Nachfolge bei Sch. ( und Porsche ) aus, wenn die Patriarch(i)n abtritt? Gibts da jemenden dem so grosse Schuhe passen?

  24. PCIIA sagt:

    Altersweisheiten …

    40 Jahre sind kein Alter,

    für eine Kathedrale, wohl aber für eine Frau. (Kurt Tucholsky)

  25. PCIIA sagt:

    Off Topic

    Werter Herr Inacker,

    wir haben nun in einem Jahr den DAX von 8000 auf 6000 Punkte korrigiert. Es fließt doch richtig schön Blut, die Händler im Saal stehen schon darin. Die Abgeltungssteuer wartet, der Chefredakteur der gestrandeten Telebörse aus dem Hause von Holtzbrinck räkelt seinen Bauch in die französische Sonne und eimert vermutlich Rotwein in sich hinein. Schäffler greift nach Conti, wann ist Daimler dran?

    Ihr Feld! Verbünden Sie sich mit Kai-Peter Rath und gehen all in. Wir alle wissen doch, dass die Geschehen bei Siemens denen bei von Holtzbrinck nicht unähnlich sind, hinter den Kulissen. Wenn es an Mut mangelt, kennen Sie den Grund für die Nominierung des Chefredakteurs.

    Ob nun unter Ihrer oder rtys Verantwortung, das Blättchen wird immer konformer und langweiliger. Mir persönlich würde es sehr gefallen, wenn Sie wieder etwas aggressiver und pointierter in der Berichterstattung und vor allem Kommentierung würden. Anders als Angie muss die Wiwo ja nicht jedem gefallen, lassen Sie sich nicht weichspülen.

    PCIIA

  26. Uli sagt:

    KLassensprecher ist HvP

  27. PCIIA sagt:

    Ad1: Wenn zwei gleicher Meinung sind, ist einer überflüssig.
    Ad2: Unabhängig? Wie auch immer definiert, würde eine Kooperation die Prämisse schwächen.
    Ad3: Dezentral organisiert? Zum einen widerspricht das 2., zum anderen kommt es auf den Zweck an. All Finance is central!
    Ad4: “die Gruppe muß über eine gute, d.h. anonyme, marktähnliche Vermittlungs- bzw. Aggregationsmethode des auf viel Individuen verteilten Wissens verfügen.“ Hä, was will mir Konfuzius sagen? Am besten funktioniert eine Gruppe, wenn sie keine Gruppe ist, oder wie?

    Jungs, offen gestanden habe ich es mit Managementliteratur nicht so. Ob Drucker, Malik oder meinetwegen Gärtner: Viel Gerede, das sich zugegeben oft gut anhört, um den heißen Brei. Intelligentes Handeln lässt sich schwer in Schemata pressen, sondern passt sich der Situation an.

    Wenn schon, dann so allgemein wie möglich. Eysel hat den alten Meister ja schon irgendwo mal erwähnt: Sun Tzu, die Kunst des Krieges. „Kenne deinen Feind und dich selbst, dann wirst du in jeder Schlacht obsiegen.“

    Was haltet Ihr eigentlich von Schäffler? Interessanter Angriff auf Conti, nicht wahr. Wennemer weiß vermutlich noch nicht mal wie welche Bank positioniert ist, eine Gleichung mit so vielen Unbekannten wird den alten Mathematiker wohl schwer ins Schwitzen bringen. Wer könnte denn den White Knight geben?

    PCIIA

  28. Eysel sagt:

    Das Wort zum Donnerstag: Eine Erkenntnis Walter Bagehots, des führenden britischen Wirtschaftsjournalisten des 19. Jahrhunderts, zu: “Die Menschen sind umso leichtgläubiger, je glücklicher sie sind.”

  29. Eysel sagt:

    Zu den skizzierten Bedingungen:
    Ad1:
    Menschen: Ja.
    Unterschiedliche Meinungen: Schade, ich dachte, ihr schließt euch mir an …
    Gruppe: Ich sehr kein konstituierendes Element.
    Ad2:
    Und wie ist das mit dem Suchtfaktor?
    Ad3:
    Scheiße, schon wieder nen Organigramm.
    Ad4:
    @ K-Sprecher: Dein Job das zu organisieren!
    Ein paar groopies und ne eigene HP.
    Ad5:
    Quatsch mit Alter! Adrenalin + aktiviertes Belohnungszentrum lassen gerade im Alter Stammzellen wachsen, neue Synapsen aktivieren.
    Ad 6:
    „weiträumiges Handeln“, „Arbeitsteilung“. Schöne Worthülsen, BRAVO!
    Ich liebe folgende Form von weiträumigem Handeln + Arbeitsteilung:
    „Du machtst DAS!“, „Du machtst DAS!“, „Du machtst DAS!“.
    „Macht euch an die Aweit!“ ENDE!

    Ansonsten „Schöne Idee“.

    Bin ich zu alt?
    Versaut von meinem Job? ;-) ))

  30. Zamir Zebulovic sagt:

    @Klassensprecher,
    wir sollten das organisieren, Terminvorschlag (da viele im Urlaub),
    30.09.08, oder doch , oder wie ??
    Gruss Zamir

  31. Klassensprecher sagt:

    @ Eysel, PCIIA, Zamir und das Fachgemeindekollektiv -
    aus Gärtner, Öko-Nihilismus S. 132 f zitiert: vier Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um ein Kollektiv intelligenter als Einzelpersonen zu machen
    1. die Gruppe muß aus Menschen unterschiedlicher Meinung zusammengesetzt sein
    2. Ihre Mitglieder müssen so weit wie möglich unabhängig voneinander sein
    3. die Gruppe muß dezentral organisiert sein
    4. die Gruppe muß über eine gute, d.h. anonyme, marktähnliche Vermittlungs- bzw. Aggregationsmethode des auf viel Individuen verteilten Wissens verfügen.

    Wenn das stimmt, dann könnten wir hier eventuell doch noch -trotz unseres Alters -den Zustand der Schwarmintelligenz zu neuen Ehren bringen, oder? Liest man die nachfolgenden Ausführungen bei Gärtner müssten wir zumindest jeder politischen Partei aber auch in der Regel den Managements großer Konzerne der Deutschalnd AG überlegen sein, da wir nicht ineinander verwoben und verschachtelt sind (Bedingungen 3 und 4) solange wir die Vorteile der Arbeitsteilung und des weiträumigen Handelns zu nutzen wissen.

  32. Wilhelm Bauch sagt:

    Klar ist wohl, dass Siemens bzw. das Siemens-Management nicht so weitermachen kann wie in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten. Wenn Veränderungen angesagt sind, stellt sich mir vor allem die Frage, wohin die Reise gehen soll und vor allem, wieviele der Siemensianer auf welche Weise mitgenommen werden. Die angekündigten Entlassungen sind für mich derzeit nicht nachvollziehbar.
    Interessieren würde mich, ob es in diesem Weltkonzern so etwas wie ein professionelles “Change-Management” gibt, das Herrn Löscher & Co. in den nächsten Jahren unterstützt. Kann mir der WiWo-Chef diese Frage beantworten?

  33. Eysel sagt:

    @ZZ,

    Jeder kann sich bemühen.
    D A S macht den Humanisten aus. ( und den Buddhisten)
    TROTZ der allgegenwärtigen Verproletarisierung.
    Aber:
    “Früher” war alles V I E L besser, speziell die Jugend! ;-) )

    Auf Sun Tsu kam ich über K-Sprechers Empfelhung. Mir fiel Condition Humaine ein, als mich damals desillusionierendes Werk über Menschen im – heute oft so träumerisch negierten täglichen – Krieg um Ressourcen des “Glücks” – was auch immer die sein mögen, C-, E-, S-Klasse ??? Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz? Und das Raubtier Mensch, der eben NICHT nur “tötet” um zu überleben, sondern eben auch für den Benz. Und wenn man noch weiter zurüchgeht dann kommt man auf Petronius Satyricon und Apuleius den goldenen Esel, aber da sind wir dann schon im mythischen Terrain.
    Sun Tsu als Gebrauchsanweisung für jeden Tag.
    Übrigens alles Empfehlungen des durchgeknallten – aber auch guten – Deutschlehrers damals.

  34. Zamir Zebulovic sagt:

    Lieber Eysel,
    nachdem Du nun “SunTsu” aufgelegt hast, ist eine Steigerung,
    glattweg nicht mehr gegeben; unfassbar.
    Nur nachgeäfft, von mir, aus “SunTsu”: Führung ist eine Sache der
    Intelligenz, der Glaubwürdigkeit, der Menschlichkeit, des Mutes und
    der Strenge. Lang, lang ist’s her. Wer soll diese Attribute heute
    noch verwirklichen können ?
    Gruss Zamir

  35. Eysel sagt:

    Na, da bin ich ja bei Dir hervorragend aufgehoben,
    “natural born leader”.
    – Um bei der Schule zu bleiben: Hatte mal nen Lehrer ( übrigens ein Journalist der damals wegen des Lehrermangels Deutschlehrer wurde und wegen dem ich dann später unter Absingen hässlicher Lieder das Institut verlassen durfte ) der uns anhand seiner recht übersichtlichen Literaturliste beibrachte, die WIRKLICHEN Quellen zu studieren; zum dem Thema: “Sun Tsu”. Schwer verdaulich, sehr nahrhaft und seit 2500 Jahren aktuell.

  36. Klassensprecher sagt:

    @Eysel ich kenne das Problem, dass die \”schwächsten, schlechtesten und unsportlichsten von Kindheit an haben, als Klassenprecher habe ich mich immer besonders um diese Kameraden gekümmert, das hat mir stets meine Wiederwahl eingebracht, mir ist auch klar, dass solche mindestens einmal besser zweimal in ihrer Schulzeit irgendwen verkloppen mussten, am liebsten natürlich den Klassensprecher, dem ein oder anderen habe ich dann auch eine Schnitte gelassen – Gerechtigkeit muss sein – jedem das seine.
    Und für alle, die den Sinn für dieserlei (noch) nicht verloren haben, hier meine Leseempfehlung: Jorge Semprun, Was für ein schöner Sonntag! Insbesondere empfehlenswert für Zeitgenossen, die ein raubtierorientiertes Menschenbild haben…und mit daraus abgeleiteten Erkenntnissen vor den Berg treten…

  37. Zamir Zebulovic sagt:

    Hallo Eysel,
    vollkommen gelungene Gleichnisse, im Zeitalter der totalen
    Informationen, trotz Bildungsnotstand: unsere heutige Jugend
    lernt rasend schnell und passt sich nicht nur im Freizeitverhalten,
    den Gegebenheiten an. Spätestens, mitte Dreissig sind auch die
    letzten Anpassungsriten vollzogen und die Vorgabe nach Idealen,
    leben zu können, verbraucht. Sind wir wieder angekommen bei den
    Werten und den Leitbildern, die unserer Gesellschaft so dringend
    fehlen. Geschichte wiederholt sich, bis etwas Neues von sich Reden
    macht und die Überzeugungstäter, einen besseren Weg weisen
    werden.
    Gruss zamir

  38. Eysel sagt:

    @K-Sprecher,
    Was für ein gelungener Tag… ich gefalle Dir!
    Ich war 15!!! jahre lang immer einer der Schwächsten, Schlechtesten, immer schlecht im Sport. Allerdings hab ich 2x den Stärksten grandios verkloppen müssen. Dann hatte ich Ruhe … Abi-Noten? Ich schweige besser!
    @ Biel,
    es ehrt, an Werte zu erinnern.
    Allerdings sind “Werte” nur selten freiwillig gewachsen auf so etwas wie “Einsicht” + Selbstverpflichtung.
    Das war immer “nur” die Forderung der Obrigkeit! TATSÄCHLICH sind sie gewachsen durch + irgendwann dann mal verinnerlicht, durchgesetzt worden mit schieren Machtmitteln!
    Der Mensch ist nun mal im Grunde “das opportunistische Raubtier”. Alles Andere ist Schönbeterei.
    Raubtiere kann man durch einen geschickten Dompteur im Zaum halten, manipulieren. Sicherer ist allemal die Macht des Käfigs. DieAndrohung von Machtmitteln; was dann wieder beim Raubtier auf Opportunismus rausläuft! – In genau diesem Spannungsfeld bewegt sich Demokratie; und jede “Firmenkultur”. Alle unsere ethischen Appelle, Anreizsysteme haben den systematischen Fehler, nicht zu “taugen”, wenn nicht gleichzeitig auch HARTE Grenzen ( mit einem gewissen “Sicherheitsabstand” ) gesetzt werden.
    - Eine “Lehmschicht” bildet sich, wenn der Dompteut seine Lieblinge päppelt; nicht das Belohnngsfutter im Blick behält!
    – Die freigesetzte Energie vieler Raubtiere – und eines Dompteurs, der sich eben NICHT zahlreichen Illusionen über sene “Rolle” und die “Natur” der Domptierten hingibt – die spüren wir deutlich aus China herüberwehen!

  39. Zamir Zebulovic sagt:

    @Alfred Biel, eine gehörige Portion Optimismus, wenn in einem
    Artikel, die Begriffe: Vértrauen,,Fairness, Transparenz zusammen mit Manager, Investoren und Unternehmer Verwendung finden. Dann folgt noch die Krönung “ganzheitliche Sichtweise”. Bei aller Liebe, ganzheitliche Sichtweise, ist den rund um den Globus randalierenden und Unternehmen (egal welcher Nation), nicht zu
    unterstellen. Fehlt noch, die EInbettung der Wirtschaft in die
    Gesellschaft. Da muss ich jahrelang, nur meinen Garten gepflegt
    haben, ohne jeglichen Kontakt zur Aussenwelt. Aber, so werden die
    christlichen Werte, seit den Zeiten der spanischen Plünderer, in
    Amerika, vor 500 Jahren, auch heute noch geschönt. Erst das
    Volk verblöden, mit irgendeiner Paradies-Vorstellung und dann
    Absahnen; es hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert.
    Die Pharisäer sind unter uns und versuchen unser normales
    Denken zu vergiften.
    Gruss Zamir

  40. PCIIA sagt:

    Ein Leitartikel ist ein Kommentar, ein Meinungsbeitrag zu einem Thema. In diesem Sinne setzt er die eigene Einschätzung des Autors sowie daraus abgeleitete Thesen voraus. Sachliche Falschaussagen sehe ich nicht, widerlegbar erscheint mir direkt auch nichts, allerdings gehe ich in punkto Siemens nicht mit Herrn Inackers inhärenter Einschätzung der Ausgangslage konform.

    Meines Erachtens führt eine externe Analyse von Siemens, top-down, vom Konzerndach aus betrachtet, in die Irre. Nach außen mögen „Siemensianer“ als kleinsten gemeinsamen Teiler mit ihrem Arbeitgeber den Namen ihres Gründers verbinden, meinetwegen gg. Konkurrenten wie GE, Analysten oder der Presse. Wie aber sieht es im „Siemensianer“ innerhalb seines eigenen Baus, quasi hinter den Toren des Konzerns, aus?

    Der Laden ist ein weltweit operierendes Konglomerat aus Einzelfirmen, oder Sparten, die oft nicht das geringste miteinander zu tun haben noch im Verbund größere Synergien erzielen könnten, selbst wenn wirklich alle Kurfürsten unter dem Dach der Zentrale an einem Strang ziehen würden.

    Ganz im Gegenteil, eher das Gegenteil dürfte der Fall sein: Neid, Missgunst, Animositäten und negative Konkurrenz zwischen den Konzernteilen dominieren wohl seit geraumer Zeit die potenzielle Schlagkraft über Größenvorteile.

    Ohne interne Kenntnis der Firma selbst, ein paar plakative Beispiele:

    Underperformer (Führungskräfte) werden an andere Sparten befördert, weggelobt.
    Wir (z.B. Osram oder Medzintechnik, oder, oder, oder) liefern die Deckungsbeiträge, um die anderen mit durchzufüttern (je nach Sparte, alle Jahre wechselnd).
    Der Konzernvorstand bevorzugt die anderen.
    Der Konzernvorstand versteht unser Geschäft nicht.
    Der Gesamtkostenschlüssel benachteiligt uns.
    Vertriebsgesellschaften bekämpfen sich eher weltweit, als sich zu unterstützen.
    etc. pp.

    „Mir schaffe beim Daimler“ meint aus meiner Sicht etwas ganz anderes, als wir sind „Siemensianer“. Eine Wertekultur, die über Jahrzehnte von unten nach oben und wieder zurück entwickelt wurde, allerdings bezogen auf die Marke Mercedes-Benz bzw. aus dem, was diese Menschen aus ihr erbaut haben. Mir schaffe bei Daimler-Chrysler wäre wohl eine Beleidigung für die Leute beim Daimler gewesen und ich glaube kaum, dass beim Daimler jemand traurig über den Verkauf (bzw. dem Geschenk + Zusatzzahlung) einer der Visionen ihres Konzernchefs wäre.

    Auch BMW als Vergleichsmaßstab taugt hier nicht. Die Münchner sind weitgehend beschränkt auf ihr Kerngeschäft, mit ein paar unrühmlichen Ausnahmen wie Rolls-Royce (Flugzeug-Triebwerke) oder dem begradigtem Fehler Rover.

    Insofern sehe ich den Motivationsverlust bei „Siemensianern“, sei es über innere Immigration oder externe Abwanderung, meinetwegen Söldnertum, als mehr oder weniger unabwendbare Folge der Konzernstruktur.

    Da kann welcher Konzernvorstand auch immer wie auch immer am Organigramm herumdoktern, es passt nicht zusammen. Je länger das Deckmäntelchen Siemens als Einheitsmarke über dem Gemischtwarenladen ausgebreitet wird, umso verkorkster und verkrusteter werden die Strukturen.

    Lieber fünf bis zwölf wendige Schnellboote auf den Weltmeeren, statt eine Armada aus Schiffen, welche vom Admiral Konzernvorstand gelenkt wird. Das würde allerdings bedeuten, dass der Konzernvorstand, inklusive Arbeitnehmervertretern, überflüssig würde. Den Matrosen der Osram und Konsorten würde das aber besser tun.

    PCIIA

  41. Klassensprecher sagt:

    @eysel so gefällst du mir — Klassen 1-4: ich war der Stärkste, Klassen Sexta – Oberprima: ich war der Schnellste, neusprachliches Abi: ich war einer der Besten in Englisch. Lang, lang ist\’s her!
    @ Zamir, alter Freund und Bruder aus der pfälzischen Pfalz, geboren bin ich Pfalzel, heute Stadteil von Trier, dort soll der Sage nach vor vielen Jahren Bonifatius mal eine Rede gehalten haben, ob er den Unterschied zwischen gutem und sehr gutem \”wirtschafts-journalistischem Beitrag\” hätte empfängergerecht erläutern können? Schwer zu sagen! Ob er die Qualität eines Beitrags auf mehr Raum hätte loben wollen, als der streitgegenständliche Beitrag selbst über Zeilen verfügt – wohl kaum, aber wie gesagt, jeder so gut wie er kann.
    So schlecht finde ich Inackers Söldnerepos ja nun wirklich nicht, lässt man mal Eysels oberen Skalenbereich weg, den außer ihm selbst in stark belichteten Momenten nur noch PCIIA an guten Tagen und Umverteiler 1X im Jahr erreichen (rty muß man hier rauslassen, denn der kann mit Eysels Skala nicht geratet werden, weil er bei Eysel per definitionem über den Wolken schwebt und schreibt) so kann man Tichys Verhinderungsvertreter durchaus zu Zwecken der Überbrückung zugestehen, die Scheibe getroffen zu haben. rtys Bissigkeit erreicht M.I. nicht ganz, obschon Herr Löscher ganz schön was abbekommt, oder?
    Übrigens, Zamir, bin schon seit ca. dem 40sten aus dem Rennen, jedenfalls aus der tour des ochs. Seitdem söldner ich nebenbei nach besten Kräften, durchaus zur Zufriedenheit meiner Familie und meiner Bankverbindungen.
    @ Alfred Biel: es ist m.E. nicht nur nötig \”über die Rolle des Mitarbeiters in Zeiten der Globalisierung…zu diskutieren\” – viel nötiger erscheint es mir über die \”Rolle des Unternehmens\” unter den Bedingungen der Globalisierung zu reflektieren – welche Ziele im Sinne einer \”guten Führung\” sollte sich ein global agierendes, vernetztes und multilokal wurzelndes großes Unternehmen setzten, wie erarbeitet man sich solche Ziele = Identifikationsangebote für die Menschen in der Firma und wie setzt man die gemeinsamen Ziel-und Wertvorstellungen gegen Wettbewerber durch, nicht nur gegen die SEC, die könnte man sich schnell vom Leibe schaffen, indem man seine Notierung an der Wall Street gegen eine solche anderenorts austauscht, oder???

  42. Alfred Biel sagt:

    Guter wirtschaftsjournalistischer Beitrag

    Inacker ist mit „Neue Söldner – Kulturwandel bei Siemens“ in der Wirtschaftswoche 29/2008 eine sehr respektabler wirtschaftsjournalistischer Kommentar gelungen.

    Journalisten haben nicht nur eine Informations-, sondern auch eine Kritikfunktion.

    Wirtschaftsjournalisten bzw. Wirtschaftsjournalistinnen und insbesondere General-Interest-Titel wie die Wirtschaftswoche haben nicht nur über das Wirtschaftsleben, sondern auch über die Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeiten und wirtschaftliche Ereignisse auf Gesellschaft und Bürger und insbesondere auch auf die Arbeitnehmer zu berichten und auffällige Entwicklungen entsprechend zu kommentieren.

    Unternehmen stehen in einem Spannungsfeld vom Markt, Gesellschaft und Staat. Bei der Güterproduktion unterliegen sie ökonomischen Zwängen, die aber nicht völlig losgelöst betrachtet werden können von ihren sozialen oder auch ökologischen Auswirkungen. Wirtschaftsjournalisten haben dieses Spannungsverhältnis transparent zu machen, zu kommentieren und Orientierung anzubieten. Dazu haben sie auch die Perspektive sowohl der jeweils Betroffenen als auch ihrer Leserinnen und Leser aufzugreifen.

    In den täglichen Nachrichten zu dieser Entwicklung bei Siemens wurde vielfach vermittelt, was stattfindet. Eine Zeitschrift wie die Wirtschaftswoche hat hingegen zu vermitteln, was dies bedeutet.

    Im Fokus des Wirtschaftsjournalismus stehen natürlich in bevorzugter Weise die Manager, Investoren, Unternehmer – aber auch die Arbeitnehmer und Konsumenten sind einzubeziehen. Es ist stets eine schwierige Aufgabe, dieses Bild hinreichend auszubalancieren.

    Inacker hat den in diesem Zusammenhang benutzten Begriff „Lehmschicht“ als Aufhänger benutzt, um eine in der Tat bedenkliche Entwicklung zu kommentieren. Dabei geht es mitnichten darum, volks- und betriebswirtschaftliche Gesetze und Notwendigkeiten auszuhebeln. Schließlich frisst die Kuh, die auf Erden gemolken wird, nicht im Himmel, sondern auch auf Erden, zumal in unserer globalisierten Welt.

    Aber es geht darum, wie ökonomischem Handeln erfolgt und wie es sich auswirkt. Es ist die Frage zu stellen, ob Regeln der Fairness, der Transparenz und des Vertrauens angewandt werden.

    Inacker hat bewusstgemacht, dass sich – vor allem in den Großbetrieben, in der mittelständischen Industrie tendenziell weniger – sich der sogenannte „Psychologischer Vertrag“ (er verwendet diesen Begriff nicht) schleichend verändert, nämlich die unausgesprochenen gegenseitigen Erwartungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber – und deren Bedeutung für ein erfolgreiches Wirtschaften und für die Einbettung der Wirtschaft in die Gesellschaft.

    Wir gebrauchen Begriffe wie Humankapital, Unternehmenskultur, nachhaltige Entwicklung usw. fast inflationär. Taugen diese Begriffe nur für den akademischen Diskurs?

    Wirtschaftsjournalisten sehen sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, ihnen fehle die Distanz zur Wirtschaft und sie verkürzten wirtschaftliches Handeln auf DAX und Dow usw. und scheuten sich vor dem Blick hinter die Kulissen der Unternehmen. Der besagte Kommentar ist hingegen ein gelungenes Beispiel für einen unabhängigen und kritischen Wirtschaftsjournalismus.

    Der Begriff „Söldner“, den Inacker einsetzt, ist eine erlaubte und wohl auch notwendige Zuspitzung. Dieser Kommentar stößt eine notwendige, aber auch sehr schwierige Diskussion an. Es ist notwendig, über die Rolle des Mitarbeiters in den Unternehmen in Zeiten der Globalisierung ernsthaft und wohl auch kontrovers aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren. Hierzu gibt es keine einfachen und auch keine eindeutigen Antworten, dafür ist die Thematik zu komplex. Auch ist die oft recht schwierige Situation der betroffenen Unternehmen nicht zu verkennen. Es muss aber erlaubt sein, kritische Fragen zu stellen und auf sich abzeichneten Konsequenzen in einer ganzheitlichen Sichtweise aufmerksam zu machen.

  43. Schnuzzpiepel sagt:

    Zu Siemens-Söldnern und KorruptionsImmobilienFinanzBörsenBlase
    EnergieMonopolismus:
    Es kommt eine Zeit und die ist garnicht weit,
    da wird nicht mehr ewig herumgesprochen,
    sondern nur noch am Pumpgun-Lauf gerochen.
    Wie ehedem Gary Cooper in 12.00 mittags

  44. Eysel sagt:

    @ K-Sprecher,
    eeeendlich das coming out …
    13 Jahre Klassensprecher … mit Nachweis!!!
    Eigentlich immer in derselben Klasse?
    Und noch schlimmer: Sehr gut in Sport. Football Abi? ;-) )Verzichte auf den Nachweis, dass nicht.

    Zur Sache: Loyalität ist Loyalität auf Zeit. Wenns denn gut läuft. Ich halte es für romantisches spätmittelalterliches “handwerkliches Ständedenken” etwas Anderes auch nur zu erträumen. Für die Strukturen, die ein zwangsläufig börsengetriebener Grossbetrieb – leider – mit sich bringt. Anders bei so manchem mittelständischen hidden champion. Einer der WICHTIGEN Erfolgsfaktoren dort! ( Und bei den Kleinen sowieso.) Dort gibt es die Bedingung des persönlichen Respekts vor einer Person in einer noch überschaubaren Umgebung; oft verbunden mit Standortverwurzelung. Die Loyalität von der Inacker bei Siemens etc. spricht ist die Loyalität die aus oft überdimensionierten “Zusatzleistungen” entspringt; von finanziellen Interessen getrieben und damit motivationstechnisch eher beidseitig eher ZWEITRANGIG. Bei WEITEM also nicht so “edel” in der Motivation, wie von I. unterstellt.

  45. basstiao sagt:

    Die \”Lehmschicht\” schonen – und bloß nicht am \”System Siemens\” rütteln… Der achso-saubere und \”gute dt. Wertarbeit\” repräsentierende, tragende Konzern ist nicht zuletzt wegen Korruption soweit gekommen. Die Lehmschicht ist daran genauso beteiligt wie das Management. Verschonen kann nicht die richtige Methode sein, zumal jeder weiß, dass Siemens ein Tanker mit unflexiblen Strukturen und \”zu klobigen, zu hohen Aufbauten\” ist.

  46. Zamir Zebulovic sagt:

    ey Klassensprecher, Du scheinst ja in Topform zu sein, tja wir
    sind grosse Prediger und Theoretiker, zur praktischen Anwendung
    oder gar Umsetzung unserer “Ergüsse”, fehlt die notwendige Manpower, sowie das strategisch erforderliche Hinterland, vom
    Kapitaleinsatz ganz zu schweigen. Auch ich habe mich, in meinem
    ALter, bereits mit der Rolle des ansoluten Beobachters abgefunden. Früher gab es sowas wie den Ältestenrat. Heute wissen
    die Jungen schon aus dem Stehgreif einfach alles besser; so ändern sich die Gezeiten.
    Gruss Zamir

  47. Klassensprecher sagt:

    @eysel nur eben am Rande: ich könnte notfalls nachweisen, dass ich 13 Jahre lang tatsächlich Klassensprecher war und in Sport “sehr gut” (nicht in bodybuilding) und du, alter Rucksacktourist? …a gut’s nächtle ;-)

  48. Klassensprecher sagt:

    @ Michael Inacker zu: \”wer als Unternehmensleitung Loyalität verlangt … muss attraktiver Arbeitgeber bleiben… wer aber das Gefühl nicht los wird, dass das eigene Unternehmen auf jahrzehntelanges Engagement keinen Wert legt, der wird eben nicht mehr 150% Leistung, sondern Dienst nach Vorschrift erbringen.\”
    Auf 200 Facharbeiter-Ausbildungsplätze bei VW in Sachsen bewerben sich dieses Jahr nicht mehr 1500 Bewerber sondern nur noch 800. Für VW eigentlich kein Grund in grosse Besorgnis zu verfallen, aber die Verhältnisse befinden sich im Wandel. Für die, die am Ende die Chance erhalten in die VW-Familie einzutreten, ist dies der Beginn einer bezahlten Tätigkeit(!) und nicht der Anfang “jahrzehntelangen Engagements”, die Zeiten solchen Herangehens unter den jungen Leuten sind m.E. vorbei.
    Im westdeutschen Mittelmanagement von Konzernen, geht es auf der Ochsentour dort wirklich darum mit 150% Leistung seine Loyalität zur Firma permanent zu beweisen, oder wurden da nicht jahrelang die Leistungschancen z.T nach Gutsherrenart an die Ochsen verteilt, die aus irgendwelchen Gründen \”gleicher\” sind als die Mehrzahl der anderen Ochsen?
    Auf den Führungsetagen und den Ebenen 2 und 3 ist Loyalität statt Söldnertum unzweifelhaft unverzichtbare Kernkompetenz, nur wovor schützt die Demonstration dieser Qualität, wenn die Schlösser zu Archen umgebaut und -funktionalisiert werden müssen?
    Beissen nicht immer den letzten die Hunde? Und wissen das die Getriebenen nicht längst?
    Wenn Sie schon die ganz Grossen aufreihen (Siemens, Daimler etc.)
    - haben Sie einmal darüber nachgedacht, wozu die Milliarden, die allen voran Daimler in Japan und den USA verloren hat, aber auch andere deutsche Globoplayer versandet haben, reichen würden:
    ich wette – selbst bei unkleinlicher Addition reicht das Sümmchen locker um die Deutsche Bank zum heutigen Börsenkurs von ca. 60 EU p. share zu kaufen, was also wäre heute, wenn Edzard Reuter und Herr Kopper seinerzeit nicht den globalen Mobilitäts-Dino angezielt hätten, sondern darauf orientiert hätten, Daimler möge die Deutsche Bank kaufen..? Heutzutage haben die Familien Porsche und Piech zwar die Deutsche Bank nicht im Visier, dafür aber VW und MAN. Bei all diesen Zügen auf dem globalen Brett, spielt da der Familiensinn oder doch eher das Söldnerherrscherdenken die wichtigere Rolle? Wer weiß? Oh wie konnt ich vergessen, Eysel weiß das ganz bestimmt, vielleicht sogar ohne viel darüber nachgedacht zu haben, das macht ihn so sympathisch, oder?

  49. Zamir Zebulovic sagt:

    @Klassensprecher, kannmich Deinen Analysen nur uneigeschränkt
    anschliessen. Habe Heinrich von P.chen auch schon life erlebt,
    grausam und feudalistisch. Siemens globalisiert Deutschland und
    bereits dden ganzen Globus. Wenn alle Naturvorräte aufgebraucht
    sein werden, dann Gnade uns Gott, oder unseren Kindern-Enkeln.
    Gruss Wolfgang

  50. Eysel sagt:

    @ K-Sprecher, was ist nur bei dir schief gelaufen?
    Musik abgewählt stattdessen Bodybuilding gemacht?
    Hast Du Kummer mit die Deinen, drink dich einen.

Kommentar abgeben

Spam protection by WP Captcha-Free