Bitte aufwachen!

Nun ist das Gejammer bei den Konservativen groß über den Linksruck in Deutschland. Aber was zeigt sich wirklich in Hessen und Niedersachsen? Ja, es gibt eine linke Protestpartei. Sie sammelt die Stimmen ewig gestriger Altlinken, frustrierter Grünenwähler und enttäuschter Sozialdemokraten auf. Viel Spaß mit Lafontaines Lumpenproletariat der Demokratie!

Weitaus bedrohlicher ist die Frustration der Leistungsträger und Mittelständler, der bürgerlichen Mitte und ihrer Enttäuschung über die herrschende Wirtschaftspolitik. Sie lässt sich an der sinkenden Wahlbeteiligung der Unions-Anhänger ablesen – und der Bereitschaft vieler Bürger, den populistischen Schaumschlägereien einer Andrea Ypsilanti und eines Kurt Beck zu folgen.

Tatsächlich kommt der wirtschaftliche Aufschwung bei den Leistungsträgern nicht mehr an, weil sie ein geradezu abgabewütiger Staat schröpft. Richtig ist, dass die Geringverdiener in den vergangenen Jahren de facto von der Einkommensteuer befreit wurden. Dafür steigt die Steuerprogression für den mittleren Angestellten und Arbeitnehmer, für den Selbstständigen so steil an, dass jedes berufliche Fortkommen den Finanzminister freut, nicht aber den Leistungsträger. Auch die jüngst wieder entflammte Geldentwertung heizt die Belastung weiter an und mündet in einer inflationsbedingten Steuererhöhung, die die verfügbaren Realeinkommen verbrennt. Diese Bürgerausbeutungspolitik mit Steuern haben wir vielfach beschrieben und kritisiert. Aber auch die Energiepolitik, bei der nur noch ein Viertel der Stromkosten auf die Erzeugung entfällt, belastet die Arbeitnehmer immer heftiger. Allein mehr als 40 Prozent kassiert der Staat an Steuern. Immer neue Abkassiermodelle wie das Erneuerbare Energiegesetz belasten vor allem die Geringverdiener: Hier werden Milliarden eingetrieben, die dann jenen zur Verfügung gestellt werden, die in Windräder und Solarzellen investieren und damit abkassieren. Während also eine groteske Umverteilung von unten nach oben stattfindet, beginnt gleichzeitig die Klimapolitik die Industrie abzuwürgen und Arbeitsplätze großflächig zu gefährden und zu vernichten. Mag ja sein, dass ich nicht politisch korrekt argumentiere: Aber wir retten das Klima nicht, wenn wir vergleichsweise saubere Hochöfen und andere Anlagen in Deutschland unwirtschaftlich machen und dafür dreckige Anlagen in Osteuropa und China diese Aufgaben übernehmen.

Die Bürger fühlen das mehr, als dass sie es wissen. Warum? Nach einigen guten Monaten ist die Angst um den Arbeitsplatz zurückgekehrt in deutsche Büros und Fabriken, und die Misere des Mittelstands macht ihn anfällig für jene typisch sozial bemäntelte Politik, welche die Menschen in die Bedürftigkeit treibt, um diese selbstverantwortete Not dann mit staatlichen Programmen zu bekämpfen. Es ist grotesk, wenn der deutsche Umweltminister den Strom zuerst verteuert – und dann scheinheilig nach Sozialtarifen schreit. Absurd ist es, wenn erst die Mehrwertsteuer erhöht wird, die alle besonders hart trifft, die ihr gesamtes Einkommen für Konsum aufwenden müssen, um anschließend die Erhöhung von Renten und Hartz-IV-Leistungen zu fordern. Komplett widersinnig ist es, immer noch höhere Mindestlöhne zu fordern und grinsend zuzuschauen, wie diejenigen wieder zurück aufs Arbeitsamt gejagt werden, die gerade ihre berufliche Chance erhalten haben.

Auch die von der Union mitgetragene Politik hat in der entstehenden Vertrauenskrise viele Menschen empfänglich für linke Parolen gemacht. Ja, es gibt eine wachsende Gerechtigkeitslücke, und es wird immer mehr Menschen schwerer gemacht, von ihrer Hände Arbeit zu leben. Aber nicht das Entstehen der Linkspartei ist das Problem – sondern die Abkehr der Bürger und Leistungsträger, ihre stille Wut. Wachen Sie auf, Frau Merkel!

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Alle Kommentare [10]

  1. Natürlich, nur die Wirtschaftsfachleute können die Welt retten. Ihr seid die wahren Helden und wir unterschätzen diese Elite tagtäglich…da kommen mir doch die Tränen bei solchen Berichten, die fast an Größenwahn grenzen. Die Manager, die Unternehmen versenken, werden sogar mit großzügigen Abfindungen verabschiedet. Das erwähnt hier keiner.

  2. Was der Bürger tun kann, ist, Wahlen zu boykottieren und den Politikern auf diese Weise das Mandat zu entziehen. Erst wenn Politiker erkennen müssen, dass ihre allein auf Macht- und Eigensicherung gerichtete Politik und der für sie damit verbundene Nutzen gefährdet sind, besteht die Möglichkeit, dass sie sich darauf zurückbesinnen, dass sie als Vertreter und nicht als Gegner des Volkes gewählt wurden.

  3. Sehr geehrter Herr Tichy,
    ich habe manchmal die Gelegenheit, die „Wirtschaftswoche“ zu lesen und bin beileibe nicht mit jedem Ihrer Kommentare einverstanden, aber dieser findet absolut meine Zustimmung. Der Bürger war ja froh, dass der rot-grüne Dilletantensadel 2005 sein Ende fand. Aber leider war es wie so oft; es kommt selten etwas besseres nach. In diesem Fall also nichts. Wenn unsere Damen und Herren Politprofis einmal ihre Arbeit selbstkritisch und mit den Augen des Normalbürgers sehen würden, kämen sie dahinter, wieso ihnen die Populisten der „Linken“ derart den Rang ablaufen. Und wie kommen sie zu der Behauptung, der Wähler habe die grosse Koalition gewollt ? Ich kenne niemanden. Das war doch lediglich eine zufällige Konstellation, die sich nach der Auszählung der Wählerstimmen ergab.
    Mit frendlichen Grüßen
    Dietmar Wenzel

  4. ..genau auf den Punkt getroffen. In der Ebene (gerade der Krankenkassenpflicht entflohen) werden wohl mit unter prozentual die höchsten Abgaben (40% von welcher Seite?) bezahlt. Man fragt, ob sich die jahrelange Fortbildung (an Samstagen, selbsfinanziert) gelohnt hat, der Staat honoriert es augenscheinlich nicht. Gedanken einen normalen (weniger verantwortungsvollen) Job anzunehmen, dann nach, geregelten 8 Stunden, nach Hause zu gehen kommen immer öfter.

  5. Der Artikel bringt wie immer die Dinge auf den Punkt. Das eine gehörige Portion Sarkasmus mitschwingt, ist mir durchaus nachvollziehbar. Sarkasmus macht manches leichter erträglich.

    In der Sache ist er vollkommen zutreffend und erwähnt längst nicht alles, was hier noch angefügt werden könnte:
    a) Es wäre hochgradig vernünftig, die Laufzeiten der nicht klimaschädlichen Atomkraftwerke zu verlängern. Stattdessen will man daraus auch noch schneller aussteigen.
    b) Die Abgabenschraube beim Benzin ist ähnlich hoch wie bei der Energie.
    c) Statt Bürokratieabbau gibt es ständig neue Gesetze und Erlasse, die nicht nur das wirtschaftliche Handeln, sondern die Freiheitsrechte insgesamt zunehmend einschränken. Bestes Beispiel sind die Nichtraucherschutzgesetzte, die keine Wahlfreiheit mehr zulassen und Existenzen vernichten. Warum lässt man nicht dem Gast die Wahl, ob er in ein Raucher oder Nichtraucherlokal gehen möchte ? (Ich bin übrigens Nichtraucher)

    Es könnte sicherlich noch mehr ergänzt werden, aber hilft es ? Ich glaube beim besten Willen nicht, dass die „Grosskoalitionäre“ noch im beschriebenen Sinne aufwachen werden, so wünschenswert es wäre.

  6. …den Nagel auf den Kopf getroffen! Das stelle ich bei mir selber fest. Als Unternehmer im Mittelstand wird der Frust tatsächlich mit jedem Knüppel größer, den man einem zwischen die Füße wirft. Eine langfristige Planung ist kaum mehr möglich. Reagieren statt agieren um sich jeweils den geänderten Situationen anzupassen, das ist heute angesagt. Unter Aufschwung verstehe ich jedenfalls keinen permanenten Überlebenskampf.

    Verstärkt wird der aufkommende Frust wegen dem Gefühl, das selbst die gewählte Partei kein Verständniss für die Bedürfnisse aufbringt. Im Gegenteil – Was WIR denken (und vor allem was wir dringend benötigen) scheint dort oben nicht mehr anzukommen. Oder ist dies völlig egal? Ich jedenfalls bin die Büttenreden aus Berlin so langsam satt.

    Wo ist die Solidarität, die uns einst so stark gemacht hat?
    Deutschland: Ein Land voller Einzelkämpfer…

  7. „Die Klimapolitik würgt die Industrie ab und gefährdet und vernichtet Arbeitsplätze, das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) ist ein Abkassiermodell und stellt eine groteske Umverteilung von unten nach oben dar.“
    Chefredakteur Tichy haben wohl jetzt endgültig alle guten Geister verlassen mit seinen fast wöchentlichen Hasstiraden gegen alle Klimaschutzbemühungen. Mit absoluter Sicherheit kann natürlich niemand die Auswirkungen einer Klimaveränderung vorhersagen. Dass aber Veränderungen im Gange sind, die sich zunächst vor allem in den Entwicklungsländern negativ auswirken werden, müsste zwischenzeitlich eigentlich jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein. Die möglicherweise noch zu vermeidenden negativen Folgen für die Menschheit erfordern eine klare Handlungsstrategie. Dass damit auch Geld zu verdienen ist, hat ja sogar Tichy erkannt. Nur, Geld mit Solar und Windtechnik zu verdienen, nennt er dann „abkassieren“. Wer kassiert denn eigentlich wirklich ab?
    Bei ca. 30,– € EEG-Zusatzkosten pro Jahr und Haushalt von einer Umverteilung zu sprechen, während die großen Energiekonzerne ständig zu Lasten der Privatverbraucher und zu Gunsten ihrer Ertragssituation ihre Preise erhöhen, kann schon nicht mehr mit Ignoranz abgetan werden.
    Hat der Chefredakteur eines angesehenen Wirtschaftsmagazins eigentlich unbegrenzt Narrenfreiheit

  8. Sehr treffender Artikel. Nimmt man noch Bildungs-, Genforschungs-, AKW-, Industrie-, Ausländer- und Klima-„Politik“ dazu, hat man den perfekten Morgenthau-Plan für Deutschland made in Germany.

  9. Reformen??? Welche Reformen??? Dass die Reichen NOCH REICHER werden müssen!!! Und dass das dumme Arbeiter – und Angestellten-Pack drei oder vier Jobs zum Überleben braucht. Ihnen vereehrter Herr Tichjy, Vertreter der marktradikalen Fraktion sei folgendes ins Stammbuch geschrieben: \\\“Der größte Kostenblock in einem Unternehmen sind NICHT die Mitarbeiter, sondern die Managementfehler.\\\“ Aber Nieten in Nadelstreifen machen ja KEINE Fehler….

  10. \“Weitaus bedrohlicher ist die Frustration der Leistungsträger und Mittelständler, der bürgerlichen Mitte und ihrer Enttäuschung über die herrschende Wirtschaftspolitik.\“ – SO IST ES!
    Und: Diejenigen, die immer noch Ehrgeiz haben, die Arbeitswilligen, die immer noch eine bescheiden Mehrheit bilden, deren \“unterer Rand\“ aber immer mehr zur \“da-hol-ich-mir-doch-lieber-was-vom-Staat-Fraktion\“ hin erodiert, resigniert und, oder flüchtet in die Schwarzarbeit: plappert den Rüttgers-Betroffenheits-Blödsinn nach und verhilft ihm SO zum Status der allgemein anerkannten Wahrheit und Gewissheit. Wird SO resistent gegen jede an Fakten orientierte Wahrheit.
    Ebenso: Das Verschweigen des enormen abgabenbedingten Anteils der Stromkosten in der öffentlichen Diskussion als nur EIN Hinweis auf eine infame \“Politik\“ die sich die sich darauf beschränkt, \“BUHMÄNNER\“ auszumachen, zu diskreditieren, diffamieren (…. was kommt als Nächstes??? ) um von eigenem groteskem Versagen abzulenken.
    Ich bin AUCH der Überzeugung, dass \“einfache Bürger\“ das mehr fühlen, als verstehen; sich eine vagabundierende unterschwellige nicht nur Staatsverdrossenheit breit macht, sondern sogar eine Tendenz zur RADIKALISIERUNG ausbreitet. Worin ich ein enormes Potential für noch weit schlimmere politische \“Rattenfänger\“ erkenne, als wir sie schon erleben.
    Die Frage, die sich mir stellt ist: Wieviel geheucheltes \“Sozialgekuschel\“ erträgt das System noch bis es unter dem evolutionären Druck der Globalisierung kollabiert … und was kommt DANN??? Ich befürchte, dass es eine veritable tiefe Weltwirtschaftskrise, ein komplettes \“vor-die-Wand-Fahren\“ braucht um die sozialromantisch \“eingelullte\“ Mehrheit der Bevökerung\“ zum Aufwachen zu bringen und die überlebensnotwendigen WIRKLICHEN Reformen in Gang zu setzen.